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Gibt es islamische Kunst?

Ein Ausstellungsparcours im Museum für islamische Kunst zeigt die Entwicklung orientalischer Gegenstände. Lukas Burger hat sich das Ganze mal angesehen.

Visualisierung von Transferbewegungen © Marlene Kettner

Visualisierung von Transferbewegungen. Foto: Marlene Kettner

Schach gilt heutzutage als das Hobby bildungsbürgerlicher Europäer. Dabei ist es kein Geheimnis, dass das „königliche Spiel“ eigentlich aus dem persischen Raum stammt. Über die Reise des Spiels nach Europa und seine Entwicklung gibt es viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass der Spielstein, der uns heute als Dame bekannt ist, früher Firzan oder Wesir hieß und ganz andere Bewegungsmöglichkeiten hatte.

Das ist nur eine der interessanten Erkenntnisse, die durch das Projekt „Gegenstände des Transfers. Konzepte zur Vermittlung von Transferprozessen zwischen dem Nahen Osten und Europa im musealen Kontext“ gesammelt werden konnten. Das Projekt wird vom Sonderforschungsbereich „Episteme in Bewegung“ der FU betrieben. Mit studentischer Beteiligung wurde im Museum für islamische Kunst ein Ausstellungsparcours aufgebaut, der Transferbewegungen zwischen den Kulturen aufzeigt.

Was ist arabisch?

Die Hintergründe zu den ausgestellten Gegenständen werden dabei anhand verschiedener Medien vermittelt. Unter anderem wird hier mit QR-Codes gearbeitet, mit denen die Besucher auf eigens für diese Ausstellung entwickelte App zugreifen können. Bei einem geschnitzten Elfenbeinhorn, welches aus dem Mittelmeerraum zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert stammt, wird so zum Beispiel darauf hingewiesen, dass es ähnliche Hörner auch im „Deutschen Historischen Museum“ und im „Museum für byzantinische Kunst“ gibt. Diese Hörner waren im Mittelalter sowohl an arabischen, als auch an byzantinischen und europäischen Höfen beliebt, weshalb es nicht so leicht ist, ihre Herkunft einem bestimmten Kulturräumen zuzuordnen.

Bei einem typischen arabischen Teppich wird darauf hingewiesen, dass dieser in Südspanien angefertigt wurde. Diese Teppiche wurden dort hergestellt, als Spanien teilweise unter arabischer Herrschaft stand. Aber auch später noch, als die christlichen Herrscher dieses Gebiet zurückerobert hatten, wurden solche Teppiche in Spanien angefertigt und sowohl gen Orient, als auch gen Okzident exportiert.

Brücken statt Grenzen

„Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kategorien wie islamische Kunst problematisch sind“, erklärt Vera Beyer, die Leiterin des Projekts. „Genau wie heutzutage waren Kulturen auch schon früher eng verflochten.“ Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die islamische Kultur mancherorts als Gegenpol zur europäischen propagiert wird, sei es wichtig auf die Beziehungen zwischen diesen Kulturen aufmerksam zu machen. Generell findet man den Begriff der Islamischen Kunst nicht unproblematisch, weil er ein riesiges geographisches und kulturelles Gebiet homogener darstellt, als es tatsächlich ist.

Neben der Infragestellung unserer musealen Kategorien war es dem Projekt wichtig zu veranschaulichen, dass auch für Wissenschaftler und Experten manche Fragen offen bleiben. So gibt die Funktion einer islamischen Tierkreisplatte, auf der alle 12 Sternzeichen abgebildet sind, den Experten ein Rätsel auf. Es werden Funktionen ähnlicher Objekte aus anderen Kulturräumen aufgezeigt, um durch diesen Vergleich vielleicht auf neue Ideen zu kommen. Die Besucher dürfen mitraten und abstimmen, was sie für wahrscheinlich halten. Mit diesen interaktiven Methoden soll es gelingen, den Gegenständen, die schon länger im Museum sind, neue Facetten zu entlocken.

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