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Bologna hemmt Austauschwillige

Seit knapp 28 Jahren verbindet Erasmus die Studenten Europas miteinander. Ein Auslandssemester aber unfallfrei fertig zu bringen, ist nach wie vor schwer – auch Bologna ändert daran nichts. Von Julian Daum

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Die europäische Integration ist eines der wichtigsten Projekte der europäischen Geschichte – vorausgesetzt, es wird richtig gemacht. Bereits seit 1987 trägt das von der EU gegründete Erasmusprogramm erheblich zu diesem Großprojekt kulturellen Austauschs und zur sogenannten Verständigung der Völker bei. Mit der im Jahr 1999 beschlossenen Bologna-Reform sollte der Austausch schließlich noch weiter vereinfacht werden.

Es sollte ein einheitlicher europäischer Hochschulraum entstehen. Gleiche Abschlüsse, die überall gültig sind, hingehen wohin man will! Stattdessen stagnieren die Zahlen deutscher Studenten, die ins Ausland gehen, seit etwa zehn Jahren. Sie liegen nur bei rund 30 Prozent. Scheitert die Bologna-Reform einmal wieder an ihren eigenen Ansprüchen?

Viele Studenten beklagen, dass sie in Rekordzeit mit dem Studium fertig werden und zusätzlich noch ins Ausland gehen sollen. Dadurch verlieren sie aber an Zeit. In den meisten Fällen liegt das nicht an den Verlockungen eines angeblichen Partysemesters im Ausland. Vielmehr beruht es auf strukturellen und bürokratischen Hindernissen. Schlimm genug, dass die Kursinhalte desselben Studiengangs an Heimat- und Gastuniversität alles andere als einheitlich und harmonisiert sind –  wie es Bologna eigentlich versprochen hat.

Unterschiedliche Studienordnungen und -inhalte kosten Zeit

Statt die Studieninhalte einander anzupassen, wurden die alten oft einfach in das neue Modulsystem gepresst. Das beschneidet erstens deren Qualität und hebelt zweitens die Potentiale der Reform aus. Leidtragende sind  dann die eigentlich motivierten Studenten, die sich vorwerfen lassen müssen, zu lange zu studieren.

Diese Gefahr besteht nämlich durchaus. Denn eine anschließende Anrechnung der erworbenen Punkte auf die Module der Heimatuniversität ist oft nicht möglich. Da  gibt es einerseits die strukturellen Unterschiede zwischen dem gelernten Stoff an der ausländischen Universität und der zu Hause. Andererseits kommt das jeweils sture Beharren auf die eigene Studienordnung hinzu.  Das Ergebnis sind im schlimmsten Fall umsonst absolvierte Kurse, die dann noch einmal wiederholt werden müssen. Das kostet mitunter sehr viel Nerven und vor allem Zeit. Den Druck der Regelstudienzeit im Nacken entscheiden sich dann viele, einfach gleich daheim zu bleiben.

Trotzdem ist die Idee des Erasmusprogramms wichtig und ein Erfolg. Seit dessen Einführung haben insgesamt 3 Millionen Studenten das Angebot wahrgenommen, eine ganze Menge. Der ambitionierte Bologna-Prozess aber hat es auch hier wieder einmal nicht geschafft, das zu halten, was er versprochen hat: Den Bildungsraum Europa einfacher zugänglich zu machen und näher zusammenzubringen. Zu viele Ausnahmen und Sonderregelungen begünstigen immer noch den Standesdünkel und Geltungsdrang der einzelnen Universitäten, den die Studenten dann mit ihrer verlorenen Zeit bezahlen müssen.

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