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Zalando: Für Kritik keine Zeit

Am Dienstag hielt der IT-Chef des umstrittenen Onlinehändlers Zalando einen Vortrag vor Studierenden. Kritische Fragen hatten dort keinen Platz. Von Julian Jestadt

"Wir generieren brutal viel Daten": Zalandos IT-Chef Philipp Erler zu Gast an der FU. Foto: Julian Jestadt

„Wir generieren brutal viel Daten“: Zalandos IT-Chef Philipp Erler zu Gast an der FU. Foto: Julian Jestadt

Seltener Besuch an der FU: Unter dem Titel „From Zero to Hero“ referierte Philipp Erler, IT-Leiter des Online-Mode-Händlers Zalando, am vergangenen Dienstag am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft zum Thema E-Commerce. Im Rahmen des Seminars „Electronic Business“ im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik erklärte Erler den 30 Studierenden und angehenden UnternehmerInnen, wie Zalando arbeitet.

„Wir generieren brutal viel Daten“, erklärte Erler. „Pro Tag mehrere Gigabyte.“ Vom ersten Klick des Kunden bis zum Versand des Artikels speichert und verarbeitet Zalandos Onlinehandelssystem ZEOS alle Webseitenbewegungen und Daten der Kundeninnen und Kunden. Die Daten, so Erler, nutze Zalando für die Optimierung seines Marketings. ZEOS kann zum Beispiel den Kundinnen und Kunden zu einem späteren Zeitpunkt gezielt Werbung schalten. Zudem reguliert das System abhängig von der Nachfrage automatisch den Preis des Artikels. Inwieweit diese Datenspeicherung und -verarbeitung rechtlich problematisch sein könnte, wurde bei der Veranstaltung weder von Erler, noch von Studierenden thematisiert.

„Brutal viel Daten“ aus ganz Europa

Seit einigen Jahren wächst der elektronische Handelsverkehrt (E-Commerce) rasant und bedroht damit den Einzelhandel. Verkaufsplattformen wie Ebay, Amazon und Zalando schaffen online ein gigantisches Warenangebot, aus dem KundenInnen innerhalb von Minuten ihre Ware bequem zu sich nach Hause bestellen können. Innerhalb weniger Jahre stieg Zalando zum größten europäischen Online-Mode-Händler auf. Die Online-Plattform bietet heute 150.000 Artikel an, die innerhalb von ein bis vier Tagen bei den Kundinnen und Kunden ankommen. „Wir verschicken aus unseren Logistikzentren nach ganz Europa“, so Erler. Dahinter stecken neben den Datenverarbeitungssystemen auch 7.000 MitarbeiterInnen.

Doch wegen der Arbeitsbedingungen in Zalandos Logistikzentren und den niedrigen Löhnen steht der Onlinehändler seit langem in der Kritik: Medienberichten zufolge dürften die MitarbeiterInnen bei der Arbeit nicht sitzen, stünden unter starkem Druck und ständiger Kontrolle. Es vergehe kein Tag, so hätten ArbeiterInnen berichtet, ohne dass der Rettungsdienst kommen müsse.

Keine Zeit für moralische Bedenken

Diese Vorwürfe wurden bei der Veranstaltung gänzlich ausgeblendet. Nach der kritischen Nachfrage eines Kommilitonen zu den Arbeitsbedingungen bei Zalando ließ Professor Gersch nur noch technische Fragen zu. Auf Nachfrage versichert er: „In meinen Lehrveranstaltungen werden Themen wie Sicherheit, Arbeitnehmerrechte und Schutz der Privatsphäre immer kritisch mitreflektiert.“ Es habe an der wenigen Zeit und am technischen Schwerpunkt der Veranstaltung gelegen, dass nur eine im Ansatz kritische Frage zugelassen werden konnte. „Dies fand völlig ohne vorherige Absprache mit Zalando bzw. Herrn Erler statt“, so Professor Gersch.

 

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