Die Literatur im Fokus | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Die Literatur im Fokus

Eine neue Literaturzeitschrift macht in Berlin die Runde. Gegründet von sieben Studenten, widmet sich „metamorphosen“ dem Kleineren und Wiederentdeckten in Kunst und Literatur. Von Maik Siegel

Das studentische Literaturheft „metamorphosen“ aus Berlin. Bild: metarmorphosen

In Berlin wimmelt es nur so von Literatur- und Kunstbegeisterten. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es mehr Lesungen, Ausstellungen und Galerien. Gerade unter Studenten finden sich unzählige Kreative, die sich in ihrer Freizeit im künstlerischen Bereich betätigen. Und dennoch fand der Student Moritz Müller-Schwefe nicht das Naheliegende: Eine Zeitschrift über Kultur, Kunst und Literatur, von Studenten gegründet und betrieben. Eine Marktlücke war gefunden. Was lag also näher, als eine solche Zeitschrift selbst zu gründen?

Ein Comeback

Einen Partner für seine Idee fand er in seinem Bekannten Ingo Držečnik, dem Besitzer des kleinen Berliner Elfenbeinverlags. Dieser hatte vor über zwanzig Jahren als Student in Heidelberg die Zeitschrift „metamorphosen“ gegründet. 2000 war dort die letzte Ausgabe erschienen. Držečnik ermunterte Müller-Schwefe zu einer Neuauflage in Berlin. Der Student hörte sich unter Kommilitonen nach Interessierten um und im Dezember 2012 traf man in einem Café zusammen, um an einem Comeback der „metamorphosen“ (so lautet auch das Motto der ersten Ausgabe) zu arbeiten. „Es war schon sehr viel Arbeit zu Beginn, aber wir hatten das große Glück einen in diesen Dingen erfahrenen Verlag zur Seite stehen zu haben“, berichtet Müller-Schwefe.

Das Kleine, fast Vergessene

Nach einer offenen Themenfindung kristallisierte sich das Programm der „metamorphosen“  bald heraus: „Überraschen aber wollen wir, und so halten wir uns vor allem an die kleinen Verlage, an das weniger Bekannte, fast Vergessene“ heißt es im Grußwort der ersten Ausgabe. Die Verbindung zu den Autoren und Verlagen entstand teils über die Kontakte des Verlages, teils aber auch über eigene. Redaktionsmitglied Michael Watzka hatte schon vor der Gründung den Dichter und Professor Heinrich Detering in Göttingen auf eigene Faust besucht und mit ihm gesprochen. Das Gespräch und die gewonnenen Ideen nutzte er dann für die erste Ausgabe. „Das sind spontane und interessante Stories, auf die wir bauen“, sagt Müller-Schwefe.

Im April 2013 erschien die erste Ausgabe im goldgelben Gewand. In einigen Buchhandlungen gibt es die Zeitschrift schon für zwei Euro zu kaufen. Die sieben Studenten bauten ihre Stände auch in den Berliner Unis auf und verkauften die „metamorphosen“  bei Lesungen. Die Verkaufszahlen seien hoch und die erste Auflage vergriffen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Erfolg“, erzählt Müller-Schwefe glücklich. „Es freut uns sehr, dass die lange Arbeit endlich Früchte getragen hat.“

Die Literatur im Fokus

Und wie lesen sich die „metamorphosen“ so? Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät, dass ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird: Verlagsporträts, unveröffentliche Gedichte, Theaterrezensionen und ein Filmessay schmücken die erste Ausgabe, wobei der Fokus deutlich auf der Literatur liegt. Dabei dient das Motto „Comeback“ nur als Rahmen, besonders in den Bereichen Theater, Musik und Film ist von einem übergreifenden Thema nicht mehr viel zu bemerken. Aber man verzeiht es der Zeitschrift sofort, wenn man die flüssigen und gut recherchierten Texte liest. Einzelne Illustrationen lockern die dichten Textfelder auf, die Werbung wirkt nicht zu aufdringlich.

Der Höhepunkt ist das Interview mit dem Dichter Heinrich Detering, der den „metamorphosen“ gleich noch einige unveröffentliche Gedichte mitgegeben hat. Jedoch ist der Literaturteil sehr lyriklastig, fast alle Rezensionen drehen sich um Poeten, im Bereich Unveröffentlichtes findet man nur Gedichte. In den kommenden Ausgaben wird sich zeigen, ob (Kurz-)prosa ebenfalls zum Zuge kommen wird.

Man merkt den Berliner Studenten den Mut und die Begeisterung am Thema an, mit denen sie an die erste Ausgabe herangegangen sind. In ihrem Geleitwort zur Ausgabe nennt die Dichterin Anna Katharina Hahn die Gründung einer Literaturzeitschrift ein „Wahnsinnswerk“, an das sich die Macher gewagt haben. Die Feuerprobe ist überstanden. Jetzt darf man gespannt sein, wie es weitergeht.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Angst vor nackten Tatsachen

Die Liebespaarbank am U-Bahnhof Dahlem-Dorf wirkt auf viele Fahrgäste verstörend. Ein trauriges Zeugnis von Intoleranz und sexueller Prüderie, findet Francis Laugstien.  » weiterlesen