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„Wir sind noch nicht so weit.“

Sie war Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien und ist Teil der UN Syrien-Kommission: Am 20. Oktober wurde Carla Del Ponte der Freiheitspreis der FU verliehen. Celine Zeck war dabei.

Carla Del Ponte bei der Preisverleihung an der FU. Foto: Celine Zeck

Carla Del Ponte bei der Preisverleihung an der FU. Foto: Celine Zeck

Der FU-Freiheitspreis würdigt auf internationaler Ebene das Eintreten für einen der wichtigsten Werte der Welt. Die ehemalige Staatspräsidentin Irlands und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson oder der frühere südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu haben diese Auszeichnung bereits erhalten und zählen damit zu Carla Del Pontes Vorgängern.

Del Ponte wurde für ihren Einsatz im Kampf gegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, ihre Arbeit gegen Drogen- und Waffenhandel der italienischen Mafia und für ihre Ermittlungen im engeren Umfeld des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin wegen Geldwäsche und Korruption ausgezeichnet. FU Präsident Peter-André Alt eröffnete die Verleihung mit einem Lob für Del Pontes Einsatz im Kampf um Gerechtigkeit. In Zeiten der zunehmenden Globalisierung müsse der Begriff der Freiheit immer wieder neu bestimmt und das Eintreten für diese bekräftigt werden.

Gesetzlich gesicherte Freiheit

„Warum sollte der Freiheitspreis ausgerechnet einer Person verliehen werden, die einen Großteil ihres Lebens damit verbringt, Menschen hinter Gitter zu bringen?“, fragte Professorin Gesine Schwan in ihrer Laudatio. Sie verwies darauf, dass Freiheit und Gerechtigkeit eng miteinander verbunden seien und häufig durch kriminelle Instanzen bedroht werden. Die einzige Möglichkeit, Freiheit zu erhalten und zu schützen, seien das Strafrecht und dessen Durchsetzung durch mutige Richter und Staatsanwälte wie Carla Del Ponte.

Del Ponte widmete den Preis allen Opfern von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, insbesondere den Menschen in Syrien. Außerdem berichtete sie von ihrer Arbeit im Kampf gegen die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien und dem Völkermord an fast einer Million Menschen in Ruanda.

„Es gibt keine internationale Justiz ohne die Unterstützung von Staaten“, betonte die Juristin. „Diese wird auch in Zukunft notwendig sein.“ Sie erläuterte weiterhin, dass in der Presse oft lediglich über Geständnisse und die darauffolgenden Verurteilungen vieler Krimineller berichtet werde. Die vorausgehende harte Arbeit, mit der sie und ihre 600 Mitarbeiter sich monatelang beschäftigen, werde selten ausreichend berücksichtigt.

Noch ein weiter Weg

Besonders wichtig schien es ihr auch, klarzustellen, dass sie Kritik an ihrer Person oft emotionslos lese. Nur einen Vorwurf habe sie immer entschieden von sich gewiesen: dass sie in manchen Situationen nicht gesetzmäßig gehandelt hätte. „Das akzeptiere ich nicht!“, erklärte sie.

Am Ende der Preisverleihung erklärte Del Ponte, dass ihr aktuell ganz besonders die Tausenden Zivilisten, die im Syrienkrieg leiden, am Herzen lägen. Sie und ihre Mitarbeiter konnten in dieser Angelegenheit leider noch nichts durchsetzen. „Es ist noch ein sehr, sehr langer Weg im Kampf für Frieden und Freiheit zu gehen, damit aus dieser Welt eine bessere Welt wird“, schloss die Preisträgerin. „Wir sind noch nicht so weit.“

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