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Viel Lärm um nichts

Selbst nach nordkoreanischen Maßstäben war das Geplänkel um die Veröffentlichung von Seth Rogens Komödie „The Interview skurril. Ob der Film hinter dem internationalen Drama etwas taugt, untersucht Christoph Spiegel.

Am 5. Februar kommt Seth Rogens neue Komödie „The Interview" in deutsche Kinos. Quelle: Columbia Pictures

Am 5. Februar kommt Seth Rogens neue Komödie „The Interview“ in deutsche Kinos. Quelle: Columbia Pictures

Ein schamloser Akt des Krieges – die Reaktion der nordkoreanischen Regierung auf die Veröffentlichung des Trailers von Seth Rogens neuem Film „The Interview” war eindeutig. Die Komödie über einen Attentatsversuch auf Diktator Kim Jong-Un zeige die Verzweiflung der US-amerikanischen Regierung und Gesellschaft und dürfe eine entschlossene und gnadenlose Antwort erwarten. Es folgte der Hack von Sony Pictures Entertainment durch eine ominöse Gruppierung, die sich selbst als „Guardians of Peace” identifizierte. In gebrochenem Englisch forderte sie die Absage des Kinostarts und veröffentlichte persönliche Daten von Mitarbeitern, aktuelle Projekte und zur Schadenfreude vieler auch den internen E-Mail-Verkehr von hochrangigen Managern und Schauspielern. Das FBI bestätige später eine Verbindung zur nordkoreanischen Regierung.

Obama schreitet ein

Als darauf Terrordrohungen gegen Aufführungen des Films mit den Worten „remember the 11th of September 2001” folgten, sah sich auch der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Statement gegen Nordkorea gezwungen: „Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendwo irgendein Diktator eine Zensur hier in den USA durchsetzen kann”. Nach kurzzeitiger Absage des Kinostarts, kam es über Weihnachten dann doch zu vereinzelten Aufführungen und vor allem einer Veröffentlichung per Video on Demand. Viele Amerikaner sahen es als ihre patriotische Pflicht, den Film zu sehen. In Deutschland ist eine Veröffentlichung für den 5. Februar angesetzt.

 

 

Der Plot der Komödie dreht sich um TV-Moderator Dave Skylark (James Franco) und seinen Produzenten Aaron Rapaport (Seth Rogen). Letzterer ist desillusioniert vom Trash-Format der eigenen Sendung und will statt Celebrity Gossip echte Nachrichten bringen. So trifft es sich gut, dass Kim Jong-Un Fan der Sendung ist und sich zu einem Interview mit dem für diesen Job reichlich ungeeigneten Skylark bereit erklärt. Doch kurz vor der Abreise nach Pjöngjang steht die CIA vor der Tür – man würde es doch sehr gerne sehen, wenn die beiden den Diktator mit einem rizingetränkten Streifen auf der Hand erledigen könnten. In Nordkorea kommt es dann aber ganz anders: Skylark und der in der Schweiz großgewordene Kim Jong-Un (Randall Park) bonden über Katy Perry, Basketball und einen gemeinsamen Vaterkomplex.

Zu wenig vom Richtigen

Keine Frage, die Story hat einiges zu bieten, oft wirkt sie wie aus den Schlagzeilen der letzten Jahre gepflückt: die Hungersnot der nordkoreanischen Bevölkerung, die versuchte Irreführung fremder Journalisten, Kim Jong-Uns Interesse an westlicher Popkultur sowie der dubiose Besuch des Basketballspielers Dennis Rodman werden allesamt verarbeitet. Gespickt wird die Handlung dabei durchgehend mit für Seth Rogen typische Gags, die jedoch häufig wenig Bezug zur Handlung haben und so leider auch einiges vom Potential des Filmes verspielen. Zu viele Innuendos, Witze über Analverkehr, unnötig brutale Szenen und ein aufgedrehter James Franco übertönen den Witz der von Natur aus absurden Handlung. Mehr Zurückhaltung wäre hier der richtige Ansatz gewesen. Wenigstens das Porträt des Diktators durch Randall Park gelingt und zeigt, wovon der Film durchaus mehr hätte wagen können.

Fans von Seth Rogen werden zwar nicht enttäuscht sein, für den Rest lohnt sich der Preis des Tickets aber leider nicht. Letzten Endes ist das Drama um die Veröffentlichung des Filmes jedoch Existenzberechtigung genug.


The Interview
Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen
Mit: James Franco, Seth Rogen, Randall Park
Kinostart am 5. Februar 2015

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