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Lasst uns erschwinglich leben!

In Lichtenberg entstehen zurzeit wieder neue Wohnungen für Studierende. Doch das reicht noch lange nicht aus. Warum tut sich die Berliner Unis so schwer, uns bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen, fragt sich Hanna Sellheim.

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„Mut zu Micro“ – so schön alliterarisch beschreibt die Immobiliengesellschaft „berlinovo“ ihr neuestes Bauprojekt. Am Freitag begann sie mit dem Bau von 129 Studentenwohnungen in Lichtenberg. Bis 2020 sollen es dann 2.500 werden. Vollständig möbliert sind die kleinen Suiten, mit kostenlosem Wlan ausgestattet und zu einem Preis von knapp 350 Euro zu haben.

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt, auf dem man seine Seele verkaufen würde, um ein bezahlbares kleines Kellerloch zu bekommen, ist das bitter nötig – und doch ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn 2.500 Wohnungen werden nicht viel ausrichten gegen die Phalanx von 40.000 Studienanfängern, ambitionierten Künstlern und Frisch-Geschiedenen auf der Suche nach einem Neuanfang, die sich jedes Jahr auf Berlin zubewegt und nach Obdach sucht.

Wohnheimplätze statt Wucherpreise  

Auch die Apartments selbst sind eher nützlich denn schön. Auf 16 Quadratmetern treten sich Bett, Schrank, und Küchenzeile auf die Füße. Und 315 Euro scheinen zwar bezahlbar, doch ein Preis von 19,69 Euro pro Quadratmeter liegt weit über dem Berliner Durchschnitt, der selbst bei Neubauten nirgendwo höher als 10 Euro liegt. Auch mit der Lage an der Storkower Straße ist zwar der Weg ins Berghain nicht weit – am Montagmorgen dann wieder 40 Minuten in die Uni zu fahren, wird jedoch den wenigsten Freude bereiten.

Um bezahl- und bewohnbaren Lebensraum für Studierende zu schaffen, sind deshalb besonders die Unis selbst gefragt. Das Studentenwerk bietet gerade einmal 9.500 Wohnheimplätze an – ein Witz im Vergleich zu der großen Zahl an Studierenden, die jedes Jahr ihr Studium allein an der FU aufnehmen.

Dabei könnte die FU sich durchaus von anderen Unis im Aus- und Inland etwas abgucken: Die Universitäten in Amerika haben das Wohnen auf dem Campus zum Usus gemacht, Erstsemester haben hier einen Wohnheimplatz zu bezahlbaren Preisen sicher. Auch die University of Edinburgh garantiert neuen Studierenden Unterkunft in ihren „Pollock Halls of Residence“ –  einer regelrechten Studentenstadt inklusive Mensa, Fitnessstudio und Bar. Doch auch in Deutschland sind einige Universitäten schon ein ganzes Stück weiter. So ist etwa das Wohnheimsystem in Kleinstädten um einiges besser ausgebaut als in Berlin. Zum Vergleich: Im überschaubaren Tübingen stehen fast 5.600 Wohnheimplätze zur Verfügung – für eine Universität, die bloß etwa ein Viertel so viele Studenten beherbergt wie die drei Berliner Unis zusammen.

Glücklich studiert gut

Zwar gibt es auch an der FU Wohnheime in unmittelbarer Nähe des Campus – allerdings nur zu einem happigen Preis von 520 Euro Miete monatlich, in denen nicht einmal Internet inbegriffen ist. Alle anderen Unterkünfte liegen um einiges weiter von der Uni entfernt. Außerdem ergattert man einen Platz darin erst nach einem komplizierten Bewerbungsprozess und langer Warterei. Wer zu Studienbeginn dringend ein Dach über dem Kopf braucht, kann sich diese Option eher abschminken.

Die Unis dürfen räuberischen Wohngemeinschaften nicht den Kampf um den studentischen Wohnungsmarkt überlassen. Sie selbst müssten eine neue Campus-Wohnkultur etablieren. Denn das Leben in Wohnheimen ist auch für das Miteinander in den Hörsälen förderlich. Wer zusammen lebt und zusammen studiert, freundet sich schneller an – gerade in einer Großstadt wie Berlin kann das für Erstsemester sehr hilfreich sein.

Zwischen Phil-Bib und OSI müssten Wohnräume geschaffen werden, in denen Studierende sich wohl fühlen und nicht wie die Ölsardinen nebeneinander vegetieren – und nicht auf der Straße Streichhölzer verkaufen müssen, um ihre Miete zu bezahlen.

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