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Überall Gender muss nicht sein!

An der Uni Passau soll nicht mehr gefensterlt” werden. Der Brauch sei sexistisch und diskriminierend. Genderdebatten sind wichtig, doch manchmal sollte man Milde walten lassen, findet Thekla Brockmüller.

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Aufruhr unter den Sportstudenten der Universität Passau: Nichtsahnend wollten sie ihr alljährliches Sportfest mit verschiedenen Disziplinen veranstalten. Aber plötzlich sollte das „Fensterln“ nicht mehr dazugehören. Nach dieser bayerischen Tradition klettert ein Mann auf einer Leiter zu einem Fenster herauf und darf, oben angekommen, eine wartende Dame küssen. Was erst einmal harmlos klingt, erzürnte die Gleichstellungsbeauftragte der Universität. Sie bezeichnete die Tradition als „sexistisch“. Nun ist der Wettbewerb abgesagt worden.

Instrumentalisierung der Debatte

Beim „Fensterln“ ist es allerdings längst nicht geblieben. Der ursprüngliche Studenten-Spaß hat eine umfassende Genderdebatte ausgelöst. Hierbei wurde die Absage des Ereignisses von sehr extremistischen Gruppen aufgegriffen, so auch von der bayerischen NPD mit dem Statement „Genderwahn kennt keine Tradition“ bei Facebook geteilt. Ein anderer Nutzer des Netzwerkes bezeichnete die Reaktion der Beauftragten als „widerlichen Femi-Faschismus“. Auch wenn das Aufrechterhalten bestimmter Traditionen wichtig ist, geht es in eine völlig falsche Richtung, wenn Extremisten solche Standpunkte für ihren Außenauftritt ausnutzen.

Die Passauer Sportstudenten waren ebenfalls nicht begeistert davon, sich von anderen Studenten und Gruppen für ihre Genderdiskurse instrumentalisieren zu lassen. Verständlich. Schließlich werden sie damit ungewollt mit Meinungen in Verbindung verbracht, die sie nicht vertreten. Dadurch geraten sie ungewollt zwischen die Fronten.

Tradition oder veraltete Rollenbilder?

Ein Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten war es, die Frauen auch die Leiter hochklettern zu lassen. Aber mal ehrlich: Um bestimmte Bräuche und Sitten zu leben, ist manchmal auch eine Portion Humor nötig. Dieser scheint hier gänzlich zu fehlen. Sprich, viele Traditionen sind entstanden, als die Rolle der Frau noch eine deutlich andere in der Gesellschaft war. Man könnte also aus jeder Tradition eine Diskriminierung ableiten, da diese meistens auf früheren Rollenbildern basieren.

Da wartet man doch förmlich schon auf den Tag, an dem Maibäume, der Weihnachtsmann oder das Werfen von Brautsträußen als degradierend empfunden werden. In beiden Fällen wird nämlich dem Mann die Rolle des Initiators überlassen, beim Verschenken des Maibaums und beim Austeilen der Präsente. Trotzdem soll Tradition doch an dieser Stelle bitte Tradition bleiben.

Die Frage ist jedoch, wie mit bestehenden Ungleichheiten umgegangen wird. An vielen Stellen ist es unerlässlich an noch stärkerer Gleichberechtigung zu arbeiten. Gerade in der Berufswelt sind Genderdiskussionen wichtig. Zurecht sollen sie auch in Zukunft geführt werden. Doch verkrampfte Debatten oder vorschnelle Verbote bringen solche Diskurse nicht voran. Situationen, wie der in Passau sollte mit mehr Toleranz und Humor begegnet werden.

Ein Kommentar

  • Kann nicht wenigstens ein Grundmaß an Recherche erwartet werden? Dass das sogenannte Fensterln eine reichlich sexistische „Tradition“ ist, war, wenn überhaupt, zweitrangig. Entscheidend war, dass zum Wettbewerb der Sportstudis nur Männer antreten konnten und dass das gegen das Gleichstellungskonzept der Uni Passau verstößt, die den ganzen Spaß immerhin finanziert. Als die Gleichstellungsbeauftragte vorschlug, auch Frauen zum Start zuzulassen, haben die Sportstudis ihren Wettbewerb lieber abgesagt als auch Frauen zu beteiligen.

    Dass die Passauer Sportstudis sich nicht „von anderen Gruppen für ihre Genderdiskurse instrumentalisieren lassen“ wollten, mag sein. Das ändert aber wenig daran, dass sie in ihrer ersten Stellungnahme noch selbst von „Gender – Wahnsinn“ [sic!] gesprochen haben und damit wohl recht eindeutig ihre Position klargemacht haben.

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