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Hol‘ schon mal den Wagen, R2D2!

Wer ein Auto fährt, möchte auch das Fahrgefühl selbst genießen.  Einer aber will diese Idylle zerstören: Raúl Rojas. Von Cora-Mae Gregorschewski

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Wenn es nach den Vorstellungen des Informatikprofessors geht, dann lenkt und denkt hinter dem Steuer kein Mensch und kein Gott, sondern ein schnödes Elektronengehirn. Dabei hat sich nicht einmal das automatische Schaltgetriebe durchsetzen können. Das Gefühl der Herrschaft über Gas und Hupe wäre dahin. Keine quietschenden Reifen mehr, keine Geisterfahrer und riskante Überholmanöver. Alles liefe wohlgeordnet und vollautomatisch – eine Entmythologisierung des Autos.

Selbstfahren ist eine der letzten Freiheiten des Menschen im Industriezeitalter. Beruflich überwachen wir meistens nur noch Maschinen. Danach benötigen wir einen selbstbestimmten Ausgleich. Mit dem Auto kann man sich wieder richtig austoben. Obwohl wir damit eigentlich nur eine weitere Maschine kontrollieren. Egal, der Mensch lebt ja vom Widerspruch.

Den Nonkonformismus glauben wir in der Geschwindigkeitsüberschreitung zu entdecken. Die Missachtung der Vorfahrt wird zur revolutionären Tat. Als Geisterfahrer schwimmt man gegen den Strom. Diesen letzten Rest der Freiheit an Entscheidungsmöglichkeiten und Auflehnung will uns Rojas auch noch nehmen. Vielleicht ist die Einschränkung der Freiheit grade der Grund, warum man in China auch so ein Auto entwickelt. Der Mensch schafft sich ab.

2050: Odysee im Stadtverkehr

Das Fahren mit dem Auto wird immer mehr durch Park- und Umweltzonen eingeschränkt. Die Verfügbarkeit des Autos als letzte Bastion in Marlboro-Country wird auch immer mehr minimiert, weil die Energiepreise, im Gegensatz zum Einkommen, mit Lichtgeschwindigkeit steigen. Andere erleben die Grenzen ihrer Freiheit in Massenkarambolagen oder an Alleebäumen. Zumindest diesem jähen Ende könnte das autonome Auto vorbeugen. Und: Nie mehr Stress durch dicht auffahrende Drängler. Sportliche Fahrweise war ohnehin schon immer ein Oxymoron. Der Geschlechterkampf im Straßenverkehr: obsolet.

Auf der anderen Seite: Will man bei Rot auf einer Mittelinsel stehen, an der vor und hinter einem Autos vorbeidüsen, die von Rechenprozessen gesteuert werden, wie man sie schon aus der privaten Computerwelt kennen? Was macht man, wenn der Bordcomputer plötzlich denkt, er wäre HAL und eine Odyssee der ganz besonderen Art beginnt? Wird man das Schiebedach noch selbst öffnen dürfen? Was ist, wenn der Musikgeschmack der Insassen nicht mit dem des Bordcomputers harmoniert? Ob man da immer noch cool bleibt?

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten in den Achtzigern mit einem U-Bahn-Zug schon ein ähnliches Projekt. Dieser verkehrte damals auf der kurzen Strecke zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße. Das löste schon es großes Unbehagen bei den Fahrgästen aus. Obwohl die Probleme sehr viel überschaubarer waren, als die, die sich einem Auto stellen, traute man der Maschine nicht über den Weg. Obwohl der Mensch auch nicht gerade ein Musterbeispiel für Zuverlässigkeit  ist. Ein Grund, ihn vielleicht auch abzuschaffen.

In der Zukunft wird man sich dann wohl an ein iAuto oder an ein MS-Dos-Cabrio mit Reset-Taste und monatlichen Updates gewöhnen müssen. Bis es jedoch soweit sein wird, hat sich bestimmt auch eine Lösung für all die zusätzlichen arbeitslosen Taxifahrer und Chauffeure sowie und das Energieproblem gefunden. Bis dahin noch etwas „Fahrspaß unlimited“, viele analoge Knöllchen und für alle Fälle ein schönes Fahrrad im Keller. Irgendwie gehört am Ende dann doch dem Fahrrad die Zukunft. Ob die Forscher das schon registriert haben?

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