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Wissen, wo der Schuh drückt

Im Uni-Alltag arbeiten die sonstigen Mitarbeiter eng mit Dozenten und Studenten zusammen. Doch welche eigenen Ziele und Forderungen hat Statusgruppe mit dem unscheinbaren Namen? Von Sophie Krause

Die sontigen Mitarbeiter haben in der Verwaltung viel zu stemmen. Foto/Illu: Julian Daum/Robin Kowalewsky

Die sontigen Mitarbeiter haben in der Verwaltung viel zu stemmen. Foto/Illu: Julian Daum/Robin Kowalewsky

Die „sonstigen Mitarbeiter“ (Somis) – ein denkbar farbloser und unbedeutend klingender Titel für eine Statusgruppe im Akademischen Senat (AS). Völlig zu Unrecht, denn gerade sie arbeiten Tag für Tag mit Studenten und Dozenten zusammen und halten dadurch den Unibetrieb am Laufen. Trotzdem scheint ihr Name eine Diagnose zu sein: „sonstige Mitarbeiter“ – klingt nach „wer noch so übrig bleibt“?

Unter ihnen finden sich zum Beispiel Bibliotheksangestellte, Frauenbeauftragte, Zedat-Informatiker oder Studienbüroangestellte. Personen also, die Hochschulbetrieb aus der Praxis kennen. Wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter und die Studierenden beanspruchen sie im AS vier Sitze. Doch als gleichberechtigt empfinden sie sich dort längst nicht.

Fachliche Expertise

Insgesamt vier Listen treten für die sonstigen Mitarbeiter an. Für die Somi-Kandidaten stehen politische Positionierungen bei der AS-Wahl nicht an erster Stelle. Ihre Forderungen und Ziele kommen aus dem Uni-Alltag. „Wir stehen im direkten Kontakt mit Studenten und Mitarbeitern, die mit Studenten zusammenarbeiten“, erklärt der stellvertretende Jura-Bibliotheksleiter Ulf Marzik von der Liste „Studium & Lehre“. „Wir erleben jeden Tag, wo der Schuh drückt.“

Deshalb wüssten die Somis auch, welche Pläne und Maßnahmen des AS wirklich sinnvoll und praxistauglich sind. Doch diese Expertise werde vom AS häufig nicht berücksichtigt: „Im Prinzip fühlen wir uns immer ein bisschen übergangen.“, fasst Christiane Müller vom Studienbüro Chemie und Biochemie, die für die Gewerkschaftsliste „GEW & Friends“ antritt, zusammen.

Das bringt besonders IT-Mitarbeiter Gerald Haese von der zweiten Gewerkschaftsliste „ver.di und Interessierte“ auf die Palme: Oft würden die Somis gerade in Themen, die die Lehre betreffen, nicht miteinbezogen, weil sie damit angeblich nichts zu tun hätten. Das sei jedoch völlig falsch. Deshalb will er für die sonstigen Mitarbeiter ein Stimmrecht in allen Gremien erreichen, damit diese „nicht mehr als Mitarbeiter zweiter Klasse behandelt werden.“

Ganz schlechter Stil“

Ebenso kritisiert er den Führungsstil des Präsidiums. Dieses müsste seine Entscheidungen regelmäßiger erklären und transparenter machen – nicht nur in glücklichen Einzelfällen: „Wir haben immer noch keine neue Kommunikationskultur gefunden.“, so Haese. „Es kommt teilweise so rüber als würde das Präsidium eine Ansage machen und alle haben mitzumachen.“

Dass die sonstigen Mitarbeiter längst nicht alle Entscheidungen des Präsidiums begrüßen, zeigte sich jüngst bei der Berufung des ehemaligen Bildungssenators Jürgen Zöllner ins FU-Kuratorium. Gerald Haese meint trocken: „Es ist verdammt unglücklich gelaufen. Das war wieder ein alter, schlechter Stil.“ Für ihn sei es ein klassisches Beispiel für den Umgang des Präsidiums mit den übrigen Statusgruppen.

Doch die Kommunikationskultur des Präsidiums scheint nicht die einzige Sorge der SoMis im AS zu sein. Über das Klima zwischen Studenten und anderen AS-Mitgliedern kann Christiane Müller nur seufzen. „Mit den Studenten in den zentralen Gremien ist es momentan schwierig“, sagt sie. „Ich arbeite gern mit Studierenden zusammen, schließlich sind sie für ein Studienbüro die Ideenträger aus der Praxis.“ Doch im Moment sei die Gremienarbeit sehr „zäh und anstrengend“. Viele Diskussionen ließen sich nach Müllers Meinung abkürzen , wenn sich die Studierenden vorher richtig informiertn. Alles in allem gebe es aber keine schweren Zerwürfnisse.

Zusammenarbeit mit WiMis und Lehrbeauftragten

Über eine Zusammenarbeit mit den den wissenschaftlichen Mitarbeitern und den nicht im AS vertretenen Lehrbeauftragten sind sich die Somis einig. Deren prekäre Situation sei ihnen bewusst: „Die Lehre darf sich nicht danach ausrichten, dass mit weniger Personal mehr Lehre bewältigt wird.“, so Ulf Marzik. Dieser Zustand sei „mittelfristig nicht haltbar“, findet auch Gerald Haese. Deshalb wolle man sich im AS auch für die Lehrbeauftragten stark machen, denen ebenfalls eine Stimme fehlt, weil sie nur gewissermaßen dazugekauft Lehrkräfte an der FU sind.

Ebenso sieht es mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern aus, die unter befristeten und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen leiden. „Ich würde im akademischen Senat gern mehr mit den WiMis zusammenarbeiten“, sagt Christiane Müller. „weil ich sehe, dass der Verlierer der großen Umstellung der Mittelbau ist.“ Zudem teilen sie ein gemeinsames Problem: die Arbeitsüberlastung. Steigende Studentenzahlen und Studienumstellungen vergrößern der Beratungs- und Betreuungsbedarf. Auf diese Probleme aufmerksam zu machen und sich gemeinsam mehr Gehör zu verschaffen steht für die sonstigen Mitarbeiter im neuen AS an vorderster Stelle.

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