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„Uni-assist“ abschaffen ist keine Lösung

Mit ihrem Protest gegen „uni-assist“ haben Studenten gezeigt, dass sie der Uni nicht alles durchgehen lassen. Die Aktion war notwendig – doch die Forderungen zu kurz gedacht. Von Sophie Krause

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Drastische Zustände erfordern manchmal drastische Maßnahmen. Als am vergangenen Mittwoch eine Horde Studenten mit lautem Protest und viel Konfetti die Sitzung des Akademischen Senats unterbrach, fühlte man sich kurz an alte Guerilla-Zeiten erinnert, als die FU ihre Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO) beschloss. Offenbar ist der studentische Wille zum Einmischen noch vorhanden.

Worum ging‘s? Der Akademische Senat wollte die Satzung für Studienangelegenheiten beschließen – und damit einen Paragraphen unverändert lassen, der Studenten ohne deutsches Abitur dazu zwingt, ihre Bewerbung an der FU kostenpflichtig über den externen Verein „uni-assist“ einzureichen.

Doch so weit kam es nicht. Denn einige Studenten, die wie viele ihrer Kommilitonen mit dem Verfahren nicht einverstanden sind, nutzten die AS-Sitzung, um das Präsidium mit dem Streitthema „uni-assist“ zu konfrontieren und eine Weiterführung immerhin formell verhindern. Denn bislang fühlte man sich dort nicht dafür zuständig.

Bürokratisches Chaos nach dem Ausstieg

Die wilde Aktion war absolut notwendig: Die rund 60 friedlichen, aber durchaus geräuschvollen Wildgewordenen haben quasi aus dem Nichts auf höchster Entscheidungsebene eine Debatte über ein umstrittenes Bewerbungsverfahren herbeigeführt, die dort zuvor nicht ernst genommen wurde. Die Demonstranten – internationale und deutsche Studenten gleichermaßen – stellten zudem die Maximalforderung: „Uni-assist“ abschaffen.

Doch das ist zu kurz gedacht. Denn, wie Vizepräsident Klaus Hoffmann-Holland zugeben musste, wäre die FU mit der Masse an Bewerbungsunterlagen und Anliegen von, laut FU-Präsident Peter-André Alt, Studenten aus mehr als 150 verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Sprachen schlicht überfordert.

Im Wintersemester 2014/2015 starteten im ersten Fachsemester an der FU mehr als 2500 sogenannte Bildungsausländer, Studenten ohne deutsches Abitur. Ein plötzlicher Ausstieg aus dem „uni-assist“-Verbund wäre ein bürokratischer Supergau für die FU. Insofern ist es sinnvoll, das nicht jeder Uni selbst zu überlassen und stattdessen zentralisiert für alle Unis zu regeln.

Doch eine solche Stelle darf sich nicht von den Beiträgen ihrer „Kunden“ und Spenden finanzieren lassen. Das schafft Ungerechtigkeit gegenüber den deutschen Bewerbern. Sinnvoller wäre eine Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge aller teilnehmenden Hochschulen, wie der Asta vorschlägt, sowie durch zusätzliche Mittel vom Bund.

Unis müssen Funktionieren gewährleisten

Zudem müsste diese Mini-Behörde an jeder Uni mit einem Büro vertreten sein, um bürokratische Fehler zu minimieren und den Studenten direkte Ansprechpartner zur Seite zu stellen. Dadurch müssten die Hochschulen auch ein gewisses Maß an Aufsicht über deren Arbeit übernehmen und deren reibungsloses Funktionieren gewährleisten.

Schlussendlich hat die Aktion gezeigt, dass die FU-Studenten sich füreinander und auch für ihre vielen internationalen Kommilitonen einsetzen und nicht alles hinnehmen, was das Präsidium am liebsten unauffällig durchwinken würde. Ihr Engagement war womöglich der beste Weg, das Thema überhaupt auf die Agenda zu setzen.

Denn nach der lautstarken Aktion – auch wenn sie mit Picknick und Party-Accessoires im AS-Saal mithin an ihrer Ernsthaftigkeit zweifeln ließ – gibt es für die Entscheidungsträger kein Zurück. Sie müssen sich nun dem Konfliktthema „uni-assist“ und den damit verbundenen Problemen stellen. Tun sie es nicht, verkommt das Lob der Internationalität der FU zum reinen Lippenbekenntnis.

 

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