Da waren es nur noch neun | FURIOS Online
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Da waren es nur noch neun

Die Antifa hat in Gedenken an die NSU-Opfer neun Straßennamen überklebt – auch in FU-Umgebung. Was dahinter steckt und warum die Aktion ihr Ziel verfehlt hat, kommentiert Cora-Mae Gregorschewski.

Alte Schilder, neue Namen: In der Umgebung der Rost- und Silberlaube wurden die Lansstraße mit dem Namen „Theodorus-Boulgarides-Straße“  und die Iltisstraße mit „Enver-Simsek-Straße“ überklebt. Ergänzt wurden die Namen mit: „Von Nazis ermordet. Gegen Rassismus! Gegen das Vergessen!“

Der Campus ist nicht der einzige Ort, an dem solche Umbenennungen stattfanden. In verschiedenen Berliner Stadtteilen sind insgesamt neun Straßen betroffen: Sie tragen jetzt die Namen von Opfern des NSU.

Aktion ohne Tiefgang

Ecke Fabeckstraße: Das Straßenschild der Lansstraße wurde zum Gedenken an die Opfer des NSU überklebt. Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Der NSU ist eine rechte Terrororganisation, die in den Jahren von 2000 bis 2007, trotz staatlicher Observation, an mehreren Orten in Deutschland ausländische Mitbürger und eine deutsche Polizistin heimtückisch ermorden konnte. Mit der Aktion will die Antifa nach eigenem Bekunden dieser Opfer gedenken. Das ehrt die Aktion aber trotzdem nicht.

Denn wie man ihrer Seite entnehmen kann, hat die Antifa nur an neun Opfer erinnert. Des zehnten Opfers, der Polizistin Michèle Kiesewetter, wird nicht gedacht. Kiesewetter hat bei der Antifa Berlin einfach Pech: Sie ist deutsch, Polizistin und eine Frau. Das passt nicht ins Bild der Betroffenheitslyrik der Antifa. Dabei schreibt die Gruppe selbst auf ihrer Seite: Niemand dürfe, aus „menschenfeindlichen Gründen getötet“ werden. Klingt gut und edel, gilt aber anscheinend nur so weit,  wie es der Gruppe ideologisch genehm ist.

Ideologische Verkalktheit der Antifa

Die Polizistin nicht als Opfer zu erwähnen, ist — und das muss deutlich gesagt werden — rassistisch, Frauen- und  insbesondere menschenfeindlich. Außer man kann in der Gruppe einfach nicht bis zehn zählen. So starb Kiesewetter nicht nur durch die Kugeln des NSU, sondern ein zweites Mal durch die ideologische Verkalktheit der Antifa. Der geht es offenbar nur darum, den Beruf Polizist an sich abzustrafen.

Neben der Rechenschwäche und Rachsucht erweist sich die Aktion auch sonst ohne besonderen Tiefgang. Denn warum gerade die erwähnten Straßen überdeckt wurden, erfährt man selbst auf der Internetseite der Antifa nicht. Eine kleine Umfrage an der FU in den betroffenen Straßen zeigte, dass keiner der Passanten etwas mit neuen oder alten Namen anfangen kann. Namen sind Schall und Rauch, wenn man ihre Geschichte dazu nicht erfährt.

Eine der umbenannten Straßen hat jedoch einen deutlichen politischen Bezug. Es ist die Liebigstraße in Friedrichshain. In dieser Straße wurde im Februar 2011 ein illegal besetztes Haus von der Polizei geräumt. Nach der Räumung kam es zu zahlreichen Gewalttaten der linken Szene in der Umgebung und zu Auseinadersetzungen mit der Polizei. Diese Gewalt bekamen auch die neuen legalen Mieter des Hauses zu spüren.

Kriegsnamen rund um die Freie Universität

Auch hinter der Auswahl Straßen in FU-Nähe lässt sich eine bewusste Entscheidung vermuten: Die Lansstraße hat ihren Namen von Admiral Wilhelm von Lans. Der Namensgeber der Iltisstraße geht nicht auf das Tier zurück, sondern auf ein Kanonenboot, die Iltis, die 1898 vom Stapel lief. Deren Kapitän war der eben genannte Lans. Gemeinsam gingen die beiden heutigen Nachbarn bei der Niederschlagung des so genannten Boxeraufstand in China in die blutige Geschichte ein.

Es ist tatsächlich erstaunlich, was für ein fragwürdiges Kulturgut im Bereich des Campus FU noch immer widerspruchslos gehegt und gepflegt wird: Namen, die nur noch für Sackgassen taugen. Die Antifa klärt darüber auch nirgends auf, und lässt die vorbeigehenden Passanten im Unwissen. Damit hat sie in ihrer Selbstsucht all ihre Chance zur Aufklärung restlos verspielt.

