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E-Klausur im Versuchslabor

Prüfungen können mit dem Tempo des digitalen Fortschritts kaum mithalten –  das zeigt das E-Examination Center an der FU. Doch der gebremste Fortschritt hat Vorteile. Ein Besuch von Marius Mestermann.

Derzeit sind es noch 151 Rechner. Foto: Marius Mestermann

Es ist ein Millionenprojekt. Auf der Reise ins Neuland baut die Freie Universität eine zweite Haltestelle, noch in diesem Jahr soll das E-Examination Center 2.0 in Dahlem eröffnet werden. Zusätzlich zum bisherigen EEC entsteht im Campushotel Seminaris ein weiteres computergestütztes Prüfungszentrum, mit dem man bestens vorbereitet sei „auf die Herausforderungen der wachsenden Digitalisierung auch im universitären Bereich”, erklärte FU-Kanzlerin Andrea Bör zur Bekanntgabe.

Digitalisierung und Uni? Kein einfaches Thema. Fortschritt kann teuer sein und nicht immer fallen die ersten Gehversuche leicht. Das jetzige E-Examination Center der FU ist dafür ein gutes Beispiel. 1,3 Millionen Euro hat der Bau gekostet, hinzu kommen laufende Personal- und Modernisierungskosten. Und doch hat die Technik den Vorzeigebau längst eingeholt.

Wenn die Computer im Saal hochfahren und Alexander Schulz’ Blick über die flackernden Displays streift, merkt man ihm an, dass in diesem Raum viel Herzblut steckt – auch seins. Schulz, der den Bereich E-Examinations an der FU koordiniert, erzählt von den ersten Gehversuchen mit E-Klausuren, als Studierende noch ihre eigenen Laptops mitbrachten und etliche der Geräte nicht mit der Prüfungssoftware kompatibel waren. Von all den juristischen Kenntnissen, die er sich wegen der Sensibilität von Prüfungen über die Jahre aneignen musste. Und von dem umgebauten Chemie-Labor in der Fabeckstraße in Dahlem, das heute 151 Sitzplätze mit Bildschirmen beherbergt.

Über 84.000 computergestützte Prüfungen sind dort seit der Eröffnung vor fünf Jahren durchgeführt worden. Das klingt erstmal viel. Andererseits schreiben wir das Jahr 2018, und die Prüfungssoftware ist für den Internet Explorer optimiert – kein Scherz.

Doch wichtiger als eine hübsche Programmoberfläche ist im Kontext von Prüfungen, die letztlich über Lebensläufe entscheiden können, die Absicherung nach allen Seiten. Alle 30 Sekunden werden Backups der Klausuren auf den Prüfungsservern gespeichert, falls mal ein Computer abstürzen sollte. Und bei einem Stromausfall? Springen die Diesel-Aggregate im Data-Center der ZEDAT an. Schulz findet, dass sie mit der „extrem stabilitäts- und sicherheitsorientierten technischen Konfiguration” die richtige Wahl getroffen haben. Auch wenn das bedeutet, dass man jahrelang am verstaubten Internet Explorer festhält, um Störungen zu vermeiden.

Zur Not werden die Computer auch mit Diesel-Aggregaten betrieben. Foto: Marius Mestermann.

Eine Spur der Vergangenheit zieht sich auch durch den Prüfungssaal selbst, der trotz Umbau den Charakter eines Versuchslabors behalten hat. Zahlreiche Variablen können hier kontrolliert werden, die Geräuschisolierung ist sagenhaft. Und was kaum ein Prüfling wissen dürfte: Hinter den hölzernen Spinden an der Wand werden noch heute Chemikalien in den zweiten Stock gepumpt.

Doch warum der große Aufwand der E-Umstellung? Lehrende könnten die digitalen Klausuren „erheblich schneller” bewerten, argumentiert Schulz. Sie lernten auch mit jedem Mal dazu, „wie Prüfungsfragen immer besser konstruiert und formuliert werden können”.

Dadurch steigt zwar kurzfristig der Aufwand für Professor*innen und ihre Hilfskräfte bei der Vorbereitung, danach profitieren aber auch sie von Zeitersparnissen bei der Korrektur, bestätigen mehrere von ihnen. Bei Multiple-Choice-Fragen können die Eingaben direkt ausgewertet werden, bei Freitextaufgaben erübrigt sich immerhin das Entziffern krakeliger Handschriften. Technische Grenzen gibt es hingegen etwa bei der Erfassung chemischer und mathematischer Formeln – hier sei „das klassische Papier dem PC derzeit noch überlegen”, gibt Schulz zu. Ändern könnte sich das mit Touchscreens.

Mit dem Bau des neuen EEC würden die Kapazitäten auf 332 Plätze steigen – wären da nicht die Bauarbeiten am bisherigen Standort. So muss das jetzige EEC für ein paar Jahre schließen, erst danach sind beide Zentren parallel einsetzbar. Doch es gibt auch gute Nachrichten: In nicht allzu ferner Zukunft soll die Prüfungssoftware nicht mehr an den Internet Explorer gebunden sein.

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