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Das Zeitungssterben ist „unumkehrbar“

Warum rutschen immer mehr deutsche Zeitungen in die Pleite? Katharina Fiedler sprach mit einem, der es wissen muss: Journalistik-Dozent Andreas Eickelkamp erklärt die Hintergründe der medialen Krise.

Andreas Eickelkamp

Andreas Eickelkamp ist freier Journalist und an der FU Dozent für Journalistik. Foto: Corinna Schell

„Zahlungsunfähig“ — diesen Stempel müssen sich derzeit immer mehr deutsche Tageszeitungen aufdrücken. Nach den Insolvenzanträgen der Nachrichtenagentur „dapd“ und der „Frankfurter Rundschau“ in den vergangenen Wochen, steht Medienberichten zufolge nun auch die „Financial Times Deutschland“ vor dem Aus. Andreas Eickelkamp ist Dozent für Journalistik an der FU und arbeitet auch als freier Journalist für Tageszeitungen. Im Gespräch mit FURIOS erklärt er die Hintergründe des Zeitungssterbens, Versäumnisse beim Onlineangebot und mögliche Lösungswege.

FURIOS: Nach den Zeitungskrisen in Spanien und Frankreich ist die Welle der Insolvenz jetzt auch auf deutsche Tageszeitungen übergeschwappt. Inwieweit war das abzusehen, Herr Eickelkamp?

Andreas Eickelkamp: Dass Tageszeitungen vom Markt verschwinden, ist ein unumkehrbarer Trend. In zwanzig bis vierzig Jahren wird die Tageszeitung nur noch eine Randerscheinung sein. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die nächste und die übernächste Zeitung vom Markt gehen. Wir haben ungefähr 130 verschiedene Tageszeitungen in Deutschland. Die Zahl wird weiter abnehmen.

FURIOS: Wie sehen die Hintergründe des Zeitungssterbens aus?

Eickelkamp: Die Zahl der verkauften Exemplare bei Tageszeitungen geht seit mindestens 20 Jahren zurück. Menschen unter 40 Jahren lesen weniger oder gar keine Tageszeitung mehr und greifen zu anderen Medien. Der Grund dafür ist hauptsächlich ein gesellschaftlicher Wandel. Außerdem brechen seit ungefähr zehn Jahren die Anzeigenerlöse bei Zeitungen ein. Die Werbewirtschaft geht verstärkt in den Fernseh- und Onlinebereich. Das führt letztendlich dazu, dass die Tageszeitungsverlage in schwierige finanzielle Situationen kommen. Viele haben versucht, durch Personalabbau Kosten zu senken. Aber die Verlage haben auf den strukturellen Wandel keine Antwort gefunden.

FURIOS: Warum nicht?

Eickelkamp: Die Verlage waren da etwas einfallslos und sind es noch. Sie haben es versäumt, den weggehenden Lesern ein kostenpflichtiges Onlineangebot zu machen. Ich glaube, dass alle Verlage in die gleiche Richtung marschieren müssten, um die verlorenen Tageszeitungskunden im Onlinebereich wiederzugewinnen. Das ist jedoch nicht absehbar.

FURIOS: Welche Richtung schlagen Sie vor?

Eickelkamp: Wenn alle Tageszeitungen gleichzeitig ihre Onlineangebote nur noch gegen Bezahlung anbieten würden und es keine Ausnahmen geben würde, wäre das aus meiner Sicht eine Möglichkeit, wie die Verlage auch über Onlineveröffentlichungen Gewinne erzielen können. So könnten die Verluste im Print ausgeglichen werden.

FURIOS: Welche Tageszeitung erwischt es Ihrer Meinung nach als Nächstes?

Eickelkamp: Es ist schwierig, dort eine Einschätzung vorzunehmen. Da der Tageszeitungsmarkt nicht von einzelnen Verlagen, sondern von Verlagsgruppen mit vielen Vernetzungen geprägt ist, kann man diese nur schwer durchblicken. Man weiß nie, welcher Investor welche Zeitung wie lange halten will und kann.

FURIOS: Können Sie unter diesen Umständen Ihren Studenten noch uneingeschränkt empfehlen, Journalisten zu werden?

Eickelkamp: Ich rate auf jeden Fall dazu, Journalist oder Journalistin zu werden, weil das meiste von dem, was die Journalisten tun, unabhängig von der Mediengattung ist. Journalisten berichten, recherchieren, prüfen Fakten, bringen Themen auf, ordnen ein. Wer jetzt ein Praktikum bei einer Tageszeitung macht oder dort frei arbeitet, kann das Handwerk in allen Gattungen gut anwenden.

Frontpage-Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

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