9 Kommentare

  • Soweit ich den Text verstehe, soll die Umbenennung eine antirassistische Aktion sein und an die Menschen erinnern, die aus rein rassistischen Motiven ermordet wurden. Bei dem Mord an Michèle Kiesewetter ist meines Wissens nach das Motiv unklar; es dürfte jedenfalls nicht allein die Hautfarbe sein.
    Ich finde die Aktion in dem Punkt auch nicht unbedingt gut und finde die Erklärung zu der Aktion tlw. missverständlich und unklar. Trotzdem haben sich Leute Gedanken gemacht und was getan, statt einfach passiv zu bleiben. Und gemessen daran, was sich mit solchen Straßenumbenennungen erreichen lässt, ist das doch eine gute Aktion. Warum äußerst du nicht in diesem Sinn differenziert Lob und Kritik? Oder nimmst die Umbenennung gar als Anlass für weitergehende Reflexion zu dem Thema?
    Deine Kritik ist im Tonfall und inhaltlich vor allem destruktiv: Deinen Vorwurf derartig extremer Polizeifeindlichkeit nur anhand der Erklärung und der Aktion festzumachen halte ich für zu spekulativ.Und der Vorwurf von Sexismus und „Deutschenfeindlichkeit“ ist in der Form erst mal vollkommen daneben – womit belegst du das?
    Fazit: Bei mir entsteht der Eindruck, dass es dir stärker um eine gefühlsmäßige Abgrenzung gegen eine Gruppe „Antifa“ als um Inhalte geht.

  • Du hast weder die Problematik NSU, noch die Aktion dieser Antifa-Gruppen verstanden.

    Die NSU mordete nicht trotz staatlicher Überwachung sondern, weil ihnen VV Schutz und Geld gaben. Die NSU mordetet rassistisch Motiviert und die deutsche Presse machte damals die Opfer und ihre Angehörigen zu Täter indem sie Mafiaverbindungen rund um die „Döner-Morde“ suchte.

    Dass Michèle Kie­se­wet­ter ermordet wurde ist bedauerlich und das wird wahrscheinlich auch niemensch abstreiten. Die Motivation für diese Tat war wahrscheinlich aber eine andere als Rassismus und ihre Familien mussten nicht das durch machen was die anderen Opferfamilien erlitten.

    Diese Aktion richtet sich gegen Rassismus und konzentriert sich deswegen auf jene neun Morde. Alle waren Opfer des Terrornetzwerks NSU, aber Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat waren auch Opfer des Rassismus in Deutschland.

    Nie wieder Rassismus.
    Nie wieder Deutschland

  • @Nico P:

    ziemlich peinlich, wenn man nicht lesen kann und absolut dumm, wenn man nichts kapiert.

    Die Aktion der ANtifa heißt deutlich:“Straßenumbennung zum Gedenken an NSU-Opfer“ in den Kommentar heit auch „Von Nazis ermordet. Gegen das Vergessen!“ „Gegen Rassismus“ war nur einer von den drei Punkten. So jung und schon dement. Ist aber Szenetypisch. Legal, Illegal eben Scheißegal.

    So richtig dämlich wird es aber bei Dir: „Nie wieder Rassismus“ gefolgt von „Nie wieder Deutschland“. Ein perfektes Eiegentum. Gegen Deutsche zu sein ist also kein Rassismus. Aber in Deutschland kostenlos studieren.
    Zieh doch nach Moskau, zum lieben Putin oder nach Kuba. Was solchen Leuten, wie Dir, zwischen den zwei Gehirnzellen umgeht, ist unerträglich!

  • Jetzt weiß ich als Mediziner, wie ich einen Hirntod zweifelsfrei feststellen kann, indem der Patient solche Kmmentare abgibt, wie von „(erforderlich)“ und „Nico P“.
    Danke für diese Erkenntnis.

  • „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“

    Ignazio Silone

    Der NSU war eine Bande rassistisch verblendeter Stiefelnazis, die sich als Sperrspitze des deutschen Volkes im Kampf gegen Überfremdung verstand. Blöderweise vergaß man in der ganzen mörderischen Hektik die braven Volksgenossen mittels Bekennersschreiben über die Heldentaten in Kenntnis zu setzen. Als dieses Versäumniss aufgefallen war, wollte man die Bekennerschreiben dann schließlich bei einem mobilen Postamt auf einer Heilbronner Festwiese aufgeben. Die Postbeamten weigerten sich sie Briefe anzunehmen mit dem Hinweis, sie seien keine Postbeamten sondern Streifenpolizisten und also nicht zuständig. Das überraschte die beiden Uwes dermaßen, dass sie Michelle Kiesewetter und ihren Kollegen über den Haufen schossen. Dann kauften sich beide eine Tüte gebrannte Mandeln und drehten ein paar Runden mit dem Autoscooter.

