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Forschung gegen Antibiotika-Resistenzen

Essen wir lebensbedrohlich? Vor allem in Geflügelfleisch kommen antibiotikaresistente Krankheitserreger vor. Ein neuer Forschungsverbund sucht nach Lösungen. Von Katharina Chowanski

Bessere Hygienevorschriften in der Geflügelhaltung können die Ausbreitung von Keimen verhindern. Foto: Institut für Tier- und Umwelthygiene der Freien Universität Berlin

Bessere Hygienevorschriften in der Geflügelhaltung können die Ausbreitung von Keimen verhindern. Foto: Institut für Tier- und Umwelthygiene der Freien Universität Berlin

Deutschland, 2011: Fast 4000 Menschen erkranken binnen weniger Wochen an Ehec-Bakterien. Sie leiden an Bauchschmerzen, Übelkeit, schwerem Durchfall. Mehr als 50 Menschen sterben. Die Ehec-Epidemie erweist sich als Herausforderung für Pharmazeuten und Mediziner. Einer der Gründe: Die Erreger, die zum Stamm der sogenannten Extended-Spectrum-Betaklasmen (ESBL) zählen, können nicht mit Antibiotika behandelt werden.

Seit Jahren warnen Ärzte und Wissenschaftler vor den weltweit steigenden Antibiotika-Resistenzen. Denn sollten Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren, droht der Tod von Millionen von Menschen. Seit diesem Jahr ist die FU an der vordersten Front der Forschung, um das zu verhindern – mit dem neuen Forschungsverbund „Entwicklung stufenübergreifender Reduktionsmaßnahmen für antibiotikaresistente Erreger beim Mastgeflügel“ (EsRAM).

Bisher wenig Maßnahmen ergriffen

Besonders häufig treten resistente Krankheitserreger nämlich im Geflügelfleisch auf. Uwe Rösler, Direktor des Instituts für Tier- und Umwelthygiene der FU und Koordinator des Forschungsverbunds, will deshalb mit seinem Team Strategien in der Haltung und Verarbeitung von Geflügel erforschen. Damit soll die Ausbreitung gefährlicher ESBL und anderer antibiotikaresistenter Bakterien gestoppt werden.

Professor Rösler ist voller Zuversicht, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Ausbreitung zu stoppen. Das Forschungspotential sei groß, weil man bei vielen Schritten in der Produktion ansetzen könnte. Beispielsweise sinkt das Infektionsrisiko der Tiere deutlich, seit die Hygienevorschriften in Deutschland erhöht wurden. „Hier kann immer noch nachgebessert werden, ebenso bei der Hygiene während des Brut- und des Schlachtvorgangs. Außerdem werden Tiere, die sich wohlfühlen, seltener krank.“ Hier wurden bislang außer in der aufstrebenden „Bio-Freilandkultur“ kaum Maßnahmen ergriffen.

Bewusste Infektionen statt Chlorhühnchen

Notwendig ist laut Rösler auch eine weitere Regulierung der Mengen an Antibiotika, die auf den Höfen immer noch zu häufig ausgegeben werden. Hoffnung macht ein Verfahren, das vergleichbar mit Impfungen präventiv eingesetzt werden könnte. Die „competitive exclusion“ nutzt ein einfaches Prinzip: Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein. Erschreckend logisch, aber genau auf diesem Gedanken fußt das Konzept, das bei immer mehr wissenschaftlichen Studien beeindruckende Ergebnisse liefert.

Den Küken werden bewusst völlig harmlose Mikroorganismen eingesetzt, die in den meisten Fällen ohnehin im Geflügel vorkommen. Überall dort, wo diese Organismen sich ansiedeln, können keine anderen Keime entstehen und so sinkt das Infektionsrisiko deutlich. Bislang ist diese Methode wohl leider noch zu teuer, denn die Tiere, die mit den vermehrten Mikroorganismen gezüchtet werden, müssen anders ernährt werden und brauchen dadurch länger bis zur Schlachtreife.

Das Projekt läuft in der internationalen Spitzenforschung, mitunter, weil das Thema im Ausland weitaus weniger intensiv erforscht wird. In den USA etwa reinigt man das Geflügel wie mittlerweile allgemein bekannt mit Chlor. Dazu allerdings äußerte sich Rösler weitaus weniger dramatisch als die Boulevardpresse in den letzten Monaten: Die Menge Chlor sei vergleichbar mit der in Schwimmbädern, sodass geschmacklich keine Unterschiede festzustellen seien. Und das Infektionsrisiko werde durch diese Methode eben auch weitaus mehr gesenkt als bei einer einfachen Reinigung mit Wasser.

 

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