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Afrika jenseits von Boko Haram

Flächenmäßig fast so groß wie der Mond, doch in den Lehrplänen der FU kaum vertreten: Afrika. Eine Ringvorlesung macht sich stark für neue Sichtweisen auf den riesigen Kontinent. Von Florence Wild

Afrika-Vorlesung

Herr Olumide Abimbola bei der Vorlesung zum Thema „What Manner of Democracy? – Taking Sides in Nigeria“. Foto: Stefanie Hirsbrunner

Jedes Jahr überlegt sich Organisatorin Stefanie Hirsbrunner von neuem, durch welche Linse die Afrika-Ringvorlesung diesmal den Kontinent zeitgemäß betrachten könnte. Dieses Wintersemester stehen die drei Giganten Kenia, Südafrika und Nigeria im Fokus der Vorlesungsreihe. Es geht nicht nur um die dortigen Parlamentswahlen, sondern auch darum, was es heute in diesen Ländern bedeutet, die Wahl zu haben.

Doch bis die Referentinnen und Referenten das Rednerpult am Otto-Suhr-Institut (OSI) besteigen können, ist es immer ein weiter Weg, gesäumt von zahlreichen Anträgen und einem regelrechten Papierkrieg in der Reiseplanung: „ein Puzzlespiel“ – betont die Beauftragte des Förderbereichs Afrika des OSI-Clubs Hirsbrunner.

Ein Ersatz für den Lehrstuhl

Überhaupt entstand die Afrika-Ringvorlesung aus der Not heraus. Vor über einem Jahrzehnt gab es den Schwerpunkt Afrika noch im Lehrplan der Freien Universität. Bis 2001/02 hielt Professor Kum’a Ndumbe noch den Lehrstuhl „Politik Afrikas“ am OSI inne. Danach fiel die bundesweit einzigartige Professur universitären Sparmaßnahmen zum Opfer.

Die Entrüstung unter den Studierenden war groß, nicht zuletzt weil Prof. Ndumbe zehn Jahre lang als Gastdozent angestellt war, ohne Sekretariat, ohne studentische Hilfskraft und zuletzt auch ohne Besoldung. Aus der Initiative, den beliebten Professor im Amt zu halten, entstand die Afrika-Ringvorlesung, die eigentlich nur übergangsweise angelegt war.

Ein einseitiges Bild der Forschung

Mittlerweile haben sich Strukturen und Kooperationen rund um die Vorlesung gebildet und sie erfreut sich an einem fachlich bunt gemischten und Generationen übergreifenden Publikum. Wenn es jedoch darum geht, die Vorlesung noch weiter in den Lehrplan der FU einzubinden, stoßen die Organisatoren auf eine regelrechte Blockadehaltung. Der Antrag, Studenten im Rahmen der Vorlesung einen Schein ablegen zu lassen, ist in diesem Jahr trotz des Erfolges in den vergangenen Semestern auf der Lehrplansitzung abgelehnt worden.

So minimiert sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Afrika-Forschung, welche am bundesweit größten Institut für Politikwissenschaft betrieben wird. Am OSI überwiege eine einseitige Betrachtung, die aus der Friedens- und Konfliktforschung entspringt, findet Hirsbrunner. Dabei sei es doch „gerade aus studentischer Perspektive auch interessant, Nigeria nicht immer nur unter dem Aspekt des Terrors von Boko Haram zu betrachten, sondern durchaus auch als selbstbestimmt und als eines der Zugpferde des Kontinents zu sehen“, so die Organisatorin der Vorlesungsreihe.

Für einen differenzierteren Blick auf Afrika

Auch in diesem Jahr gibt es neben der Vorlesungsreihe nur fünf andere Veranstaltungen zu Afrika, zwei davon kommen aus der Kunstgeschichte, zwei aus der Friedens- und Konfliktforschung – die Dozierenden sind allesamt deutscher Herkunft. Auch gegen diesen Zustand geht die Ringvorlesung vor. Unter ihren 16 Referentinnen und Referenten kommen insgesamt zehn aus den drei Schwerpunktländern vor Ort. Auch Ndumbe, der 2003 dauerhaft nach Kamerun zurückkehrte, macht sich mit seiner Nichtregierungsorganisation AfricAvenir immer wieder dafür stark, den Kontinent nicht nur als Gegenstand, sondern auch als Quelle der Forschung zu begreifen.

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