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FURIOS verachtet: Wahlplakate

Am 24. September ist Bundestagswahl, doch an den Straßenlaternen der Stadt ist sie bereits seit Wochen omnipräsent. Die Qualität der Wahlplakate lässt jedoch zu wünschen übrig, findet Karolin Tockhorn.

Titel

Die diesjährigen Wahlplakate gehören eher ins Altpapier, findet unsere Autorin. Foto: pixabay

Rund 16 Millionen Zuschauer*innen verfolgten Anfang September das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz, welches damit trotz unbestreitbar fehlender Dynamik, die meistgesehene Sendung des Jahres war. Der Wahl begegnen wir seit einigen Wochen aber vor allem auf den Straßen. Schmunzelnd bis grimmig blicken die Spitzenkandidat*innen von bunten Plakaten herab. Mit mehr oder weniger flotten Sprüchen versuchen die Parteien unsere Aufmerksamkeit zu erlangen und zur Wahl zu mobilisieren. Überzeugendes ist jedoch rar: Von fade, über selbstverliebt, bis hin zu unter der Gürtellinie ist in diesem Jahr alles vertreten. Unsere Autorin hat sich die diesjährigen Plakate genauer angesehen. (Fotos: Karolin Tockhorn, Felix Lorber)

AfD

AfD

Eines muss man den AfD-Plakaten lassen: sie bleiben im Gedächtnis. Offensichtlich schreckt die Partei bei ihrem Schrei nach Aufmerksamkeit vor nichts zurück. Mit Slogans wie „Burkas? Wir steh’n eher auf Bikinis“, setzt sie bei ihrer zweiten Bundestagswahl wohl auf Orientierung an der NPD-Rhetorik. Die Models, deren leicht bekleideter Allerwertester auf den Aushängen verewigt wurde, können einem eigentlich nur leid tun. Ein moderner, femininer Appeal an die Befreiung der Frau? Wohl kaum. Vielmehr wird einer vermeindlichen Unterdrückungsmethode hier purer Sexismus entgegengesetzt – irgendwie paradox. Lieber bleibt man Feigling, als den Mut zu dem Deutschland aufzubringen, welches diese Plakate vermitteln.

Die Grünen

Grünen

Die Wahlplakate der Grünen sind vor allem eines – grün. Klassischerweise wird jedes von ihnen mit einer Sonnenblume geziert. Die pinken Symbole, die den jeweiligen Wahlspruch unterstützen, erwecken beinahe den Eindruck, die Partei hätte sich an der Zeichenmappe eines Grundschülers bedient. Lässt diese Farb-Euphorie potentielle Wähler*innen wirklich an eine schöne neue Welt glauben? Unwahrscheinlich. Vielleicht hat die Partei vergessen, dass man das Wahlrecht in Deutschland erst zum achtzehnten Geburtstag bekommt.

CDU

CDU

Die CDU-Plakate in drei Worten? Schwarz, rot, gold. An Deutschheit sind die Aushänge der Partei kaum zu überbieten. In großen Lettern prangern die Worte „Für Sicherheit und Ordnung“ zwischen den Nationalfarben. Auch bei der Wortwahl hat man die Kreativität also lieber Zuhause gelassen. Typisch Deutsch eben.

Die Linke

Linke

Wahlslogans kreieren indem man einfach Wörter durchstreicht? Einfacher hätte Die Linke es sich kaum machen können. Die Partei stellt eine einfache Gleichung auf: Wer „keine Lust auf Weiterso“ hat, hat „Lust auf Die Linke“. Zwei simple Sätze in einem, die suggerieren, dass nur die Linke dazu befähigt ist, Deutschland aus der Misere zu befreien. Wer Veränderung will, muss also links wählen. Wenn die Partei bei diesem Versuch genauso kreativ ist, wie beim Erstellen ihrer Slogans, ist diese Aussage jedoch äußerst zweifelhaft.

FDP

FDP

Wahlplakat oder die neue Werbung für H&M? Diese Frage stellt sich beim Betrachten der FDP-Aushänge. Ein perfekt in Szene gesetzter und top gestylter Christian Lindner blickt verstohlen zu Boden, schielt auf sein iPhone – und gelegentlich auch mal in die Kamera. Der eingesetzte Schwarz-Weiß-Filter ließe jedoch auch den Glöckner von Notre-Dame begehrenswert und für die Wahlzettel attraktiv erscheinen. Trotz der pinken Schrift auf gelbem Hintergrund bleibt fraglich, was hier im Fokus steht: ein objektifizierter Spitzenkandidat oder Inhalte?  

SPD

SPD

Mit einem halb-motiviert in die Kamera lächelnden Kanzlerkandidaten versucht die SPD ihre Wähler*innen zu überzeugen. Das Gesicht ihres Protagonisten Martin Schulz ist der klare Fokus des Wahlkampfs. Fast überliest man den faden Spruch, der in typischem Politdeutsch rechts oben in der Ecke steht: „ Zeit für mehr Gerechtigkeit“- eine Aussage, so schwammig wie die aufgeweichten Plakatecken. Ob diese lustlos wirkenden Plakate potentielle Wähler*innen anregen, „am 24.09. SPD zu wählen“? Fraglich.

 

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