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Hdgdl für Akademiker

Die Wahlplakate schleudern einem mal wieder Abkürzungen an den Kopf. Fan Ye findet: Irgendwo muss mit dem Abkürzungsfetischismus auch mal Schluss sein.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Freitagnachmittag, akademische Ferien: Ich hänge bei einer Freundin zu Hause ab und gucke zu, wie sie „Call of Duty“ spielt. Hauptkommentare ihrerseits sind, je nach Situation: „wtf“, „lol“ und „wth“. Montagmittag, Universitätsgelände: Überall hängen Plakate an Wänden und Bäumen, die zum Wählen animieren sollen. Der Plakatwald brabbelt fröhlich-unverständlich, aber kompakt vor sich hin: „AS“, „Stupa“,„Asta“ und so fort.

Zwei völlig verschiedene Situationen, die eines teilen: Abkürzungen. Manche hassen sie wie die Pest, andere wiederum kommen einfach nicht von ihnen los. In der Mittelstufe war man „in“, weil man sie benutzen und entziffern konnte, in der Oberstufe schließlich mied man solche Leute. Und in der Uni? Man findet sie in Rudeln! Das Mittelstufen-Comeback?

Ganz schön „out“ ist einmal wieder, wer den Buchstabensalat nicht verdauen kann. Bereits in meiner Einführungsveranstaltung kam es bei der Unmenge von Buchstabenkombinationen zu Missverständnissen. Erst mal studiere ich wohl PuK – die erste Abkürzung. Dann versuchte der Dekan uns klar zu machen, dass wir auf „B.A.“ studieren. Ich für meinen Teil dachte, ich sei hier, um einen Bachelor im Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaften zu erwerben. Ach richtig, bedeutet ja dasselbe. Wieso sagt man das dann nicht? Sind diese 2,8 Sekunden mehr so ein großer Verlust?

Mein persönliches Highlight erlebte ich in der ersten Sitzung meines Japanstudienkurses. Es war zwölf Uhr und ich döste noch ein wenig vor mich hin, als es um die Möglichkeiten zur Literaturbeschaffung ging. Und wieder eine Abkürzungslitanei: JSTOR, OPAC und UB – ich hörte nur noch mit halben Ohr zu. Plötzlich schreckte ich auf: „Stasi – was?“ So saß ich verwirrt mit offenem Mund da, bis mich die Kommilitonin zu meiner Linken informierte, dass die Dozentin über die Stabi, die Staatsbibliothek, sprach und ich nicht durch eine Tagtraumzeitreise in der DDR gelandet war. Glück gehabt.

Natürlich sind nicht alle Abkürzungen lästig, nur der Überfluss ist anstrengend. Ich will auch nicht jedes mal auf die Frage, wo ich studiere, antworten: „An der Freien Universität Berlin.“ – FU Berlin zu sagen ist einfacher. Aber mit dieser Flut an Abkürzungen fühlt es sich an, als würde man eine neue Art von Deutsch lernen: Unideutsch.

Jetzt stehen die Wahlen der universitären Gremien an und erneut berieseln mich gefühlte 31.985 Plakate mit weiteren Abkürzungen. Irgendwann werde ich vielleicht auch wie ein Profi aus dieser Buchstabensuppe löffeln. Bis dahin: „HDGDLFIUEBAED.“

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