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„Sprache ist ein Teil von Lebensgenuss“

Anlässlich des Deutsch-Chinesischen Sprachenjahres präsentiert das Konfuzius-Institut der FU die Ausstellung „300 Jahre Chinesisch in Deutschland.“ Carlotta Voß war bei der Eröffnung dabei.

Chinesisch Ausstellung

Die chinesische Sprache ist beliebt wie nie. Foto: Carlotta Voß

„Chinesisch sprechen“ ist ein altbekanntes Synonym für komplizierte, unverständliche Sprache – trotzdem wollen es mehr Deutsche lernen als je zuvor. Aber vom exotischen Orchideenfach für Spezialisten bis zum Renner an der Volkshochschule war es für die Sinologie ein langer Weg – an dessen Anfang die Bilderschrift gar als Teufelswerk geächtet wurde.

Am vergangenen Mittwoch ist im Konfuzius-Institut der FU die Ausstellung „300 Jahre Chinesisch in Deutschland“ eröffnet worden. Die feierliche Vernissage stand ganz im Zeichen des Kulturaustauschs: Unter opulenten roten Lampions begrüßten Instituts-Direktorin Mechthild Leutner und Jiang Feng, Gesandter Botschaftsrat der Volksrepublik China, die versammelten Gäste. Mit Schmunzeln erinnerte sich Feng, wie er als Junge in der chinesischen Provinz ein Buch in merkwürdiger Sprache fand – einen deutschen Roman aus der Missionarsbibliothek. Und wie er später dann, schon lange in Deutschland, die Redewendung vom „Fachchinesisch“ zunächst nicht verstand, da ihm Deutsch komplizierter erschien. „Sprache ist ein Teil von Lebensgenuss“ schloss er sein kleines Plädoyer für die gegenseitige Sprachverständigung.

Die aktive Sprache ist alles

Dass die an jenem Abend bestens funktionierte, hörte man bei dem anschließenden Sektempfang in den Ausstellungsräumen: Chinesisch, Deutsch und Englisch tönten durcheinander, das Publikum war bunt gemischt. Zahlreiche Alumni der FU aus allen Disziplinen, Austauschstudenten, Deutsche mit Zweitwohnsitz in China und hochrangige Fachvertreter diskutierten angeregt über Kulturaustausch und Linguistik. Vom libanesischen Arabischlehrer bis zum Biologiestudenten kam man zu dem gleichen Schluss: Die aktive Sprache ist alles – und ohne Sprachkenntnisse das Leben ein Stück ärmer.

Auch das Urteil über die Ausstellung fiel geschlossen positiv aus: „Very interesting“ befand Jung Chen, chinesischer Austauschstudent der International Relations und seit zwei Monaten an der FU. Tao Jian, Mitarbeiter in der Institutsbibliothek, teilte diese Einschätzung ebenso wie Erich Gütinger, Volksschullehrer und ehemaliger FU-Student – der sich vor 40 Jahren entschied, Chinesisch zu lernen, „um Mao Tsetung im Original zu lesen.“

Wie unterschiedlich die Motive zur Beschäftigung mit der chinesischen Sprache über die Geschichte hinweg waren, ist auch zentrales Element der Ausstellung. Chronologisch geordnete Infotafeln zeichnen in Text und Bild die Stationen des 300-jährigen Sprachaustausches nach, angefangen mit den ersten Studien chinesischer Texte unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, zu dessen Lebzeiten die Bilderschrift noch als heidnische Gotteslästerung galt.

Von Leibniz’ Suche nach einer Universalsprache über die preußische Ostasien-Expedition bis hin zur Errichtung von Lehrstühlen für Sinologie an deutschen Universitäten setzte sich die Erfolgsgeschichte der chinesischen Sprache dennoch fort – und wird heute weitergeschrieben.

Die Ausstellung läuft bis zum 27. November, der Eintritt ist frei.

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