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Von göttlichem Wissen und Unibürokratie

Für den Bund der Alevitischen Studierenden war die Stupa-Wahl schon bei der Anmeldung vorbei. Francis Laugstien hat nachgefragt, wie es dazu kam und wie es für die Gruppe jetzt weitergeht.

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Özden Sezgin (hintere Reihe, 2.v.r.) und der Rest des Vorstands des BDAS-Berlin. Foto: privat

Wer sich für die Wahl zum Studierendenparlament (Stupa) bewerben möchte, muss zwei einfache Regeln befolgen. Erstens: Es müssen mindestens fünf Kandidaten aufgestellt werden. Zweitens: Es müssen 20 Unterstützer gegenzeichnen. Der Bund der Alevitischen Studierenden (BDAS) ist mit seiner Liste an dieser vermeintlichen Hürde gescheitert.

„Ich kann mir das bis heute nicht erklären“, sagt ihr Generalsekretär Özden Sezgin ungläubig. „Die Unibürokratie hat uns da echt übel mitgespielt.“ Dabei hatte er doch sicherheitshalber vier Unterschriften mehr als nötig eingereicht, damit einer erfolgreichen ersten Kandidatur der Liste nichts mehr im Wege steht. Zwischen 39 anderen Listen wäre sie bei der Stupa die einzige mit muslimischem Hintergrund gewesen.

Grund für das Scheitern der Liste seien die unleserlichen Unterschriften gewesen, hatte der studentische Wahlvorstand bemängelt. Von den 24 Unterstützern habe man letztlich nur neun identifizieren können. „Hätte ich das gewusst, hätte ich 50 oder 60  gesammelt“, sagt Özden und lacht.

Unzufrieden ist er vor allem mit der Informationspolitik. „Anfangs hieß es noch, wir hätten nicht genügend Kandidaten aufgestellt, dann waren plötzlich die Unterschriften das Problem.“ Außerdem, meint er, hätte man ihn ruhig über die Mängel aufklären können, solange noch Zeit zum Handeln war.

Alevitischer Islam und Hochschulpolitik

So steht der BDAS bei der diesjährigen Stupa-Wahl nicht auf dem Stimmzettel. Trotzdem wird er sich weiter in der Hochschulpolitik engagieren. Die Religion, erklärt Özden, spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger seien Themen wie Demokratie, Transparenz und studentische Partizipation – Themen, die sich auch bei vielen anderen Hochschulgruppen finden. Daneben wolle man sich aber auch für die Schaffung eines alevitisch-islamischen Lehrstuhls einsetzen, um eine wissenschaftliche Erforschung des Alevitentums voranzutreiben.

Gegründet wurde der BDAS im Juli 2012 als einer von mehreren Hochschulverbänden des Bundes der alevitischen Jugendlichen (BDAJ). Die Organisationen stehen zwar in engem Kontakt, agieren aber unabhängig voneinander. Wer mitmachen möchte, muss nicht unbedingt die religiösen Ansichten des Alevitentums teilen, sagt Özden. „Wir haben auch schon einen Nicht-Aleviten bei uns.“ Trotzdem sollten potenzielle Mitglieder mit den Grundzügen der Religion sympathisieren.

Aleviten fühlen sich keiner der beiden großen Konfessionen des Islam, der sunnitischen oder schiitischen, zugehörig. Wegen der Verehrung des Kalifen Ali ibn Abi Talib, dem vierten Nachfolger des Propheten Muhammed, und einiger anderer Übereinstimmungen werden sie aber in der Nähe der Zwölferschia, der größten Gruppe der Schiiten, verortet.

Eine dogmatische Religionsauslegung lehnt das Alevitentum ab. Orthodoxe Glaubensinhalte des Islam werden interpretativ angegangen, die Gebote des Koran nicht immer wörtlich verstanden. Im Zentrum der Lehre steht der Mensch, dem das göttliche Wissen innewohnt, und der so zur wichtigsten Quelle der Religionsauslegung wird.

Die Auslegung der unergründlichen Ratschlüsse der Unibürokratie wird Özden auch in Zukunft beschäftigen. Für ihn und die meisten anderen Mitglieder beim BDAS ist Hochschulpolitik eine neue Erfahrung, in die sie sich erst hineinfinden müssen. Bis der BDAD bei der nächsten Stupa-Wahl eine neue Kandidatur einreichen will, will sich Özden seinen Traum vom Stupa trotzdem erfüllen, wenn auch zunächst nur auf der Zuschauerbank. „Außerparlamentarische Opposition“ nennt er das.

 

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