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Vom Dozenten zum Präsidenten

Ob medizinische Richtlinien oder Krankheitsprävention: Die Arbeit des Robert Koch-Instituts betrifft unser aller Alltag. Präsident Lothar Wieler  ist ein ehemaliger FU-Dozent. Lisbeth Schröder hat ihn getroffen.

Lothar Wieler bestimmt die Richtlinien für Krankheitsprävention und -bekämpfung in Deutschland. Foto: Lisbeth Schröder

Lothar Wieler bestimmt die Richtlinien für Krankheitsprävention und -bekämpfung in Deutschland. Foto: Lisbeth Schröder

Wenn die Geflüchteten in den deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen ankommen, brauchen sie medizinische Versorgung und Impfschutz, nach der anstrengenden Reise sind sie angeschlagen und ausgelaugt. Wer kümmert sich darum? Das Robert Koch-Institut legt die Rahmenbedingungen der Hilfe fest: Es soll Krankheitsausbrüche frühzeitig erkennen, verhindern und letztlich bekämpfen. Dabei arbeitet es meist im Hintergrund, muss aber auch klare Anweisungen und Empfehlungen an die Behörden aussprechen. Sprachrohr des Instituts ist seit März diesen Jahres Präsident Lothar Wieler.

Mittlerweile hat Wieler sich gut in seiner neuen Position eingelebt. Der Aufstieg vom Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen an der FU zum Präsidenten eines der wichtigsten deutschen Institute war ein großer Schritt, für ihn aber nicht nur ein Grund zum Jubeln: „Einerseits bin ich nun einflussreicher, anderseits trage ich nun auch eine sehr große Verantwortung.“ Wenn eine Infektionswelle ausbricht, bedeutet das stressige Zeiten. Die Politik übt dann Druck auf das Institut aus und es bedarf schneller Nachforschung. Doch Wieler strahlt eine tiefe Gelassenheit aus, tritt mal ernst, mal heiter auf, aber immer mit einem hohen Grad an Professionalität.

Forschung für den medizinischen Alltag

Am Robert Koch-Institut ist er Ansprechpartner für Forschungsfragen, sorgt für die Förderung ausgewählter Projekte und gibt Empfehlungen: „Diese wirken sich natürlich auch auf die Patientenversorgung in Deutschland aus.“ So arbeitete das Institut an einem Konzept zu Impfungen bei Asylsuchenden mit und stellt regelmäßig Ratgeber zu Infektionskrankheiten für Ärzte bereit. Zudem ist es in der Grundlagenforschung präsent, beschäftigt sich zum Beispiel mit Zoonosen, also der Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen (und umgekehrt) oder mit multiresistenten Keimen, welche Mediziner immer wieder vor eine Herausforderung stellen. Wieler bewegt sich beim Robert Koch-Institut somit an einer der Hauptschnittstellen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Eine solche Position war ihm an der FU fremd. Lothar Wieler war dort selbst einmal Student der Veterinärmedizin, bevor er Professor und schließlich Leiter des Fachbereichs wurde. Die Uni sei „gut gemanagt“ gewesen, sagt Wieler, er hatte dort eine schöne Zeit und vermisst die Studenten. Allerdings fühlte er sich als Forscher auch in die bürokratischen Ketten der Universität gelegt: „Die Tatsache, dass Hochschullehrer immer mehr gezwungen werden, Drittmittel einzuwerben, fördert nicht die Kreativen, sondern eher die Manager“, kritisiert er. Drittmittel werden oft von größeren Unternehmen bereitgestellt, aber auch staatliche Institutionen finanzieren wissenschaftliche Projekte mit. Das kann problematisch werden, denn die Forschung muss ins Schema der Förderer passen und meist auf aktuelle Themen ausgerichtet sein.

Auch am Robert Koch-Institut muss Wieler Drittmittel einwerben, aber nicht im gleichen Maße. Somit bleibt ihm Zeit für die Organisation des Instituts. Hier kann er den Kurs bestimmen, an den sich die Forschung zu Krankheitsprävention und -bekämpfung in Deutschland richtet. Für einen Präsidenten ist er in den Medien dabei wenig präsent. Letztlich arbeitet er wie das Robert Koch-Institut: im Hintergrund.

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