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Lohndumping an der Uni

Um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen, organisierten die Lehrbeauftragten in den vergangenen zwei Wochen mehrere Aktionen. Die Universitätsleitung wiegelte ab. Von Teresa Högele

Demonstration der Lehrbeauftragten in Berlin. Foto: Josta von Bockxmeer

Demonstration der Lehrbeauftragten in Berlin. Foto: Josta von Bockxmeer

Ein Lehrbeauftragter erhält von der Universität einen Lehrauftrag für ein bis maximal zwei Semester. Je nach Fachrichtung wird die Präsenzunterrichtszeit mit 25 bis 45 Euro besoldet. Vor- und Nachbereitung der Kurse, Sprechstunden und das Korrigieren von Klausuren sind darin nicht inbegriffen. Als Freie Mitarbeiter müssen sie auch zu 100 Prozent die Sozialversicherungsbeiträge aufbringen. Daneben gibt es viele Lehraufträge, die überhaupt nicht bezahlt werden.

Am Donnerstag fand vor der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die zentrale Kundgebung des Aktionstages der Lehrbeauftragten statt. Die Demonstrierenden machten auf ihre prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam und übergaben symbolisch ihre Forderungen. Wegen der vielen Aktivisten der Deutschen Orchestervereinigung gab es neben Fahnen und Banderolen auch Gesangseinlagen.

Aufklärungsarbeit leisteten die Lehrbeauftragten der FU bereits am Mittwoch an einem Infostand im Mensafoyer. Linda Guzzetti, Lehrbeauftragte der FU und der Viadrina Frankfurt, sagte gegenüber FURIOS: „Wir wollen, dass für Daueraufgaben auch feste Stellen geschaffen werden.“ Fulvia Schnitker, seit 33 Jahren am Sprachenzentrum, ergänzt: „Außerdem sollte mehr Sicherheit geschaffen werden, beispielsweise im Krankheitsfall.“ Auch müsse sich die Besoldung ändern und an den realen Zeitaufwand angepasst werden.

Vorgesehen waren die Lehraufträge ursprünglich für Experten aus der beruflichen Praxis, die ihre Erfahrung in die Lehre einbringen sollten. Inzwischen gibt es jedoch viele, die diese Tätigkeit aus Mangel an Alternativen hauptberuflich ausüben, teilweise über Jahre hinweg.

Solidarität bekundete die neugegründete Initiative „Uni auf den KOPF stellen“, die sich mit verschiedenen Problemen im Lehrbetrieb beschäftigt. Sie baute das Couch-Café aus der Kritischen Orientierungswoche wieder auf. „Viele wissen über die Situation der Lehrbeauftragten überhaupt nicht Bescheid. Durch unsere Anwesenheit wollen wir erreichen, dass mehr Studenten auf das Problem aufmerksam werden“, sagt Konrad Riedel, Mitinitiator der Initiative.

Uneins mit dem Präsidium

Bereits am Mittwoch, dem 29. Oktober, fand eine Podiumsdiskussion zu dem Thema statt. Klaus Hoffmann-Holland, FU-Vizepräsident für Studium und Lehre, wies darauf hin, dass die Stelle des Lehrbeauftragten als eine befristete gedacht ist. Die Forderungen wies er mit der Begründung zurück, dass nie erfasst worden sei, wie viele Lehrbeauftragte ihre Tätigkeit tatsächlich hauptberuflich ausüben. Die Uni schätze die Betroffenen als eine Minderheit ein.

Andere Diskussionsteilnehmer bemängelten, dass es dazu keine statistischen Zahlen gibt. Auch könnten viele Betroffene ihr Anliegen nicht artikulieren, weil Lehrbeauftragte nur unzureichend in den Unibetrieb eingebunden seien.

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