Nackte Hintern und Bananen | FURIOS Online
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Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Nackte Hintern und Bananen

FURIOS wird fünf Jahre alt. Zeit für einen der Redaktionsgründer zurückzublicken. Tin Fischer erklärt, warum die Gegner von FURIOS das studentische Campusmagazin der FU nie verstanden haben.

FURIOS hatte noch nicht einmal einen Namen, da sollten wir uns bereits politisch festlegen und unser Verhältnis zum Asta klären. „Wer sagt, die Studierendenschaft braucht neben dem OoD [Out of Dahlem, das Heft des AStA] auch noch etwas anderes, sollte erst einmal auf den Punkt bringen, was ihn/sie am OoD stört“, meinte ein damals einflussreicher Blogger. Er warf damit die Frage auf, vor die an der FU jeder gestellt wird: Seid ihr links, böse oder einfach bloß passiver Teil des Problems?

Etwas naiv meinten wir, dass unser Heft „journalistisch“ und nicht „politisch“ werden soll. Fehler! Der Blogger folgerte daraus, dass wir also „feuilletonistisch-seicht“ werden wollen und somit über „After-Shower-Partys“, den nackten Hintern von WG-Genossinnen und das Bananen-Essen in der U-Bahn berichten. Offenbar hatte er davon mal in anderen Publikationen gelesen.

Als wir dann das erste Heft herausgebracht hatten, hieß es, wir seien „jung-neostockkonservatives blattgedöns“ (man lernt nie aus). Waren wir das? Die Wahrheit ist: Wir haben uns die Frage nach der politischen Linie nie gestellt. Und das war wohl die beste Idee, die wir je hatten. Vielleicht weil wir ahnten, dass sie an dieser Uni pures Gift ist. Aber auch, weil es an der FU genug Politik gibt. Das war einfach kein Markt. Letztlich aber, weil wir ein zu diverser Haufen waren. Ehemalige FURIOS-Redakteure arbeiten heute bei der liberalen „Neuen Zürcher Zeitung“ genauso wie beim sozialistischen „Neuen Deutschland“.

FURIOS ist immer dann am besten, wenn sich die Redaktion um Politik nicht schert und stattdessen Fragen stellt, auf die sie selbst noch keine Antwort weiß. Wenn Redakteure herausfinden wollen, was passiert, wenn sie als Bettler unterwegs sind oder sich mit falschen Lebensläufen bewerben. Wenn sie wissen wollen, wer hinter welcher Hochschulliste bei den Stupa-Wahlen steckt. Wenn sie das scheue politische Personal kennen lernen wollen.

Ich selbst schrieb für das Heft zum Thema „Unternehmer“ über Spieltrieb der FU. Kein Glanzstück. Aber ich sprach mit einem Professor, der Roboter Fußball spielen ließ und dessen Name, Raúl Rojas, außerhalb seines Instituts noch niemand aussprechen konnte. Interessant war, dass er sich politisch nicht einordnen ließ, dass er von seinen Studenten Ordnung und Disziplin genauso forderte wie soziales Unternehmertum. Ein Jahr später kandidierte er überraschend für das Präsidium der FU und avancierte zum frenetisch bejubelten Hoffnungsträger der studentischen Linken – den gleichen, die unser Unternehmer-Heft als eine Art neoliberales Machwerk verrissen hatten. Das blinde Huhn FURIOS, es hatte ein interessantes Körnchen gefunden.

Einige journalistische Fragen müssen wir uns aber trotzdem stellen. Warum hatten wir noch keinen investigativen Scoop? Warum noch keinen vielzitierten Essay? Warum noch keinen Witz, der sich viral auf dem ganzen Campus verbreitete? Das gilt es zu ändern. Ach so, und klar: Wie könnte man endlich mal über eine Banane und einen nackten Hintern berichten und was bitte schön ist eigentlich eine „After-Shower-Party“?

2 Kommentare

  • Ich habt ein tolles Heft aufgebaut, das m. M. nach den Nerv der breiten Studentenmasse trifft.

    Gut gut, dass ihr hinterfragt und für Aufklärung sorgt, damit die Asta-Heinis nicht einfach ihre Ansichten konkurrenzlos unter die Leute bringen können. Und genau da solltet ihr weitermachen und helfen, den Blick zu schärfen. Die FU braucht auf jeden Fall ein Alternativmagazin zu Out of Dahlem. Vor allem eines, das sich herzeigen lässt und nicht so ein olles aus Altpapier vom Asta.

    Ihr schreibt zu verschiedenen Rubriken und versucht, objektiv zu bleiben.
    Tolles Heft! Weiter so!

    (Schön wäre natürlich, wenn noch weitere Hefte gegründet würden, um die Vielfalt an unserer Uni zu zeigen.)

  • Was für ein Rührstück.
    Schnief
    Schnief
    Hört und fühlt sich sich an wie: 100 Jahre Furios. Das man in 5 Jahre genau so viel Pantina ansetzten kann, rechtfertigt dann diesen Text…äh…Kommentar. Das ist doch eine Leistung. Hallo! Tage und Nächte voller Gedanken. Werden wir es schaffen? Hilf uns Gott.
    Aber was wurde denn hier eigentlich kommentiert?
    Vermutlich hat sich hier jemand ins Rampenlicht „kommentiert“: „Ich selbst habe…“
    Ja
    Nee
    is klar.
    Weiter so DU. DU selbst hast. Kriegste n dicken Sahnebonbon für, und nen Orden, und das Banner der Arbeit und, und, und. Lass Dich überhäufen mit Preis und Ehr. Immer dem Abgrund nahe. Da schmecken die Früchte der Entbehrung noch mal so süss.
    Ja, weiter so!
    Wer hätte das gedacht, unvorstellbare 5 Jahre, das muss eine Last gewesen sein. Gut, sich die mal hier von der Seele geschrieben zu haben.

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