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Präsident Alt – Zwischen Exzellenz und Protest (2014 – 2018)

Nach acht Jahren FU-Präsidentschaft räumt Peter-André Alt seinen Platz und wendet sich wohl einem neuen Amt zu. Ein Rückblick auf zwei Amtszeiten von Julian von Bülow – Teil 2.

Präsidentielle Aufgaben: Zum Beginn des Sommersemesters 2017 wird ein Hörsaal in der Silberlaube besetzt. Foto: Marius Mestermann (Archiv)

Im April 2014 wurde Peter-André Alt vom akademischen Senat (AS) konkurrenzlos wiedergewählt.

Im Zuge der sich verschärfenden Bürgerkriegssituation in Syrien, kamen im Jahr 2015 immer mehr Geflüchtete nach Deutschland, was auch die FU vor neue Integrationsaufgaben stellte. Das FU-Präsidium um Alt präsentierte daraufhin im Oktober das Programm Welcome@FU, mit dem Geflüchtete an Lehrveranstaltungen teilnehmen und perspektivisch Studienleistungsnachweise erbringen können. Die Kritik von Student*innen, denen das Programm nicht weit genug ging, folgte prompt.

Neue Proteste

Ein weiterer Konflikt zwischen Präsident und Studierendenschaft sollte zwei Jahre später folgen. In nur acht Wochen konnten sich im Frühjahr 2017 die Berliner Senatskanzlei und die Hochschulen auf die neuen Berliner Hochschulverträge für die Periode 2018 – 2022 einigen. Das Ergebnis, das der FU unter anderem jährlich 3,5 Prozent mehr Förderungsgelder verspricht, wurde allerdings an Bedingungen geknüpft: Die Studienanmeldungen müssen auf dem Niveau von 2017 bleiben. Aufgrund des Berliner Lehrer*innenmangels soll außerdem eine feste Lehramtsabsolvent*innenquote erfüllt werden. Das Erreichen dieser Zahlen scheint für die Unis jedoch mit Schwierigkeiten verbunden und läuft Gefahr mit Überbuchungen zahlreicher Studiengänge einherzugehen.

Das Sommersemester 2017 begann daraufhin mit der Besetzung eines Hörsaals in der Rost- und Silberlaube. Ehe die Besetzer*innen ihrem Wunsch nach mehr Beteiligung an den Verhandlungen der Hochschulverträge wirksamen Ausdruck verleihen konnten, hatte das Präsidium aber nach Verstreichen einer Frist die Polizei gerufen. Nach einem ersten freiwilligen Rückzug wurde auch ein erneuter Besetzungsversuch in der folgenden Woche schließlich durch die Polizei beendet, der Hörsaal geräumt. Die Hochschulleitung stellte 19 Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch. Bei der darauffolgenden AS-Sitzung bezeichnete Alt die Aktion der Studierenden als „völlig daneben“, erklärte sich aber gesprächsbereit bezüglich des Fallenlassens der Anzeigen.

Als aktuellstes Ereignis fallen nun auch die Streiks der studentischen Beschäftigten in die ausgehende Amtszeit Alts. Da es seit 2001 keine Erhöhung des Tariflohns für studentische Hilfskräfte (SHKs) gab und man sich bisher seit Monaten nicht auf Lohnsteigerungen einigen konnte, sind die ca. 1.700 beschäftigten SHKs an der FU seit Jahresbeginn zum Streik aufgerufen. Ein erster Warnstreik erfolgte am 16. Januar. Da die FU und andere Universitäten den studentischen Verhandlungsführer*innen kein neues Angebot vorgelegt haben, sind weitere Warnstreiks für den 23., 24. und 25. Januar angekündigt.

Ausblick

Die Findungskommission der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) benannte im Dezember 2017 Peter-André Alt als ihren einzigen Kandidaten für die im April anstehenden HRK-Präsidentschaftswahlen. Die HRK als Zusammenschluss deutscher Universitäten und Hochschulen gilt als größte Vertreterin universitärer Interessen gegenüber der Politik.

Bis zur Amtsübergabe will Alt die Betreuung laufender Anträge, insbesondere den Gemeinschaftsantrag von FU, HU und TU auf Fördergelder der Exzellenzstrategie (vorm. Exzellenzinitiative) weiter aktiv begleiten, ehe er im August die HRK-Präsidentschaft antreten könnte. Seine Wahl gilt als sicher. Über die Anträge wird im September entschieden, 2019 beginnt die Ausschüttung der Fördergelder.

Für die Stelle des FU-Präsidenten ist die Bewerbung von Günter Ziegler die bisher einzig bestätigte. Ziegler sei „ein exzellenter Wissenschaftler und sehr guter Kommunikator“ und werde „an der FU integrativ wirken können“, so Raúl Rojas, der ehemalige Kandidat der Liste „Exzellenz und Transparenz“. Dennoch: „Ich würde mir wünschen, dass der*die neue Präsident*in die Weichen stellen würde, sodass es in Zukunft zur Regel wird, externen Kandidat*innen den Vorzug zu geben. Das verhindert das Verewigen von vorhandenen Machtstrukturen und wird von vielen Universitäten praktiziert.“

Doris Kolesch von Alts Liste „Vereinte Mitte“, die Ziegler schon im Vorfeld als „idealen Kandidaten“ bezeichnet hatte, ist sich sicher: „Herr Ziegler ist jemand, der versucht, allen zuzuhören. Nicht nur den Professor*innen oder Mitarbeitenden, sondern eben allen, auch den Studierenden.“ Sie geht von weiteren, auch externen Bewerbungen aus: „Es ist ein offenes Rennen.“

Ob dem wirklich so ist, zeigt sich bald: Die Bewerbungsfrist lief am 19. Januar ab, am 14. Februar werden die Kandidat*innen vom akademischen Senat nominiert. Die Wahl des*der Präsident*in erfolgt schließlich bei der AS-Sitzung am 2. Mai.

 

Prof. Dr. Peter-André Alt lehnte die Möglichkeit einer Stellungnahme zu seiner Bilanz und der Wahl ab.

 

Hier gehts zum ersten Teil unseres Rückblicks.

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