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Ein bisschen Demokratie

Die FU will sich der Nachhaltigkeit verschreiben. Präsident Peter-André Alt teilt deshalb per Rundmail mit, dass er gerne ihre Meinung berücksichtigen will. Wer’s glaubt, wird selig. Von Max Krause

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Nachhaltigkeit ist in. Das hat auch das Präsidium der Freien Universität erkannt. Deshalb soll die Hochschule jetzt ein sogenanntes Nachhaltigkeitsleitbild bekommen. Damit verpflichtet sich die FU, „den künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu sichern“, wie es in dem Dokument heißt.

Und um allen zu zeigen, wie sehr sich das Präsidium um das Wohl des Planeten sorgt, wurde das auch gleich allen Mitgliedern der Universität per Rundmail mitgeteilt. Der derzeitige Entwurf lässt sich auf den Satz „Nachhaltigkeit finden wir gut“ verkürzen, ohne etwas Wesentliches wegzulassen. Was sollen Floskeln wie „Neuen Formen des Lehrens, Lernens und Wissentransfers stehen wir aufgeschlossen gegenüber“ oder „Wir suchen einen transparenten und kontinuierlichen Nachhaltigkeitsdialog“ sonst heißen?

Doch der geniale Coup der PR-Strategen im Präsidium hört hier noch nicht auf: In der Mail lädt Alt alle ein, ihre eigenen Vorschläge für das Leitbild einzureichen. Die Botschaft ist klar: Die FU ist eine Mitmach-Universität!

Keine Diskussion über wichtige Themen

Nachhaltigkeit ist sicherlich ein wichtiges Thema, und es ist nötig, auch an der Universität darüber zu sprechen. Doch dass Alt eine uniweite Kampagne startet, um einen inhaltslosen PR-Text zu entwerfen, ist nichts als eine Farce. Laut eigenen Angaben des Präsidiums belaufen sich die Kosten für eine Rundmail auf 5.000 Euro. Wenn es Alt wirklich um Nachhaltigkeit ginge, hätte dieses Geld sicher besser angelegt werden können.

Nein, worum es hier wirklich geht, ist Außenwerbung. Seht alle her, wie nachhaltig und demokratisch es an der FU zugeht! Diese demokratische Diskussion lässt das Präsidium aber nicht für alle Themen zu: Erst am vergangenen Mittwoch hat der Akademische Senat die Strukturplanung der FU für die nächsten zehn Jahre verabschiedet. Ein Thema, das die meisten Universitätsangehörigen direkt betrifft. Doch anstatt hier für eine öffentliche Diskussion zu werben, hat das Präsidium den Plan unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickeln lassen.

Ein ausgesprochen plumper Schachzug

Auch die Einführung der Rahmenstudien- und Prüfungsordnung, einer der größten Umwälzungen der letzten Jahre, war es Alt nicht wert, alle Studierenden per Rundmail zu informieren. Bei großen Fragen, die den Studienalltag der meisten direkt beeinflussen, braucht er offenbar nicht das Feedback der Betroffenen. Für ein knapp zweiseitiges Dokument voller Phrasen anscheinend schon.

Dass Alt das Medium der Rundmail nutzt, um sich und die Universität in ein gutes Licht zu rücken – geschenkt. Das ist keine unerwartete Entwicklung. Aber dass diese Intention so plump und durchschaubar hinter Nachhaltigkeit versteckt wird, davon muss man sich als Leser eigentlich beleidigt fühlen: Glaubt Alt wirklich, dass wir ihm abkaufen, er sei auf einmal an unserer Meinung interessiert? Wäre das so, gäbe es diese Gesprächseinladungen auch bei brisanten Themen. So bleibt nur zu sagen: Herr Präsident, wenn Sie das nächste Mal Ihr Image aufpolieren müssen, seien Sie wenigstens etwas subtiler.

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