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In Zukunft: Herr Professorin Alt

An der Uni Leipzig wird nach einem Senatsbeschluss zukünftig von den Herrn Professorinnen gesprochen. Maik Siegel wünscht sich das auch für die FU.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Ein medialer Aufschrei geht durch Deutschland: Männer werden zu Frauen gemacht! Von Spiegel bis FAZ stürzten sich in den vergangenen Tagen sämtliche großen Medien auf die Nachricht, dass von nun an in der Grundordnung der Leipziger Universität ausschließlich die Rede von „Professorinnen“ sein wird. Das spare Zeit und sei handlicher als die gängigen, aber sperrigen Formen wie Professor/Professorin, so die Begründung. Und von wem stammt die Idee? Von einem Mann! Wer sitzt zu großen Teilen im Leipziger Senat? Die Männer!

Bedeutet das jetzt den Ausverkauf des männlichen Geschlechts? Müssen wir jetzt anfangen Sekt zu trinken und dabei über die beste Hautcreme diskutieren? Am Wochenende nur noch Frauen-Fußballbundesliga schauen? Uns über Rainer Brüderle empören?

Mitnichten! Es darf Entwarnung gegeben werden, denn in der Leipziger Begründung lässt sich eine typisch männliche Tugend erkennen: Faulheit. „Sollen die mal ihre Gender-Hysterie ausleben“, heißt das übersetzt. „Unsere Macht werden sie uns dadurch nicht wegnehmen, dafür sparen wir Zeit beim Tippen.“ Das ist natürlich im tiefsten Sinne paternalistisch, wenn die Machos den Fräulein einige Brotsamen vor die Füße streuen. So sagt auch der Gleichberechtigungsbeauftragte der Uni (ausgerechnet ein Mann – was ist da bloß los in Sachsen?), dass sich an der Situation der Frauen nichts ändern werde.

Für die Männer aber sehr wohl. Die FU, bekannt für ihre gendergerechte Politik, muss da nachziehen. Was böten sich uns Studentinnen da für Möglichkeiten zum Schabernack! Herr Professorin Alt begrüßt mit hochrotem Kopf ihre angesehenen Gäste. Im AS richten die studentischen Vertreter ihre Attacken jetzt gegen die „werten Damen“ von der Professorenschaft. Auf Protestplakaten gegen die Unileitung liest frau vom autoritären Verwaltungsstil der „Eisernen Lady“.

Aber nicht nur die männlichen Professorinnen, auch andere Gruppen werden zu leiden haben. Die berüchtigten Männerbunde verlieren jedweden einschüchternden Klang, wenn statt „Burschenschaft Germania“ die „Berliner Fräuleinschaft“ zum schmissigen Fechten und Kampftrinken auffordert.

Schlussendlich profitiert von dieser Posse niemand und die Frauen müssen erkennen, dass mit ihrem sprachlichen Geschlechtsmerkmal nur Spott getrieben wird. Und wer hat ihnen das eingebrockt? Die Männer natürlich.

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