Episch miese Stimmung | FURIOS Online
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Episch miese Stimmung

Die Finanzkrise schlägt sich nicht nur in den Bilanzbüchern nieder, sondern drückt auch auf die Psyche. Matthias Bolsinger besuchte die Hauptstadt Griechenlands.

Mit FURIOS in Athen. Die Akropolis ist prächtig wie eh und je, doch die Stimmung ist gedrückt. Foto: Matthias Bolsinger

Es ist kein besonders gutes Wetter, um sich Sorgen zu machen. Kein Wölkchen steht am Himmel, die Sonne glüht, ein lauer Wind kühlt den Schweiß auf der Haut der Menschen. Wohl kein Platz ist in Athen zu dieser Zeit angenehmer als der Schatten eines Café-Pavillons, mit einem Frappé in der Hand, der die Kehle kühlt und die müden Geister weckt. Der Alltag dort könnte so unbeschwert sein.

Man könnte schreiben, dass das Leben in Griechenland trotzdem weitergeht, dass sich die Menschen durch ihre prekäre wirtschaftliche Lage nicht aus der Bahn werfen lassen. Der Kaffee schmeckt ja noch genauso wie früher. Doch das wäre gelogen. Im Land Homers herrscht episch miese Stimmung.

Die Krise hat die Menschen verändert. Alexandros, mein griechisch-ungarischer Reisegenosse, der in Deutschland geboren ist und mit mir an der FU studiert, ist bedrückt. Früher habe er einmal im Kiosk nach dem Weg gefragt und den Laden mit dem richtigen Weg im Kopf und einer geschenkten Flasche Ouzo in der Hand wieder verlassen. Diese mediterrane Lässigkeit ist dahin.

Die Wirtschaft, die Wirtschaft…

Im Discounter eskaliert, was unter der Oberfläche schon lange brodelt. Es ist nur eine Kasse geöffnet und die Menschen reihen sich mittlerweile in einer 20 Meter langen Schlange ein. Früher hätte das wahrscheinlich nicht dazu geführt, dass Menschen wutentbrannt auf die einzige Verkäuferin einschreien und aus dem Supermarkt brausen – hinaus in ein Einkaufszentrum, in dem nahezu alle Läden geschlossen sind. Eine alte Dame murmelt verbittert: „Die Wirtschaft, die Wirtschaft…“

Das Spardiktat der Troika greift den Menschen nicht nur in die Tasche. Es greift auch ihre seelische Verfassung an. Stolz thront die Akropolis über einer Metropole, die wie kaum eine andere zum europäischen Selbstverständnis getragen hat. Unten, wo die Menschen tagein, tagaus verkehren, ist vom griechischen Stolz nur noch wenig zu spüren.

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