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Keilschrift lernen für jedermann

Wer besonders geschichtsinteressiert ist geht zur Vorlesungsreihe ,,Wissenstransfer im historischen Wandel“. Lisbeth Schröder fand sich beim Entschlüsseln der Keilschrift wieder.

 

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Vielleicht saht ihr schon in den Gängen der FU Plakate, auf denen ein Gehirn abgebildet ist und habt euch darüber gewundert. Unter diesem Bild steht der Veranstaltungsname „Wissensbewegungen – Bewegliches Wissen. Wissenstransfer im historischen Wandel“. Die Veranstaltung organisiert der Sonderforschungsbereichs „Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit“, der einen Einblick in seine Arbeit ermöglicht. Die Vorträge werden hauptsächlich von Mitarbeitern des Sonderforschungsbereichs gehalten und sollen sich dann wie ein Puzzle zum Gesamtbild fügen.

Die zweite Vorlesung am Mittwoch drehte sich um ,,Wissensbewegungen im Alten Orient – Wissen und Mehrsprachigkeit“. Den Vortrag hielten Prof. Dr. Jörg W. Klinger und Dr. Cale Johnson, die auch am Institut für Altorientalistik lehren. Für einen Vortrag mit einem so langen Titel wurde die Veranstaltung extrem gut besucht: Etwa 200 Besucher erschienen, die Woche zuvor waren es geschätzte 300, die ,,sogar teilweise auf der Treppe saßen“, wie eine Studentin erzählte. Laut Veranstalter war dies für einige Studierende eine Pflichtveranstaltung, aber es erschienen auch viele Zuhörer vollkommen aus eigener Motivation. Und die musste hoch sein: Aufgrund der schlechten Akustik und Sicht war es schwierig dem Besprochenem zu folgen. Während der Einleitung in das Thema waren aufgrund der vielen Fremdwörter fragende Gesichter zu sehen. Zum Beispiel das eines älteren Ägyptologen, der auf die Nachfrage ,,verstehen Sie etwas?“ mit ,,nicht ein Wort“ antwortete.

Die Rolle der Schrift

Wie trug die Schrift im alten Mesopotamien zur Entwicklung bei? Diese Frage versuchten die beiden Wissenschaftler zu klären. Mesopotamien war ein Gebiet, das heute größtenteils dem Iran und Nordosten Syriens entspricht. Dort verwendete man die Keilschrift, die mehrere Sprachen in sich vereinte. Klinger und seine Forschungsgruppe schreiben der Keilschrift im alten Orient eine ähnliche Rolle wie der Alphabetschrift in Griechenland zu, aus dem unser heutiges lateinisches Alphabet entstanden ist. Durch das Festhalten komplexerer sprachlicher Inhalte werden die Schriften als wesentlicher Antrieb für die Entwicklung in Mesopotamien und Griechenland gesehen.

Cale Johnson behandelte die Frage nach den Rechtschreibregeln in Keilschrifttexten und wie man damit umgehen kann indem er erläuterte, was man für Lehren aus der einen oder anderen Schrift- oder Bildtafel ziehen konnte. Beispielsweise waren auf einer Tontafel zwei Menschen zu sehen, die mit Hälmen aus einem Krug Alkohol tranken – Johnson deutete dies als Solidaritätshandlung. Auf einer anderen reichte eine Person einer anderen auch einen Krug Alkohol, was er wiederum als Hierarchiehandlung verstand. Auch besprach er eine als Schriftstück festgehaltene Debatte, die sich für den Laien erst wie ein normales Gespräch anhörte, sich aufgrund der vielen Metaphern aber als anspruchsvoller Dialog herausgestellt hat.

Für Menschen, die sich sonst nicht mit Sprach- und Geschichtswissenschaften beschäftigen war es schwierig dem Vortrag von Klinger und Johnson zu folgen. Es kommt noch hinzu, dass die meisten sich unter einer Veranstaltung des offenen Hörsaals etwas anderes vorstellen als mal wieder eine fachinterne Diskussion. Für diejenigen, die das nötige Hintergrundwissen besitzen war der Vortrag aber sicher spannend.
Wer diese und die Auftaktvorlesung verpasst hat braucht sich aber nicht zu ärgern: Sie sollen auf die Veranstaltungsseite hochgeladen werden.

Zu den weiteren Terminen der Vorlesungsreihe während des Semesters geht es hier.

 

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