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Akademischer Senat in Selbsttherapie

Der AS hat dieser Tage mit sich selbst zu tun: Am Mittwoch diskutierte das Gremium über seine internen Umgangsformen. Auch die Grundordnung war Thema – die AG ist offiziell wieder eingesetzt. Von Matthias Bolsinger

Neben der Grundordnung stand auch das Miteinander auf der Agenda des AS. Foto: Valerie Schönian

Der Akademische Senat (AS) hat auf seiner Sitzung am Mittwoch, 12. Juni, die AG Grundordnung wieder offiziell eingeführt. Die Arbeit der seit Monaten brach liegenden Gruppe soll mit Unterstützung durch die Statusgruppen beschleunigt werden. Außerdem arbeitete das Gremium an seinen internen Umgangsformen: Diesem Thema räumte der AS eine Stunde seiner Sitzungszeit ein. Zu einem Konsens gelangten die Statusgruppen dabei nicht. Relativ problemlos passierten dagegen neue Studiengänge das Votum des Gremiums, die ab kommendem Semester an der FU angeboten werden.

Nach einem Jahr der Zwischenbericht

Das Dauerthema Grundordnung sorgte für viel Debattenstoff. Klaus Hoffmann-Holland, Vorsitzender der AG, stellte den seit nunmehr einem Jahr vorliegenden Zwischenbericht der Gruppe vor. Bisher wurden lediglich Kriterien zur Bewertung der bestehenden Erprobungsklausel diskutiert. Die Ausarbeitung einer Grundordnung, die durchaus im Aufgabenfeld der Arbeitsgruppe lag, liegt noch in weiter Ferne. „Nach 13 Sitzungen hätten wir auch mehr haben können“, räumte Hoffmann-Holland ein. Dabei scheint nicht einmal die Erstellung einer Grundordnung selbst Konsens zu sein. So kritisierte Joachim Küpper vom Fachbereich AVL: „Wenn etwas einigermaßen funktioniert, sollte man damit doch zufrieden sein. Braucht man überhaupt eine neue Grundordnung?“

Allen Zweifeln zum Trotz wurde einem Dringlichkeitsantrag stattgegeben, nach dem die AG Grundordnung nun wieder eine Rechtsbasis hat. Möglichst bald sollen nun in den jeweiligen Statusgruppen Anforderungen an eine Grundordnung ausgearbeitet werden, die dann im kommenden Semester in die Arbeit der neu eingesetzten AG einfließen sollen. Der Arbeitsprozess soll damit beschleunigt werden.

Sorgt eine Ombudsperson bald für Frieden?

Auf Initiative des neuen Vizepräsidenten Klaus Beck nahm sich der AS eine Stunde Zeit, um sich über seine Umgangsformen auszusprechen.

Offen sprachen die AS-Mitglieder über das, was sie am Umgang in den Sitzungen störte. Kritik kam auf am Zeitmanagement, am Fraktionszwang sowie am mangelnden Respekt vor allem gegenüber den schwächeren Statusgruppen. Vize-Präsident Michael Bongardt riss das Gremium jäh aus der Kuschelatmosphäre: „Das ist mir zu gerade zu harmonisch!“ Man dürfe einfach nicht übersehen, dass grundverschiedene Auffassungen von Demokratie am Tisch säßen. Diese Spannung könnte nicht vermittelt werden.

Und tatsächlich: Durch die Blume hindurch warfen sich Studierendenschaft und Professoren erneut wechselseitig mangelndes Demokratieverständnis und Blockadehaltung vor. „Wir sollten uns darüber einig sein, funktionieren zu wollen“, forderte Hoffmann-Holland mit Hinblick auf die von Studierenden verhinderten Sitzungen. Küpper forderte die Studierenden auf, „Tricksereien“ sein zu lassen. Die Studierendenvertreter sahen sich dadurch erneut in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. Natürlich müsse der AS entscheiden können, entgegnete Studierendenvertreter Philipp Bahrt. Doch müsse er vorher auch angemessen diskutieren.

Raul Rojas schlug eine Ombudsperson vor, um die tiefen Gräben im AS zu überbrücken. Die könne neutral in Streitfällen vermitteln. Während Rojas’ Vorschlag in weiten Teilen des Gremiums Anklang fand, fasste Kanzler Lange diesen Vorstoß erbost als Ausdruck des Misstrauens gegenüber der Rechtsabteilung auf. Doch selbst wenn der AS sich auf die Bestellung einer Ombudsperson einigt – ihre konkrete Besetzung könnte wieder zum Politikum werden.

Konkrete Ergebnisse gab es in Bezug auf das Studienangebot der FU ab dem kommenden Semester: Mehrheitlich entschied der AS nach einem studentischen Gruppenveto, die Zulassung für das Modulangebot Ethik und den Masterstudiengang Musikwissenschaft zu stoppen. Ebenfalls mit einer Mehrheit wird ab Herbst ein BA in Pferdewissenschaften, ein deutsch-französischer Kooperationsbachelor in Politiwissenschaft/Sciences Sociales sowie je ein Masterprogramm für Environmental Policy/Planning  und Umweltmanagement eingerichtet.

