Not my Bibliothek! | FURIOS Online
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Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Not my Bibliothek!

Die Baustelle vor der Rost- und Silberlaube nimmt Formen an. Bald werden 24 Bibliotheken in das neue Gebäude umziehen. Mathematikstudent  Max Krause graut vor dieser Vorstellung.

Montagskommentar (neu)Wo einst Apfelbäume blühten und Studierende sich eine Auszeit in der Sonne nehmen konnten, steht bald das neuste Aushängeschild der FU: Die Holzlaube. Ist es nicht schön, wenn die Universität neuen Raum für studentisches Lernen und Arbeiten schafft?

Nein. Oder zumindest nicht so. Die Holzlaube ist ein Holzhammerprojekt. „Zusammenführung der Kleinen Fächer und Neubau Naturwissenschaftliche Bibliothek“, so der offizielle Name des Vorhabens, vermittelt den ganzen Hochschulzentralismus, der dieser Lösung innewohnt. 24 Bibliotheken will die FU in einer einzigen zusammenfassen. In der Theorie klingt das vernünftig.

In Wirklichkeit schafft das Projekt vor allem neue Probleme. Der Plan dient vor allem den Finanzen der Uni. Die kann durch die bei der Zusammenlegung entstehenden „Synergieeffekte“ ein paar Stellen streichen. Studierende haben aber wenig davon.

Wer das nicht glauben kann, muss sich nur das letzte Bibliotheksprojekt der FU vor Augen führen: Die Philologische Bibliothek. Chronisch überfüllt, leck und mit rigiden Ausleihbeschränkungen – soll das die Zukunft auch für Nicht-Philologen sein?

Erschwerte Bedinungen für Naturwissenschaftler

Des weiteren kommen wir Naturwissenschaftler wie so oft zu kurz in den Universitätsplänen. Während die kleinen Fächer zumindest mit ihren Bibliotheken in die Holzlaube umziehen dürfen, reißt die Uni bei uns Bibliothek und Fachbereich auseinander. Kurz in der Pause zwischen zwei Veranstaltungen einen Begriff nachschlagen – das wird bald nicht mehr möglich sein.

Gerade in Fächern wie der Mathematik ist die Bibliothek als Ort zum regelmäßigen Lernen zentral. Die jetzige Situation wird den fachspezifischen Bedürfnissen gerecht: Es gibt einen „lauten“ Vorraum, in dem die Studis über Probleme in ihren Übungszetteln diskutieren können, und mehrere „stille“ Arbeitsplätze, wo man zum Beispiel Vorträge vorbereiten kann.

Eine einzige Bibliothek für alle kann den spezifischen Fachkulturen nicht gerecht werden. Gruppenarbeit in der Bibliothek können wir dann vergessen. Und genügend Arbeitsplätze für alle wird es wohl kaum geben.

Was passiert mit den freien Räumen?

Das ist umso schlimmer, weil die neue Bibliothek eine Präsenzbibliothek werden soll. So bleibt die einfachste Lösung – die Bücher auszuleihen und sich woanders zusammen zu setzen – versperrt. Stattdessen werden wir gezwungen, die neue Holzlaubenbibliothek mit ihrem verminderten Bücherbestand regelmäßig aufzusuchen, bevor wir zur nächsten Vorlesung zurück an den eigenen Fachbereich hetzen.

Einen positiven Aspekt, möchte man meinen, gebe es doch: An den Instituten wird durch den Auszug der Bibliothek Raum frei. Dies könnte die chronischen Platzprobleme lösen. Doch was mit den Räumen passiert, steht derzeit in den Sternen. Niemand garantiert, dass sie nicht am Ende einem prestigeträchtigen Forschungscluster zugute kommen. Dann stünden wir Studierende wie so oft mit leeren Händen da.

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