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„Gefangen“ in Gänsefüßchen

An der FU hat man eine neue Methode entdeckt, den Diskurs in der Hochschulpolitik von der langweiligen sachlichen Ebene abzubringen: Anführungszeichen. Max Krause geht dem Phänomen auf die Spur.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

An der FU, seit jeher Heimstatt der politischen Avantgarde, zieht ein neues Stilmittel in die Debattenkultur ein, das Anführungszeichen. Damit setzt sich ein Trend fort, der mit Sternchen und Unterstrichen begann: Sonderzeichen als politische Statements in Texte einzubauen.

Anführungszeichen, bisher hauptsächlich als harmloses Instrument zur Markierung direkter Rede verwendet, dienen in diesem neuen Kontext zweierlei Funktion: Einmal der Selbsterhöhung des Schreibenden, der zu verstehen gibt, dass er genau weiß, welche Begriffe ironiefrei in Texten verwendet werden können und welche nicht. Gleichzeitig schwingt die subtile Unterstellung an den politischen Gegner mit, er benutze eine Art „Neusprech“, um seine wahren Absichten zu verschleiern. Das alles zu erreichen mit Hilfe zweier einfacher Striche? — Genial.

An der FU hat die verfasste Studierendenschaft die neuen Möglichkeiten dankbar aufgenommen. Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, dass die vegetarisch-veganen Eliten der Hochschulpolitik auf ein Zeichen zurückgreifen, das die Umgangssprache als „Gänsefüßchen“ kennt. Allerdings ist das nur konsequent — schließlich markieren die „Gänsefüßchen“ böse Wörter, und was könnte das besser zum Ausdruck bringen als ein Symbol für die Ausbeutung seiner Mittiere? Eine Tierrechtsagenda unterschwellig in den hochschulpolischen Diskurs einfließen zu lassen? – Genial.

Als eine erste Maßnahme haben hochschulpolitisch Aktive beschlossen, die FU ab sofort nur noch „Freie“ Universität zu nennen. In der Asta-Villa wird seither versucht, Pressemitteilungen durchgehend mit der Abkürzung „F“U zu verfassen — mit mäßigem Erfolg. Gerüchteweise wird über Möglichkeiten nachgedacht, den Einsatz auszuweiten. Dann könnte es bald nur noch „Exzellenz“-Initiative, „Voll“-Versammlung und Literatur-„Wissenschaft“ heißen. Die politische Energie aufs Tippen von Sonderzeichen zu verwenden? — „Genial“.

Ein Meister im Umgang mit Anführungszeichen ist der „Hochschulblogger“ Mathias Bartelt. In seinen elaborierten Beiträgen bleibt kaum eine Zeile ohne die „ansprechenden“ Sonderzeichen. Dadurch wird jedem klar, welch sprachlich vermintes Feld die Hochschulpolitik ist und dass es einen wahrhaft „tapferen“ und „standhaften“ „Kämpfer“ braucht, um sich hier zu bewegen.

Ob wir es also wollen oder nicht — die „Gänsefüßchen“ sind „auf dem Vormarsch“. Alle sollten sich darauf einstellen: Bald können „Politiker“ Spott und Verachtung sogar ohne „beiläufige“ Nebensätze zum Ausdruck bringen und die Ironie wird „mit dem Holzhammer“ in Texte „eingedroschen“. Anstatt uns darüber als weitere „Sprachverschandelung“ aufzuregen, sollten wir „Gänsefüßchen“ als „Freund und Helfer“ willkommen heißen. Die „schöne neue Welt“ der Anführungszeichen wartet!

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