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Der Idiot in deinem Leben

Schreiben als Revolution? Der Autor Viktor Jerofejew hielt dazu ein Seminar an der FU. Das Ergebnis ist ein Band mit Kurzgeschichten, die alle von Idioten handeln. Von Cana Durmusoglu

Viktor Jerofejew Foto: Presse

Viktor Jerofejew Foto: Presse


Idioten. Jeder kennt sie, die meisten meiden sie und manche verleihen ihnen sogar einen Preis, wenn sie besonders dämlich ums Leben gekommen sind. Aber wie ist es eigentlich, mit einem Idioten zusammen zu leben? Der Autor Viktor Jerofejew, geboren 1947 in Moskau, hat sich diesem Thema in einer Geschichte gewidmet.

Als Gastprofessor der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft hat er im Sommersemester 2015 ein Seminar an der FU angeboten. Thema des Seminars war das revolutionäre Potenzial des Schreibens. Darin forderte Jerofejew die Studierenden heraus, sich selbst einmal an einer Kurzgeschichte zu probieren. Die gesammelten 12 Kurzgeschichten wurden vor Kurzem als sechster Band der Edition AVL unter dem Namen „Writing as the Unhuman Revolution“ veröffentlicht und am 18. Mai am Peter-Szondi-Institut präsentiert.

Like the French Onion Soup

Peregrina Walter und Lutz Oliver sind zwei der Studierenden, die an Jerofejews Seminar teilgenommen haben. Ihre Kurzgeschichten wurden im Buch veröffentlicht. Bezugspunkt aller Erzählungen sollte Jerofejews Geschichte „Leben mit einem Idioten“ sein. „In der Geschichte geht es um einen Schriftsteller, dem es als Strafe auferlegt wird, sich um einen Idioten zu kümmern. Dieser zerstört dann aber nach und nach das Leben der Hauptfigur“, erklärt Peregrina. Die Studierenden sollten sich zu Beginn des Seminars mit der Frage auseinandersetzen, wofür der Idiot in ihrem Leben stehe.

Peregrina selbst hat dazu eine Geschichte über eine Familie geschrieben, die für kurze Zeit einen Waisenjungen bei sich aufnimmt. Die Tochter der Familie hegt ihm gegenüber gemischte Gefühle.  Sie wisse zwar, dass sie ihn eigentlich bemitleiden sollte, hasse ihn aber tatsächlich, erklärt Peregrina. Mit ihrer Geschichte will sie in Frage stellen, wer in solchen Situationen tatsächlich der Idiot ist.

Lutz Olivers Text – „Sleeping with a fool“ –  greift einen anderen Aspekt auf. Seiner Meinung nach geht es in „Leben mit einem Idioten“ allgemeiner um die Invasion des Privatlebens durch etwas Idiotisches. Das könne natürlich fast alles sein. Der Idiot in Lutz‘ eigener Geschichte sei deshalb die Unsicherheit per se. Besonders gefreut hat er sich über das Feedback des Gastprofessors zu seiner Kurzgeschichte. Dieser nannte sie: „very tense, like the French onion soup.”

Ein besonderes Seminar

Ähnlich speziell wie Jerofejews Kommentar zu Lutz Geschichte, war wohl auch seine Art zu unterrichten. So war das besondere an diesem Seminar vor allem die Praxis. Von der Idee hinter der Geschichte bis hin zum gebundenen Buch wurde der komplette Prozess einmal durchlaufen. Schmunzelnd berichtet Peregrina von einer Stunde: „Er hat einfach so was wie: ‚Was ist der Sinn des Lebens in Nabokovs Werk?‘ in die Runde geworfen und dann relativ wahllos irgendwen drangenommen.“

Gastprofessoren hätten eben immer einen etwas anderen Stil zu unterrichten, sagt Lutz. Weniger wissenschaftlich und vielleicht ja auch gerade deshalb bei vielen Studierenden eine willkommene Abwechslung zum herkömmlichen Lehrbetrieb. Auf jeden Fall können sich die beiden Studierenden nach diesem Seminar gut vorstellen, selbst einmal ein Buch zu schreiben.

 

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