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Galeriegründung für Anfänger

Ein Seminar der FU Berlin will Galeristen, Sammlern und Kunstliebhabern den Einstieg in den Kunstmarkt erleichtern. Kann das funktionieren? Von Carlotta Voß

Galerie

Ein Seminar der FU soll Kunstliebhabern den Weg zur eigenen Galerie ebenen. Foto: Carlotta Voß

Schweineherzen im ganzen Stück sind schwer zu bekommen in Deutschland – die Schlachter verkaufen sie nur zerkleinert in Stücken. Künstlerin Carina Linge hatte Glück, ihre Eltern kannten einen Metzger, der ihr ein unversehrtes Exemplar zukommen ließ. In der Hand einer Frau im Bacchuskostüm hängt es jetzt, sehr fleischig, sehr rot vor schwarzem Hintergrund, an der Wand der Galerie Jarmuschek+Partner. Das Foto erinnert an ein barockes Gemälde –Caravaggios Selbstporträt, erläutert Galerist Kristian Jarmuschek und es wird zustimmend gemurmelt.

Es ist ein Montagmorgen im November und eigentlich hat die Galerie Jarmuschek+Partner um diese Uhrzeit noch gar nicht geöffnet. Halb versteckt liegt sie in einem malerischen Hinterhof der Potsdamer Straße. Früher war hier die Druckhalle des „Tagesspiegel“, heute drängen sich die Galerien und Designbüros aneinander – eine Parallelwelt jenseits des hektischen Straßenbetriebs, an der Uneingeweihte leicht vorbeilaufen.

Doch die fünfzehn Personen, die Kristian Jarmuschek durch die morbide Fotoausstellung „Theatrum Mundi“ folgen, sind extra aus ganz Deutschland angereist. Hier in Berlin nehmen sie am ersten Praxismodul des Seminars „Management im Kunstmarkt“ teil, das vom Weiterbildungszentrum der FU angeboten wird. Bis zu 2700 Euro zahlen sie für sieben jeweils zweitägige Blockveranstaltungen, die in Theorie und Praxis alles nötige Rüstzeug für ein Fortkommen im Kunstmarkt vermitteln wollen.

Der Traum von der Galeriegründung

Für einen Großteil der Anwesenden ist der Besitz einer eigenen Galerie ein Lebenstraum. Manche von ihnen haben ihn schon zum Teil verwirklicht und sind bereits im Kunstmarkt tätig, als Galeristen oder Sammler. Und dann gibt es da „die Menschen, die schon einen Lebenslauf haben“, wie es Seminarleiterin Friederike Hauffe formuliert – Menschen in der Mitte ihres Lebens, die noch einmal überlegen, ihre Begeisterung für Kunst zum Beruf zu machen.

Die Kursteilnehmer Dirk Halverscheid und Stephanie Lege sind so ein Fall. Er stammt aus München, sie aus Hamburg und seit Jahren teilen sie nicht nur eine Freundschaft, sondern auch die Liebe zur zeitgenössischen Kunst. Zum Beruf gemacht hat sie noch keiner von beiden – bisher zumindest. Dirk Halverscheid trägt den Traum der Galeriegründung schon lange mit sich herum und das Seminar soll endlich den Ausschlag geben, ob er ihn Wirklichkeit werden lässt.

Ähnliche Pläne haben auch Réka Harmat und Peter Alasztics. Mit 27 sind sie die jüngsten Kursteilnehmer, beide ursprünglich aus Budapest. Réka hat dort Latein studiert, Peter hat gerade sein Kunststudium an der UdK in Berlin abgeschlossen. Schon länger planen sie, gemeinsam eine Galerie zu eröffnen, in Budapest, vielleicht auch in Berlin.

Unternehmen mit Risiken

Doch der Weg dorthin ist lang und steinig: Eine Galeriegründung ist ein Unternehmen voller Risiken, oft braucht es zwei bis drei Jahre, ehe schwarze Zahlen geschrieben werden können. Anfangsschwierigkeiten sind die Regel und meist nur mit der Hilfe von Freunden zu überbrücken. Der Anziehungskraft des Kunstmarktes tut dies keinen Abbruch: Der Kurs des Weiterbildungszentrums ist immer ausgebucht.

Seminarleiterin Friederike Hauffe spricht von „Verführung“, wenn sie die Faszination der Galeristenarbeit in Worte zu fassen versucht. Wer mit Künstlern zusammenarbeite, ob als Galerist oder Kurator, könne unmittelbar Anteil nehmen am kreativen Prozess – „ein Gefühl, das uns alle antreibt.“ Sie selbst ist der Verführung immer wieder erlegen: Als Kuratorin, Sammlerin, Kunsthistorikerin und Dozentin bewegt sie sich schon lange in der Berliner Kunstszene.

Die Idee für das Seminar kam ihr, als sie im Rahmen von Kursen für junge Künstler die Galerien der Stadt abklapperte und dabei immer wieder auf Quereinsteiger traf. Seit 2007 bietet „Management im Kunstmarkt“ nun die Möglichkeit zu mehr Professionalisierung.

Aber kann man die Arbeit in diesem emotionalen, individualistischen Geschäft überhaupt erlernen? Kann man in einem Kurs, siebenmal zwei Tage im Semester, zum Galeristen werden?

Berufsziel Galerist?

Der Kurs des Weiterbildungszentrums versucht, in der Kombination von Theoriemodulen und Exkursionen sowohl Fachwissen zu vermitteln, als auch einen möglichst breiten Einblick in die deutsche Kunstszene zu eröffnen.

In den Praxismodulen stehen zahlreiche Gespräche mit Akteuren des Kunstmarktes auf dem Programm. Kristian Jarmuschek, Kodozent des Seminars, ist nur der erste von sieben weiteren Galeristen und Sammlern, denen die Kursteilnehmer im Laufe des Tages begegnen.

Immer wieder kommen die Unsicherheiten und Herausforderungen des Berufs zur Sprache, die Bedeutung von Individualismus, Eigensinn – und ganz viel Leidenschaft. Sie ist die prägende Konstante in den vielen Gesprächen des Tages, denn schnell wird deutlich: Ein Patentrezept für erfolgreiche Galeriegründung gibt es nicht. Der Beruf des „Galeristen“ lässt sich nicht erlernen, es braucht Begabung, es braucht ein Gespür für Trends und vor allem viel Glück.

„Aber wir können Eckpunkte vermitteln, wir können für Probleme im Kunstmarkt sensibilisieren, wir können den Blick schulen“, erklärt Hauffe überzeugt. Und nicht zuletzt kann ein Seminar, wie es vom Weiterbildungszentrum angeboten wird, Kontakte vermitteln – Beziehungen sind unerlässlich in der Branche.

Was sie daraus machen, ist den Kursteilnehmer schließlich selbst überlassen. Jeder erhält am Ende des Semesters ein Zertifikat und muss dann für sich entscheiden, ob er den Sprung in den Kunstmarkt wagen will. Aber bis dahin gibt es noch viele Erfolgsgeschichten zu hören: Nach der Mittagspause geht es weiter in die nächste Galerie.

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