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Gehört werden und zuhören

Für die Vortragsreihe „Aus den Schubladen“ holen Studierende der Deutschen Philologie ihre Hausarbeiten wieder hervor. Das erste Mal an der FU stehen nur sie auf der Bühne. Von Laura Bertram

Germanistikstudent Sven Lüder stand am 16. April als Erster auf der Bühne: „Mit Überlegungen zur germanistischen Arbeit heute“. Fotos: Cora-Mae Gregorschewski

Dienstagabend, 16. April, 18 Uhr. Der Hörsaal 2 in der Rost- und Silberlaube füllt sich langsam. Gleich beginnt die erste studentische Vorlesungsreihe an der Freien Universität. Die Initiatoren Carolin Schmidt und Robin Carstairs stehen vor der blauen Doppeltür und sprechen noch einmal ihre Rede durch. Währenddessen mischen sich unter die Studierenden auch vereinzelt Dozierende. Insgesamt sind etwa 75 Zuhörer auf den Sitzen im Raum verteilt. Einige haben ihren Laptop aufgeklappt, andere den Notizblock gezückt.

Carstairs und Schmidt beziehen hinter dem Rednerpult Position, über ihren Köpfen hängt eine große weiße Leinwand. Ein Trailer setzt ein. Er zeigt einen Studierenden bei seinem Unialltag: Für sich allein, lesend, in der U-Bahn, in der Bibliothek und in der Cafeteria. Der Film endet mit den Worten „Tausch dich AUS den Schubladen“. Carstairs und Schmidt sortieren ein letztes Mal ihre Blätter, es geht los.

Die Organisatoren der Vortragsreihe: Carolin Schmidt und Robin Carstairs

Noch nie zuvor gab es an der FU eine Vortragsreihe, bei der ausschließlich Studierende auf der Bühne standen. Die Idee zu „Aus den Schubladen“ entstand im November 2012.  Ursprünglich war sie als Workshop für den Institutstag geplant, entwickelte sich dann aber schnell in Richtung Vortragsreihe weiter, um die Vielfältigkeit der Germanistik darzustellen.

„Uns geht es darum, Studierenden eine Bühne für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu bieten“, erklärte Initiatorin Schmidt FURIOS im Vorfeld. Denn die Diskrepanz zwischen Leistungsdruck und Interesse an Literatur müsse gelöst werden, so die Germanistikstudentin. „Literatur soll wieder als Lebensform möglich sein“ ergänzte Carstairs.

Auch Studierende können Wissenschaft

Mitte Januar begann die Suche nach den Arbeiten, die vorgestellt werden sollten. Schnell waren die Referenten gefunden und die Initiatoren mussten sogar Absagen verteilen. Die schließlich ausgewählten Arbeiten reichen von Untersuchungen zu  Günter Grass‘ „Katz und Maus“ bis hin zu „Luthers Stellung zum Judentum“. Insgesamt 23 Germanistik-Studierende wollten ihre Werke vorstellen und anschließend Fragen beantworten: während des ganzen Semesters jeden Dienstag um 18.15 Uhr im Hörsaal 2 zu hören.

Bei den ausgewählten Arbeiten geht es nicht um die Bestnoten. „Wir suchten nach anderen, kritischen, innovativen  Arbeiten“, sagte Carstairs. Wie bei der Arbeit von Tina Böhmers: Sie kritisierte ihren Dozenten und  interpretierte das Gedicht „Nur zwei Dinge“ von Gottfried Benn auf ihre eigene Weise. Wie, wird sie am 14. Mai erklären.

Protest: Kritische Universität

Am heutigen Abend steht Sven Lüder als erstes am Mikrofon. Mit seinen „Überlegungen zur germanistischen Arbeit heute“ ist der Germanistikstudent der einzige Referent, der keine Hausarbeit vorstellt, sondern den Vortrag extra für die Reihe konzipiert hat.

Zuvor haben Carstairs und Schmidt ihre fest einstudierte Rede mit Bravour vorgetragte: Ihre Einführung „kritische Universität und Schubladen“  schlägt einen Bogen zur 1967 gegründeten kritischen Universität.

„Wir stehen in ihrer Tradition.“, sagt Schmidt – weil „Aus den Schubladen“ eine Form des Protestes bieten solle. Es sei ein Experiment, das alternative Formen des Lebens aufzeige. Die Vortragsreihe wolle Studierenden den Raum und die Zeit für Mitsprache und Beteiligung bieten, heißt es in der Rede der Studentin. „Sie wollen gehört werden und wir wollen zuhören.“

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