2 Kommentare

  • WAS? Kein MA Musikwissenschaft, aber dafür BA „Pferde“wissenschaft““????

  • Hallo! Aufwachen!! Es ist Waaahlkampf!!!

    Liebe RedakteurInnen der FURIOS,

    ich finde Euer Engagement und Eure Artikel oft sehr gut. Der Artikel über die letzte AS-Sitzung beschreibt aber nur einen sehr kleinen, den unwichtigeren Teil der Veranstaltung. Nach meiner Meinung ist die letzte Sitzung aus den folgenden Gründen denkwürdig gewesen:

    Der Präsident der FU-Berlin stößt zwei Wochen vor der AS-Sitzung folgende Debatte an „Die Spitzenunis sind für die Masterprogramme zuständig, die Fachhochschulen für Bachelorprogramme – diese Debatte muss es geben.“ Eigentlich müssten die Reaktionen nun reflexartig aus der „linken Ecke“ im AS kommen. Aber nein. Fehlanzeige. Kein einziger Student und keine einzige Studentin, kein WiMi und kein SoMi aus der sog. Linken Fraktion stellt auch nur die Frage, was das sollte. Oder sind sie etwa, wie der Präsident der Meinung „Mit einem Klassensystem habe das nichts zu tun?“ http://www.tagesspiegel.de/wissen/zukunft-der-exzellenzinitiative-berliner-elite-unis-im-klassenkampf/8277580.html.
    Seltsam diese Ruhe. Warum protestiert keiner? Hat das etwas mit dem Wahlkampf zu tun? Oder schlafen nur alle?

    Die heiß umkämpfte Grundordnung stand auch mal wieder auf der Tagesordnung. Aber nicht, wie gewohnt, sondern mit – aufgepasst – umgekehrten Vorzeichen. Was ist passiert? Bisher waren die professoralen Listen sich einig: Eine Grundordnung bräuchten wir nicht. Mit der Teilgrundordnung seien wir bestens bedient. Daher beschäftigen wir die Mitglieder der AG-Grundordnung mal mit sinnlosen Vorarbeiten für die Vorarbeiten für die Evaluation der Teilgrundordnung. Wäre auch riskant gewesen einen echten GO-Entwurf ausarbeiten zu lassen. Rein rechnerisch hat(te) die Linke Fraktion mit Studierenden, den gewerkschaftsnahen SoMi-und WiMi-Listen und den professoralen Dienstagskreis und „Exzellenz und Transparenz“ die Mehrheit. Die Gefahr einer Grundordnung die für viertelparitätisch besetzte Gremien – also für echte demokratische Beteiligung aller Statusgruppen – sorgt, wäre aus Sicht der professoralen Listen groß gewesen.

    Auf der letzten Sitzung dann – zu aller Erstaunen – der Vorstoß von vier ProfessorInnen aus allen vier Listen. Per Dringlichkeitsantrag (!) sollte nun unbedingt schnell eine neue Grundordnungs-AG zum nächsten WS ins Leben gerufen werden. Der politisch versierte Menschenverstand fragt sich: Was ist hier los? Haben sich die Mehrheitsverhältnisse geändert? Gibt es Überläufer und damit eine professorale Mehrheit für eine professorale Grundordnung? Offensichtlich ja, denn jetzt sind ALLE ProfessorInnen für die Einrichtung einer neuen effizienten Grundordnungs-AG. Also auch die bisher als links geltenden Listen des Dienstagskreises und der Exzellenz und Transparenz. Und nun soll ganz schnell eine neue Grundordnung her. Natürlich ohne Viertelparität und das für lange Zeit.

    Hat es da Absprachen gegeben? Hat, nachdem der Dienstagskreis seinen Kandidaten schon als VP2 installiert hat, nun auch die andere linke Professorenliste einen VP-Platz ausgehandelt? Zum Beispiel VP4? – Und die Studierenden? – Merkwürdig ruhig sind sie auch bei diesem Tagesordnungspunkt gewesen. Dabei ist die Viertelparität doch machbar, wie uns unsere Schwesteruniversität soeben vorgemacht hat.

    Achja, und dann die Kuschelrunde „Wir-haben-uns-doch-alle-ganz-doll-lieb“, die vom Dienstagskreis initiiert wurde: Geschenkt. Ihr habt ja schon beschrieben, dass dabei nichts rausgekommen ist (wie auch?). Aber immerhin konnte sich Prof. Rojas (Liste Exzellenz und Transparenz) als Integrationsfigur (oder als VP4?) empfehlen, indem er eine Ombudsperson vorschlug. Und alle sind begeistert. – Geht’s noch? Ombudsperson gegen Viertelparität? Masterschmiede statt Bildung für alle?

    Die Studierenden waren diesmal so zahm, dass eine wissenschaftliche Mitarbeiterin sie daran erinnern musste, dass es ihr Part sei zu protestieren. Warum also diese Ruhe?

    Hat das vielleicht etwas mit dem Wahlkampf und der Verteilung der Posten (für die ProfessorInnen) und Pöstchen (für den Rest) zu tun?

    Ich weiß es nicht. Aber eins ist klar: Es ist Wahlkampf! Zeit aufzuwachen!

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