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You can say „you“ to me!

In Zeiten der internationalen Vernetzung kann es schon mal schwierig werden, den Gegenüber richtig anzusprechen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus aller Welt tagte an der FU zu diesem Thema. Von Bente Staack

„Herr“, „Frau“, Titel oder doch lieber Vorname? Selbst unter Anredeforschern ist nicht immer alles klar. Foto: Bente Staack

Die Welt wächst zusammen: Globalisierung, Auslandssemester, Auswandern. Die Sprachen bieten unbegrenzte Möglichkeiten – aber auch Fettnäpfchen. Besonders, wenn es um Anredeformen geht. Da kann sich beispielsweise in Australien so mancher Professor auf den Schlips getreten fühlen, wenn man seinen Titel vor dem Namen nennt. Sie, you, Nachname plus Titel oder doch lieber nur den Vornamen? Das kann manchmal ganz schön verwirrend sein. Mit diesem Phänomen setzte sich am vergangenen Wochenende die Tagung „Adress(ing) (Pro)Nouns“ im Seminarzentrum der FU auseinander.

23 Sprecher teilten mit Interessierten in 14 Vorträgen ihre Erkenntnisse aus Forschung und Alltag zum Thema Anreden. Der Einzugsbereich der Anwesenden war breit – Gäste aus den USA, China, Australien und Schweden waren vor Ort, um nur einige der elf vertretenen Länder zu nennen.

Die Idee zu dieser Tagung entstand laut Horst Simon von der Arbeitsgruppe Historische Linguistik des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin im August 2012 beim „Sociolinguistics Symposium“. Simon und Kollegen aus Australien, Großbritannien, Schweden und Deutschland brachten den Stein ins Rollen. Sie verschickten Mails, warben für ihre Idee und schließlich trudelten die anonymen Bewerbungen in Form von Abstracts ein. Aus diesen wurden dann von der Arbeitsgruppe Historische Linguistik die Sprecher auserkoren. Die Kosten für die Anreise und den Aufenthalt trugen die Teilnehmer selbst.

Was hier als höflich gilt, ist anderswo ein Affront

Welche gravierenden Unterschiede es in der Anrede gibt, macht folgendes Beispiel deutlich: In Australien ist es offenbar üblich, im Gespräch einsilbige Namen zu zweisilbigen Namen zu verlängern und umgekehrt. Aus Peter wird Pete und Kim wird zu Kimmy. Und nicht nur namenstechnisch läuft der Hase in Down Under etwas anders. Das Ansprechen einer Person unter Verwendung ihres Titels wie „Dr.“ kann zu Verstimmung führen  – assoziiert man damit doch sofort ein fortgeschrittenes Alter. „Hier dagegen würden die Studierenden sofort schiefe Blicke ernten, wenn sie aufhörten, die Dozenten zu siezen“, sagt Heinz Leo Kretzenbacher von der University of Melbourne. Wir Deutschen sind eben doch ein bisschen zugeknöpft. Auch in den USA und Großbritannien wird häufig einfach der Vorname verwendet. Und das ist keinesfalls ein Zeichen von Respektlosigkeit. Das „you“ ist eben ganz schön praktisch.

Kretzenbacher beschäftigt sich bereits seit 1991 mit dem Thema internationale Anreden. Bei der Tagung sprach er über verschiedene Arten, sich vorzustellen. Ein Bereich, der viel Raum für Blamagen bietet. In Deutschland ist es nicht unbedingt gang und gäbe, beim Vorstellen „angenehm“ oder „freut mich“ zu sagen – und so vergisst man schnell mal das im Englischen übliche „nice to meet you“. Prompt ist man unhöflich, ohne es sein zu wollen.

Auch Susan Meredith Burt vom English Department der Illinois State University nahm die Reise nach Berlin auf sich. Sie gönnt sich momentan ein Jahr Auszeit vom akademischen Trubel, um sich intensiv mit dem Phänomen der Anredeformen zu beschäftigen. „Die Tagung an der FU ist ein guter Einstieg, um die unterschiedlichen Sichtweisen und die internationalen Gepflogenheiten zum Thema kennenzulernen“, findet Burt. Horst Simon betonte, die Pausen zwischen den Vorträgen seien besonders wichtig, um sich auszutauschen, zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen.

Laut Simon soll aus den Vorträgen ein Buch entstehen. Das könnte sich im globalen Anredendschungel sicherlich als nützlich erweisen – und einen unbeschadet am nächsten Fettnäpfchen vorbeinavigieren.

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