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Slamming mit Cicero

Am zweiten November verwandelte sich der Griechische Hof im Neuen Museum in eine Bühne für Altertumswissenschaftler. Kim Mensing über einen Science-Slam der besonderen Art.

Beim Antiquity Slam sind Präsentationen erlaubt. Foto: Kim Mensing

Beim Antiquity Slam sind Präsentationen erlaubt. Foto: Kim Mensing

Es ist ein kalter Novemberabend in Berlin, die Museumsinsel wie ausgestorben. Doch der Griechische Hof im Neuen Museum ist in warmes Licht getaucht. Es ist ein rechteckiger, sehr hoher Raum mit Wänden aus nackten, beigen Ziegeln. Mit seiner historischen Atmosphäre stellt er einen passenden Ort dar für den „Antiqvity Slam“, zu dem das Berliner Antike Kolleg und das Exzellenzcluster Topoi am zweiten November luden. Der erste seiner Art sollte Forschende der Altertumswissenschaften auf die Bühne locken – und das Laien-Publikum von dem verstaubten Forschungsbereich begeistern.

Die Antike als Trendsetter

Die Altertumswissenschaften erforschen die griechisch-römische Antike. Rhetorik war in diesem Zeitalter eine hohe Kunst – im Forum Romanum traten berühmte Redner auf, wie beispielsweise Cicero, Staatsoberhaupt im antiken Rom. Die Altertumswissenschaften seien die eigentlichen Erfinder des Slams, sagte Christoph Markschies vom Berliner Antike Kolleg in seiner Eröffnungsrede. “Wir haben die anderen Disziplinen beim slammen beobachtet – jetzt zeigen wir denen, wie es richtig geht!”

Der Antiqvity Slam ging dabei aber anders vor als die Konkurrenz. Poetry- oder Science-Slams laufen in der Regel nach dem gleichen Schema ab: Die Kandidaten tragen in einer ersten Runde allesamt vor, das Publikum bewertet durch Applaus. Eine Auswahl der besten dieser Vorträge darf dann erneut gegeneinander antreten, bis irgendwann ein Gewinner gekürt werden kann. Alle Vortragenden haben also mehrere Reden vorbereitet – für den Fall, dass sie es eine Runde weiter schaffen. Die Vorträge dürfen meist nicht länger als fünf Minuten sein und müssen ohne Hilfsmittel auskommen. Beim Antiqvity Slam dagegen konnten die sechs Slammer Powerpoint-Präsentationen zu Hilfe nehmen – und einer von ihnen verkleidete sich sogar. Außerdem hatten sie auf der Bühne ganze zehn Minuten Zeit.  

Ein Slam wie kein anderer

Die brauchten sie aber auch, denn schließlich sind ihre Forschungsgebiete komplexer Natur. Die Archäologin Ivana Zivic von der FU begann ihren Beitrag zum Beispiel mit der Erklärung, wie antike Monumente untersucht werden können, ohne dabei vor Ort zu sein. Einige Forscher hatten mehr Schwierigkeiten vor dem Laienpublikum zu sprechen und mussten sich an die neue Situation zuerst gewöhnen. Slammer Adrian Bremenkamp, Kunsthistoriker an der UdK Berlin, brauchte einen Moment, bevor er mit dem Inhaltlichen loslegen konnte: “Hier wird man ja ständig angeguckt. Von Konferenzen bin ich so aufgeweckte Gesichter gar nicht gewohnt!”

Andere brachten bewusst schauspielerische Elemente mit in den Vortrag, wie Konrad Löbke, Latein-Wissenschaftler von der Uni Rostock. Wenn er an antiken Texten forscht, stellt sich ihm oft dasselbe Problem: Welche der vielen Übersetzungen ist dem Original wohl am nächsten? Denn jeder Übersetzer bringt seine eigene Interpretation mit in den Text. Wie kann bzw. soll man ihn also verstehen? Konrads Lösung: Sherlock Holmes spielen. Und so musste auf der Bühne ein komplizierter Fall gelöst werden, in dem “Sherlock” verschiedene Aussagen gegeneinander abwägt. Trockene Latein-Wissenschaften als Kriminalfall aufbereitet – das Publikum war begeistert.

Insgesamt allerdings standen die Vorträge des Antiqvity Slams in keinem Vergleich zu denen populärer Science-Slams. Der Unterhaltungsfaktor war eher gering – was nicht unbedingt an den Vortragenden selbst, sondern an dem alltagsfernen Forschungsbereich liegen wird. Ob es eine Fortsetzung des Antiquity Slams geben wird, ließen die Veranstalter offen.

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