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Ein lupenreiner Studiengang

Noch können sich Studierende für den neuen Masterstudiengang „Global Communication and International Journalism“ bewerben. Er verbindet deutsche und russische Medienpraxis. Von Cecilia Fernandez

Ab dem Wintersemester 2014 gibt es an der FU den Masterstudiengang der FU „Global Communication and International Journalism“. Foto: Friederike Oertel

Ab dem Wintersemester 2014 gibt es an der FU den Masterstudiengang der FU „Global Communication and International Journalism“. Foto: Friederike Oertel

Putin, Russland, der Ukraine-Konflikt – diese Begriffe dominierten vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft monatelang die deutsche Medienlandschaft. Die Proteste in Kiew, die Annexion der Krim und die bürgerkriegsähnlichen Zustände in ostukrainischen Gebieten ließen Russland dem Westen so fremd erscheinen, wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr.

Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Entfremdung scheint der im nächsten Wintersemester anlaufende Masterstudiengang der FU „Global Communication and International Journalism“ ein Gegenprogramm liefern zu wollen: Der Master wird in Kooperation mit der Staatlichen Universität Sankt Petersburg durchgeführt. Die Studierenden verbringen jeweils zwei bis drei Semester an der russischen und an der deutschen Universität.

Unfreie Presse – unfreies Studium?

Brisant ist der neue Studiengang nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen Weltpolitik: Schon seit Jahren bemängeln Organisationen wie Reporter ohne Grenzen die mangelnde Pressefreiheit in Russland. Medien, die fest in staatlicher Hand liegen, gegängelte Reporter und gezielte Gewalt gegen kritische Journalisten – wie soll in so einem Umfeld Journalismus unterrichtet und studiert werden?

Margreth Lünenborg ist Professorin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU und war maßgeblich an der Konzeption des Studiengangs beteiligt. Sie kennt die gängigen Befürchtungen: „Sobald es auch nur den geringsten Hinweis auf politisches Hineinregieren seitens des Staates gibt, hören wir auf“, erklärt sie entschlossen.

Die Studierenden sollen in dem interdisziplinären, forschungsorientierten Masterstudiengang, der neben Modulen wie „Media Systems in Comparative Perspectives“ und „Modern Media Management“ ein Praktikumsmodul enthält, gemeinsam Formen des internationalen Journalismus analysieren und neue Möglichkeiten erproben. „Wir sind interessiert an internationalen Kooperationen. Würden wir nur mit ‚lupenreinen Demokratien‘ zusammenarbeiten, wäre der Kreis unserer Partner sehr klein“, sagt Lünenborg.

Kritisch und kreativ

Natürlich seien die Bedingungen für Journalisten in beiden Ländern unterschiedlich, aber gerade das ermögliche auch einen Austausch: „Sicherlich werden Studierende mit anderen Formen der Medienpraxis konfrontiert. Aber dadurch sollen sie auch zu einer kritischen und kreativen Auseinandersetzung mit Medien kommen.“

Die Bedeutung des Internets beispielsweise sei in Russland eine ganz andere als in Deutschland. „Die Relevanz von Online-Medien ist dort viel größer. Sie bilden Formen der Gegenöffentlichkeit, wo Aktivismus und Protest stattfinden“, so Lünenborg. Das Potenzial dieser Kommunikationskanäle und ihre partizipatorische Kraft sei etwas, das deutsche Studierende in den hiesigen Medienalltag zurücktragen könnten.

Russischen Studierenden bietet der Studiengang hingegen die Chance, die vergleichsweise freie Medienlandschaft Deutschlands kennenzulernen. Von einem Gefälle à la „Russen lernen in Deutschland wie Journalismus funktioniert“ möchte Lünenborg jedoch nichts wissen: „Aus vorangegangener Kooperation wissen wir, dass die russischen Studierenden sehr kritisch, mobil und international aufgestellt sind.“ Aha-Effekte werde es auf beiden Seiten geben.

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