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Stipendium – aber bitte für alle!

Nach einer ernüchternden Bilanz des Deutschlandstipendiums wird dessen Abschaffung gefordert. Trotzdem ist diese Förderung immer noch gerechter als bisherige Elite-Stipendien, findet Hanna Sellheim.

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Die Stipendienkultur in Deutschland sollte revolutioniert werden. So jedenfalls das hehre Ziel, das sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Deutschlandstipendium gesetzt hatte. Die 300 Euro Unterstützung im Monat – zur Hälfte vom Staat und zur anderen von privaten Spendern – sollten ganz unabhängig vom Einkommen der Eltern jeden erreichen. Einzige Voraussetzung für den Geldsegen: gute Leistungen und ehrenamtliches Engagement. Eine ganz neue, gerechtere Stipendienkultur sollte damit geschaffen werden. Geklappt hat das bisher nicht so ganz. 2014 profitierten gerade einmal 0,76 Prozent der Studierenden eines Jahrgangs von diesem Stipendium, von den angestrebten acht Prozent ist das meilenweit entfernt.

Die Grünen fordern deshalb: Stipendien abschaffen und das Geld lieber in einen höheren Bafög-Satz investieren. Doch ist das wirklich die richtige Maßnahme? Denn bei aller Kritik darf nicht vergessen werden: das Deutschlandstipendium macht vieles besser als andere Studienförderungen.

Zum einen kann das Deutschlandstipendium durch eigene Bewerbung erreicht werden, nicht über einen Vorschlag eines Schulleiters oder Dozenten, wie das etwa bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes der Fall ist. Es muss außerdem keine bestimmte parteipolitische Orientierung nachgewiesen werden. In der ohnehin schon elitären Universitätswelt ist so eine Regelung überaus wünschenswert.

Leistung und Engagement als Auswahlkriterium

Zum anderen ist das Deutschlandstipendium eine der wenigen Förderungen, die vor allem aufgrund von Leistung und freiwilligem Engagement vergeben wird. Und diese Anerkennung für seine Anstrengung sollte jeder erhalten dürfen, egal, ob er aus einem Akademiker-Haushalt stammt oder nicht. Auch das Argument, es werden durch die Einkommensunabhängigkeit nur Studierende aus ohnehin schon bildungsnahen Familien gefördert, ergibt nicht so richtig Sinn. Denn das Deutschlandstipendium kann auch bei gleichzeitigem Bafög-Bezug vergeben werden – bei etwa einem Viertel der Stipendiaten ist das sogar der Fall.

Kritik ist vielmehr an anderer Stelle angebracht: die Vergabe der Studienförderung erfolgt fast nur fachgebunden. Diese Bindung kann durch den privaten Spender, meistens Unternehmen, festgelegt werden. Auch an der FU ist der Großteil der ausgeschriebenen Stipendien an Naturwissenschaften, BWL oder Jura gebunden – also an aus ökonomischer Sicht wertvolle Fächer. Für die Studierenden der Geisteswissenschaften ist hingegen außer einem einsamen Posten für die Kunstgeschichte keine Förderung vorgesehen. Sie dürfen sich um eines der gerade einmal elf nicht fachgebundenen Stipendien bemühen.

Reformen statt Abschaffung

Diese Förderung scheint also nur der Handverlesung neuer Arbeitskräfte für die Wirtschaft zu dienen. Und so verkommt die Vergabe von Stipendien immer mehr zur schlichten Reproduktion einer Wissenschafts-Hierarchisierung, die es an einer „Freien Universität“ eigentlich nicht geben sollte. Und deshalb sollten sich genau hier die Unis, für eine mögliche Reform einsetzen. Denn diese sitzen letzten Endes am längeren Hebel: spielen sie bei der eher ökonomisch orientierten Vergabe nicht mehr mit, ist das Konzept Deutschlandstipendium endgültig gescheitert.

Eine Abschaffung des Deutschlandstipendiums wäre trotzdem übereilt. Wenn das Projekt allerdings weiterlaufen soll, dann bitte auch so, wie ursprünglich geplant: als Stipendium für alle. Doch dafür muss die Universität ihre symbiotische Beziehung mit der Wirtschaft aufgeben und wirklich jeden, unabhängig von der ökonomischen Verwertbarkeit seines Studiums, zu einer Bewerbung ermutigen. Den nur so kann das ursprüngliche Ziel des Deutschlandstipendiums wieder verfolgt werden: nämlich den elitären Schleier, der sich seit jeher um die Vergabe von Studienförderungen rankt, zu lüften. Und dann klappt es vielleicht auch mit der neuen Stipendienkultur.

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