  • @ Fluxus:
    An deiner Stelle hätte ich weniger lautstark und voreilig andere als dumm bezeichnet! Denn scheinbar bist du selbst kein Deut besser.

    Allein in Bezug auf den ersten Teil deiner Kritik steht gleich im ersten Absatz der Mitteilung der Antifa geschrieben: „Anlässlich des NSU-Prozessbeginns am 6. Mai 2013 haben wir in Berlin am 15.4. neun Straßen umbenannt, die nun an die Menschen erinnern, die vom sogenannten NSU aus rassistischen Motiven getötet wurden“.

    Aus diesem Satz geht ganz klar das Ziel und die Motivation dieser speziellen Aktion hervor: Die Erinnerung an die aus rassistischen Motiven Getöteten. Darüber hinaus wird auch das zehnte Opfer im Text genannt und nicht vergessen, anders als von der Autorin und dir behauptet! Da sich die Aktion jedoch speziell gegen Rassismus als Tatmotiv wendet, wurde die Polizistin bei dieser konkreten Aktion nicht mit eingeschlossen, wenngleich ihr Tot nicht weniger tragisch ist. Aber sie wurde eben nicht aufgrund ihrer Herkunft und/oder ihrer Hautfarbe ermordet.

    Vielleicht haben es du, die Artikelschreiberin und der angehende Mediziner nun doch noch verstanden? Ich kann es nur hoffen.

    @ Redaktion/Autorin
    Auch wenn es sich hier lediglich um einen (subjektiven) Kommentar von Cora-Mae Gre­gor­schew­ski handelt, so sollte er nicht wichtige und einfach zu recherchierende Fakten ausblenden. Andernfalls bleibt, wie hier geschehen, ein rein ex­kla­ma­to­rischer und nicht publizierfähiger Text übrig. Da war man in letzter Zeit doch besseres von der Furios gewöhnt.

    @ Flinker Wiesel
    Ich finde es immer amüsant, wenn sogar nur ein kurzer Blick in die Wikipedia genügt, um zu sehen, dass ein vermeintliches Zitat einer bestimmten Person gar nicht von ihr selbst verfasst oder geäußert wurde. Hauptsache, es ist ein geeignetes Instrument, um die Positionen der politischen Gegenseite zu verzerren, gerade wenn die vermeintliche Kritik aus ihren eigenen Reihen stammt.

  • @MenschX:

    Ich kann mich Fluxus nur anschließen und möchte mal wissen, wo Du auf der Antifa Seite den Namen Michèle Kiesewetter liest? Haben wir beide Tomaten auf den Augen oder Halluzinierst Du?
    Polizistin lese ich auch nirgends.
    Eine Deutsche wurde nicht erwähnt, dass ist auch Rassismus! Der Rest Disskriminierung. Starker Tobak, den die Antifa da verzapft.

    So lange mein Deine Meinung vertritt, ist die Furios gut aber jetzt wird nach der Redaktion gebrüllt. Dabei ist der Kommentar wasserdicht recherchiert.

    Setzen sechs, MenschX. Mir machst Du kein X für ein U vor.

  • @Mensch

    Die sog. „politische Postion“ wird nicht verzerrt, sondern auf den Punkt gebracht.

    Scheißegal, von wem das Zitat stammt. Hätte meinethalben auch von Käpt’n Blaubär sein können.

    Der Satz steht für sich. Wer will, versteht ihn. Du halt nicht. Wohnst eben unter der anderen Feldpostnummer. Ist OK so.

  • @Redaktion:
    Könnt ihr bitte mal darauf achten, wie der Ton sich hier entwickelt? Beleidigungen werden hier ohne Konsequenz ausgesprochen, neben einigen anderen Widerlichkeiten…

    Zum Thema:
    Die Autorin nutzt relativ offensichtlich die Aktion aus, um einigermaßen irrlichternd über die Antifa herzuziehen. Man kann sich durchaus darüber streiten, ob Kiesewetter in eine Aktion eingebunden werden sollte, in der es um rassistisch motivierte Morde geht. Warum sie erschossen wurde, ist meines Wissens noch nicht final geklärt, allerdings scheidet bei einer weißen Deutschen Rassismus als Tatmotiv von Neo-Nazis eindeutig aus.
    Und mit der Kristina Schröder’schen „Deutschenfeindlichkeit“ zu argumentieren, von der die Gute nicht mal selber weiß, was sie sein soll, ist schon ziemlich schwach.
    Zur Schreibe noch was zu sagen, fehlt mir leider die Zeit.

    In Richtung einiger vorheriger Kommentatoren: Man sollte Begriffe kennen bevor man sie verwendet…

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