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Lasst den Thielplatz Thielplatz sein!

Alle Jahre wieder wird die Diskussion um die Umbenennung der U-Bahnstation Thielplatz in „Freie Universität“ aus der Mottenkiste gekramt – und droht zum Ersatzthema für wichtigere Probleme zu werden, findet Alexandra Brzozowski.

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Den U-Bahnhof Thielplatz gibt es seit 1913, doch nun soll es ihm an den Kragen – oder  besser gesagt – an den Namen: „Freie Universität“ soll die Station heißen. Denn den Thielplatz an sich gibt es eigentlich nicht, nur den Thielpark nebenan und die nahegelegene Thielallee. Das bietet natürlich eine Steilvorlage für Befürworter der Umbenennung: Gast-Dozenten und -Studenten würden durch den Namen „Thielplatz“ verwirrt, so heißt es.

Die Verwirrung wird nicht vermieden

Kurios ist vor allem, dass die Befürworter durch eben diese Vorwürfe ihre eigene Argumentation zerstören. Fraglich bleibt nämlich auch, ob der Thielplatz tatsächlich der zentrale Anlaufplatz für Studierende und Dozenten ist. Es gibt nun einmal keinen zentralen Campus, viele der FU-Institute liegen näher am U-Bahnhof Dahlem-Dorf. Folglich hätte dieser U-Bahnhof den Namen ebenfalls verdient, genau wie eine Reihe weiterer Bahnhöfe. Was das Dilemma nicht besser macht, denn wer gerne zum Hauptgebäude der FU möchte, würde erwarten an der Haltestelle „Freie Universität“ auch dort zu landen, und nicht irgendwo zwischen OSI und Chemieinstitut. Die Benennung einer einzelnen Haltestelle nach einer Universität, die keinen echten Campus hat, wäre also ebenfalls „verwirrend“.

Im Zuge der Begeisterung unter den Befürwortern hat auch kaum jemand nach der Höhe der Kosten gefragt, die dieses Vorhaben mit sich bringen würde. Kostenträger der Namensänderung wären der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und die Freie Universität Berlin. Ständig heißt es, die Uni hätte zu wenig Geld, doch für eine Umbenennung sollte es reichen? Das Vorhaben würde, nach Vorbild vorherigen U-Bahnstationsumtaufen, etwa 300.000 Euro verschlingen. Geld, das anderswo besser angelegt wäre.

Kompromiss statt Zwangslösung

Natürlich wurde bei all dem Trubel kaum daran gedacht, die eigentlich Betroffenen zu fragen: die Anwohner. Bahnhofsnamen haben nun einmal Tradition und gehören zum Erscheinungsbild eines Bezirks. Dies soll nun nachgeholt werden. Die Freie Universität Berlin und das Bezirksamt laden zum Bürgergespräch am 10. März in den Henry-Ford-Bau. Auch der Senat ließ verlautbaren, dass nur bei ausdrücklicher Mehrheit der Anwohner, der Umbenennung stattgegeben würde. Sollte es zu einer Konkretisierung der Umbennungspläne kommen, wäre ein Partizipationsverfahren mit Abstimmung die logische Konsequenz. Für alle Beteiligten.

Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht wichtigere Probleme gäbe, die einer Lösung bedürfen. Zumal, da die meisten Befragten dem Vorhaben neutral gegenüberstehen und ohne das Vorpreschen des Bezirks und der FU kaum auf die Idee gekommen wären, etwas zu verändern. Dies allein zeigt schon, dass der Handlungsbedarf in dieser Sache eher gering zu sein scheint. Das Wiederaufflammen der Umbenennungsdebatte wirkt eher wie Ablenkung von wirklich wichtigen Themen, die auf der Agenda stehen sollten.

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