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Ein Arsenal der Filmkunst

Generationen von Studenten der Filmwissenschaft haben Filmabende im Kino Arsenal verbracht. Lior Shechori über die Vergangenheit und Zukunft einer Kerninstitution der deutschen Filmkultur.

Das Arsenal ist auf Retrospektiven spezialisiert. Foto: Gwendolyn Schneider-Rothhaar

Das Arsenal ist auf Retrospektiven spezialisiert. Fotos: Gwendolyn Schneider-Rothhaar

Abends ist das Sony Center am Potsdamer Platz voll mit Menschen. Manche betrachten das imposante Bauwerk mit seiner farbwechselnden Beleuchtung, machen Bilder. Andere freuen sich darauf, in einem der dortigen Megakinos den neuesten Blockbuster zu sehen. Nur ab und zu bricht einer aus der Herde aus und tritt in die Potsdamerstraße 2 ein.

Hier liegt eine der Kerninstitutionen der deutschen Filmkultur – das Arsenal Institut für Film und Videokunst. Das ultramoderne Gebäude scheint widersprüchlich zu dem, wofür das Institut steht, nämlich den Austausch über Filmgeschichte. Doch zwischen Glaswänden und Metallbalken hängen alte Filmposter, die den historischen Schwerpunkt des Kinos verraten.

Das Alte und das Neue

„Dem Institut liegt die Idee zugrunde, das Alte mit dem Neuen zu verknüpfen“, erklärt Milena Gregor, eine der drei kanzlerischen Leiterinnen des Instituts. Es sei für die Gründer des Vereins, unter ihnen Angehörige der FU, wichtig, Filmfans den Zugang zur Filmgeschichte zu ermöglichen und Letztere dadurch lebendig zu halten.

Heutzutage bietet das 1963 gegründete Institut, das seit dem Jahr 2000 den Potsdamer Platz prägt, vielfältige Filmreihen, einen eigenen Verleih und verfügt über eins der größten Archive für Film und Video in Deutschland. Dessen Entwicklung sei Resultat der harten Arbeit der Mitglieder, die bei Filmschaffenden Vertrauen geweckt hätten: „Viele Filme werden von Filmmachern hier gelassen, weil sie wissen, dass hier filmkulturelle Arbeit geleistet wird“, erklärt Gregor.

Kinofreund der FU

Diese breite Auswahl ist nur einer der Gründe für die anhaltende Zusammenarbeit zwischen dem Arsenal und dem Seminar für Filmwissenschaften an der FU. Getrud Koch ist Professorin für Filmwissenschaft und für die Kooperation mitverantwortlich: „Die Motivation diese Institutionen einander anzunähern lag darin, dass wir als Studiengang ein ganz zentrales Interesse daran haben unseren Studierenden Filme als Filme im Kino, unter den Bedingungen des Kinos, zeigen zu können.“

Gemeinsam organisieren sie beispielsweise die historische Retrospektive „Magical History Tour“. Stummfilme wie Nouvelle-Vague-Hits, großes Hollywood-Kino und Experimentalformen: Die Reihe deckt alle Epochen und Genres ab. Ab 1999 konnten Studierende zu ermäßigten Preisen hier Filme sichten, der Kinobesuch war im Seminar zu Filmgeschichte lange Zeit Pflicht.

„Die Studierenden haben es gern gemacht, denn es hat ihnen die Möglichkeit gegeben, mit Studenten aus anderen Instituten hin zu gehen“, glaubt Koch. Das Projekt hat sich mit den Jahren und den neuen Technologien allerdings verlaufen. „Heute gibt es weniger Bedarf als damals“, sagt Koch. „Jeder kann sich Filme auf dem I-Pad runterladen und sie in der Bahn auf den Weg zur Uni angucken.“

Die Zukunft in der Vergangenheit?

Trotzdem kann von einem allgemeinen „Sterben des Kinos“ nicht die Rede sein: Wurden im Jahr 1993 rund 130,5 Millionen Kinobesucher gezählt, lag die Besucheranzahl in 2013 bei knapp 130 Millionen. Auch für Gregor und Koch bleibt das Kino die wichtigste Form, Film zu erfahren: „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich mit Filmen auseinanderzusetzen“, sagt Gregor, „aber das Kino ist ein Spielform, die sich immer wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, weil es gemeinschaftliche Aspekte und die Möglichkeit zum Austausch hat.“ Es bleibt zu hoffen, dass Filmstudierende an diesem Austausch am Arsenal auch in Zukunft teilnehmen werden, denn genau für sie ist er unverzichtbar.

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