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Die Stimmen der Frustrierten

Viel Frust und wenig konkrete Antworten waren beim „Hearing Lehrkräftebildung“ zu hören. Dazu hatte Staatssekretär Steffen Krach an die FU geladen. Jette Wiese hat die Diskussion verfolgt.

Oft blieb dem Podium nur das Zuhören übrig. FU-Studierende beklagten die Zustände im Lehramtsstudium. Foto: Klara Siedenburg

Wie bleibt das Lehramtsstudium studierbar und qualitativ gut für alle, obwohl sich die Zahl der Student*innen verdoppelt? Dieser Frage stellte sich der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, bei einem sogenannten „Hearing” zur Lehrkräftebildung an der FU. Hier wollte er mit Univertreter*innen und Lehramtsstudierenden aus ganz Berlin ins Gespräch kommen und so “Handlungsbedarfe und neue Impulse” identifizieren. Und Gesprächsbedarf sahen diese eine Menge.

Schlechte Organisation des Lehramtsstudiums

Wegen des dramatischen Lehrkräftemangels in Berlin stellt der Senat für die Ausbildung von Lehrer*innen in den Hochschulverträgen von 2018 bis 2022 70 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Dafür verpflichten sich die Unis, die Zahl der Absolvent*innen des Masters of Education auf jährlich 2000 zu verdoppeln. Diese scheinen jedoch bereits jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt zu sein, was sich nachteilig auf Studium und Lehre auswirke.

Merklich frustriert und teilweise wütend berichteten die Studierenden von ihren Erfahrungen. Neben völlig überfüllten Seminaren, mangelnder Betreuung von Abschlussarbeiten und allgemeiner Raumknappheit bemängelten sie vor allem den fehlenden Praxisbezug im Studium. Es werde ein zu großer Fokus auf die wissenschaftlichen Inhalte gelegt, während die Vorbereitung auf das tatsächliche Berufsleben, sowie entscheidende Themen wie Kommunikationstechniken und Schulentwicklung, zu kurz kämen. Ein gerade mal vierwöchiges Praktikum im Bachelor gleiche das keinesfalls aus, beklagten mehrere Studierende.

„Es wurde erwähnt, dass 70 Millionen Euro zur Verfügung stehen – warum bekommen wir davon nichts zu sehen?

Das Praxissemester im Master sei dahingehend zwar eine gute Idee, es komme aber viel zu spät und sei schlecht koordiniert. Das räumte selbst Krach ein, was spontanen Applaus unter einigen Gästen auslöste. Kurz vor der Masterarbeit sei das Praxissemester zeitlich zu geballt und nicht vereinbar mit notwendigen Nebenjobs, was Auswirkungen auf die finanzielle Ausstattung der Studierenden habe, bemängelten einige Studierende und hatten gleich direkte Lösungsideen parat. Eine Aufwandsentschädigung während des Praxissemesters beispielsweise oder Stipendien für Student*innen, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss weiter in Berlin zu unterrichten, könnten die finanzielle Lage entspannen.

Keine Versprechungen

Dass Handlungsbedarf in der Ausbildung von Lehrkräften besteht, ist in dem gut zweistündigen Hearing unmissverständlich klar geworden. Die Meldungen aus dem Publikum überraschten nicht nur in ihrer Menge, sondern auch in der Deutlichkeit mit der Probleme angesprochen und Lösungen gefordert wurden. „Es gab keine Forderungen, die völlig unrealistisch erscheinen“, fand Krach. Man müsse jetzt mit den Universitäten und dem Senat diskutieren, was davon umsetzbar sei. „Klar ist aber, dass das Thema alle bewegt.“

Ob und wie die Rahmenbedingungen des Lehramtsstudium oder sogar das Hochschulgesetz geändert werden, blieb offen. Eine Umverteilung oder Erhöhung der zur Verfügung stehenden Gelder oder ein Abweichen von den Zielzahlen von 2000 Absolvent*innen ist allerdings nicht zu erwarten. Größere Schritte seien ohnehin auf Bundesebene zu verhandeln, merkte Krach an. Diese Aussichten werden jedoch der Frustration vieler Studierender wohl kaum entgegenwirken.

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