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Furios daheim: Kerr, is dat schön hier!

Jetzt mal Butter bei die Fische: in die Heimat fahren die meisten gern. Das Ruhrgebiet verbindet Industrie mit Kultur und seine Sprache verleiht ein ganz besonderes Heimatgefühl findet Hannah Lichtenthäler.

Schiffshebewerk Datteln-Henrichenburg. Foto: Hannah Lichtenthäler

Schiffshebewerk Datteln-Henrichenburg. Foto: Hannah Lichtenthäler

„Wie isset?“ – „Muss“, lautet der erste Dialog in der Heimat. Im Ruhrpott reden die Leute nun mal so, und das verbindet. Das Ruhrgebiet erkennt man an qualmenden Schloten? Wohl kaum! Man merkt et doch anne Sprache. Wenne im ICE von Berlin nach Dortmund sitzt, sind die Heimischen schnell enttarnt: „Hömma, nu machma halblang und halt endlich den Babbel“. Die fahren auch in den Pott, dat ist klar.

Heimat – das ist ein sehr offener Begriff und bedeutet für viele etwas Anderes. Meine Heimat ist der Ruhrpott. Es ist schön, dass die deutsche Sprache diesen Begriff „Heimat“ hat. Es ist nicht dasselbe wie „home“ oder „casa“. Mit der Heimat verbinde ich zwar meine Familie und das zu Hause, in dem ich aufgewachsen bin, doch dahinter steckt viel mehr. Es ist ein Gefühl, das sich nicht leicht in Worte fassen lässt. Ein Gefühl, das rund fünf Millionen Menschen verbindet.

Home is where your Poofe is

Ich komme aus Datteln, eine Kleinstadt am Rande des nördlichen Ruhrgebiets. Datteln kennen die wenigsten von außerhalb. Dabei hat Datteln den weltweit größten Kanalknotenpunkt und das muss schon was heißen.
Bei uns ist der Saft alle, und nicht leer. Es gibt keine Spätis, sondern Buden, und da kaufste Bömmskes. Im Café gibt et Käffken, Wasser aus der Leitung nennen wir Kraneberger, dat Pausenbrot heißt Knifte und zum pennen gehsse in die Poofe. Im Kinderzimmer sieht es meist aus wie bei Hempels unterm Sofa, weil überall Brocken rumfliegen. Wer abends auf Trallafitti geht, kann morgens auch malochen. Mit Heiopeis will keiner wat zu tun haben, denn die reden meist nur Kappes. Und eigentlich leben wa hier nach dem Motto: Wat mut dat mut.

Melting Pott

Die Sprache im Revier drückt auf einzigartige Weise die Mentalität der Menschen aus. Das Ruhrgebiet verbindet nicht nur zahlreiche Städte zu einem der größten industriellen Ballungsräume Europas. Es verbindet auch eine lange Geschichte der Industrialisierung und Urbanisierung. Es verbindet Menschen mit verschiedensten Hintergründen, in etwa vergleichbar mit dem amerikanischen „melting pot“. Nicht zuletzt verbindet es Industriekultur, die sich aus der Geschichte des Reviers entwickelt hat. Zu den heute bekanntesten Museen gehören beispielsweise die Zeche Zollverein in Essen, die seit 2001 auch Weltkulturerbe ist, die Zeche Zollern in Dortmund sowie der Gasometer in Oberhausen.

Der Pott, ursprünglich von „Pütt“, also Kohlegrube des Bergwerks, ist so facettenreich wie ambivalent. Industrie- und Technikmuseen gibt es noch und nöcher, in stillgelegten Zechen finden Konzerte oder Ausstellungen statt, die Ruhrfestspiele locken jedes Jahr tausende Menschen an und 2010 war das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Menschen, die nie dort gelebt haben, mögen Plattenbauten, Kohlekraftwerke und Arbeitslosigkeit sehen. Ein Stereotyp, der genauso gut Berlin beschreiben könnte – und keine Berlinerin würde so ihre Heimat beschreiben. Für mich schwingt beim Gedanken an meine Heimat ein nostalgisches Gefühl, gar eine Liebe, für meinen Pott mit: Kerr, is dat schön hier

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