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Denn wir wissen nicht, was wir tun

„Wie sicher wollen wir leben?“ fragt das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit in seiner Vortragsreihe. Auf der Suche nach den Risiken des Internets hat Karl Kelschebach die erste Vorlesung besucht.

Thema öffentliche Sicherheit im offenen Hörsaal. Illustration: Luise Schricker

Thema öffentliche Sicherheit im offenen Hörsaal. Illustration: Luise Schricker

„Terrorabwehr!“ Das mag vielen der etwa sechzig Besucherinnen und Besucher des Offenen Hörsaals als erstes in den Sinn gekommen sein, als sie den Titel der Veranstaltung am Donnerstagabend lasen: „Wie sicher wollen wir leben? Sicherheitsforschung im Dialog“. Doch nicht nur darum wird es gehen, verspricht Jochen Schiller vom Forschungsforum Öffentliche Sicherheit, das die Ringvorlesung ausrichtet. Auch Naturkatastrophen, Kriminalität und Lebensmittelversorgung haben ihren festen Platz in der Sicherheitsforschung.

So vielfältig wie die Themen sind auch die Perspektiven, für die das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit steht: Sozial- und Geisteswissenschaftler kommen ebenso zu Wort wie Techniker und Naturwissenschaftler. Gemeinsam werden Empfehlungen an NGOs und Politik erarbeitet – und erstaunlich selten mit „parteipolitischem Geplänkel“ erwidert, wie Jochen Schiller versichert.

Ziel der Veranstaltung des Offenen Hörsaals ist es, einen Einblick in die Sicherheitsforschung in ihrer ganzen Bandbreite zu bieten. Aber Vorsicht: Verständnisschwierigkeiten würden sich bei der Vielschichtigkeit des Themas nicht immer vermeiden lassen, warnt Jochen Schiller. Wenn man vom Teufel spricht: Irritationen stellen sich bei einigen Zuhörerinnen und Zuhörern rasch ein, als er als erster Referent der Ringvorlesung unter dem Titel „Wissen wir, was wir tun?“ technische Herausforderungen der Sicherheit unter die Lupe nimmt – und dabei mit nie gehörten Abkürzungen nur so um sich wirft.

Das Internet ist überall

Immerhin bestätigt sich, was wir irgendwie immer schon wussten: Das Internet ist überall! Was wir vielleicht nicht wussten: Dieses Überall beschränkt sich nicht auf unsere Scherereien mit dem Computer, sondern betrifft unseren gesamten Datentransfer sowie einen Großteil unserer Energieversorgung. Versagt das Internet, sind damit Stromleitungen, Kommunikation und Produktion lahmgelegt. Dabei ist das Netz keineswegs eine sichere Sache: Ein USB-Stick genügt, um darin einzudringen und große Datenmengen zu verwüsten.

Dass damit unabsehbare Risiken einhergehen, zeigt der Versuch eines Hackers, das Betriebssystem eines Widersachers zu beschädigen. Einige Patzer, die ihm dabei unterliefen, blockierten neun Stunden lang für 475 Millionen Nutzerinnen und Nutzer das Internet – mit allem, was dazugehört. Umso ärgerlicher ist es da, dass kaum jemand so recht weiß, was im Kern des Internets wirklich vor sich geht. Ist seine Komplexität überhaupt noch beherrschbar?

Zumindest ist man sich in der Sicherheitsforschung darüber einig, dass sie Maßnahmen erfordert, mit denen wir es bislang eher lax halten: Geschützte Passwörter, Entnetzung wichtiger Versorgungsbereiche und ein Repertoire an alternativen Versorgungsoptionen. Vor allem aber fordert Jochen Schiller ein Bewusstsein für die Risiken des Internets – damit wir zumindest in etwa wissen, was wir tun.

Am besten also gleich für Informatik immatrikulieren – oder die Ringvorlesung besuchen! Beim nächsten Mal wird es um Sicherheitstechnologie und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gehen.

Zu den weiteren Terminen der Vorlesungsreihe während des Semesters geht es hier.

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