Wortfrei! Herbstgedichte | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Wortfrei! Herbstgedichte

Mit jeder neuen Jahreszeit wandelt sich die Stimmung. Julia Brüggemann hat dem in zwei Gedichten Ausdruck verliehen.

Die Worte sind frei! Collage: Christine Zeides; Illustration: FURIOS

Unsere Rubrik „Wort frei!“ ist eine Plattform für eure ungebändigte Kreativität. Ob Prosa, Lyrik, Comic oder Cartoon, wir sind gespannt auf eure Beiträge.

Fenster im Dach

Und auf einmal wird mir schlagartig klar, dass nichts mehr so ist, wie es vor kurzem noch war.
Wir sind anders abgebogen, höher und höher schlagen die Wogen.
Du hast an der Kreuzung den anderen Weg genommen,
wir haben beide ein neues Heute gewonnen.

Ba de ya, say do you remember?
Ba de ya, dancing in September
Ba de ya, never was a cloudy day

Ich würde nicht tauschen wollen, genieße das Jetzt und Hier.
Das Gestern liegt so weit zurück,
nichts, wie es so lange gewesen ist.
Alles lief in seinen Bahnen, doch dann ist der Meteroit eingeschlagen.
Zerstörte alte Muster, zerstörte unsere Farben.
Da ist viel Abstand zwischen uns,
räumlich und real.
Doch trotzdem bist du nah.
Und sag mir,

Ba de ya, say do you remember?
Ba de ya, dancing in September
Ba de ya, never was a cloudy day

Über mir ist ein Fenster im Dach.
Ich sehe die Sterne, ich sehe dir nach.
Und auf einmal wird mir schlagartig klar, dass du die selben Sterne siehst,
jede Nacht,
und dass der gleiche Mond über deinem und meinem Zimmer wacht.

Blick in den Herbst

Man könnte alle Tage bleiben. Es gäbe noch so viel zu bereden, noch mehr zu erleben.
Wir könnten in den Lichtern tanzen,
bis zum Morgen und dann wieder warten, bis die Nacht kommt.

Doch der Herbst hat die ersten Blätter bunt gefärbt,
hast du es bemerkt?
Du stehst auf der leeren Straße
mit nichts anderem als dir selbst im Gepäck.

Das Leben hat einen schlechten Orientierungssinn,
hast du gesagt,
man muss es am besten an die Hand nehmen, damit es sich nicht verläuft.
Deine Worte tröpfeln auf meine Haut,
es regnet und der Sommer hat mir ein letztes Mal zugewunken.
Seine Augen sahen aus wie sprühende, aber kraftlose Funken.

Bunte Blätter säumen den Asphalt
und das Grau erscheint nur noch halb so kalt.

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