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Wie uns das Studentenwerk verblödet

Infotainment belästigt uns täglich mit unnützem Wissen. Jetzt hält es auch noch Einzug in die Freie Universität. Lev Gordon hat sich dem Informationsunsinn ausgesetzt.

Offene Münder. Tropfender Speichel. Wie Drogenabhängige vor der Methadonverteilung stehen die Studierenden in der Schlange vor der Veggie-Mensa. Mit kaltem, leblosen Blick schauen sie auf den Monitor über ihren Köpfen. Vorne kann sich jemand mal wieder nicht zwischen Karottensticks und Kohlrabischnitzel entscheiden. Während sie warten, starren alle auf den riesigen, hochauflösenden Apparat, der sie mit den neuesten Un-Informationen, Nichtfakten und Pseudomeldungen versorgt.

Was über die Bildschirme flackert, hat einen Namen: „Infotainment“, eine Wortneuschöpfung aus „Information“ und „Entertainment“. So bezeichnen sich Medien, die den Zuschauer oder Leser durch Informationen unterhalten sollen. Es sind Anzeigetafeln, die das Interesse des Konsumenten mit Programmen über Politik, Boulevard und Ähnlichem wecken, um dann gezielt Werbung zu vermitteln.

Belastung für das selbstständige Denken

Infotainment ist vor allem Eines: Ablenkung. Aber wer geht schon in die Uni, um freiwillig wegen Banalitäten abzuschweifen? Das Programm ist überwältigend hohl. Unnötige Erläuterungen über die noch unnötigere Ernährungsampel, gefolgt von oberflächlichen Nachrichten, lieblosen Kino-Tipps und Eigenwerbung vom Studentenwerk. Doch so anspruchslos das Angebot erscheinen mag – es ist dennoch eine Belastung für klares, selbstständiges Denken.

Den Geist zu schulen, ist die eigentliche Aufgabe der Universität. Die Uni sollte eine Stätte des Wissens sein, ein Hort zukünftiger Denker. Gerade in der Hochschule sollten Studierende um jeden Preis vor Informationsmüll geschützt werden. Stattdessen wird die Verblödung, die mit dem Infotainment einhergeht, an der FU einfach hingenommen. Eine Ausbildungsanstalt, die sich nicht um die Köpfe schert, die sie ausbildet, verliert so einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit.

Steuerfinanziert Werbung

Hinzu kommt, dass die Werbung, die über die Bildschirme flackert, vom Studentenwerk bezahlt wird, einer steuerfinanzierten Organisation des öffentlichen Rechts. Ein staatlich finanziertes Unternehmen verschwendet Gelder für ein Projekt, das an Nutzlosigkeit kaum zu übertreffen ist. Sollte diese „Investition“ mit Werbung wieder ausgeglichen werden, wäre das Übel perfekt. Reicht es denn nicht, dass die ein Großteil der Silberlaube bereits mit Werbeplakaten zugekleistert ist?

Ob in der U-Bahn, im Fitnessstudio, an Häuserwänden am Alexanderplatz, Infotainment ist überall. Dass es jetzt Einzug in die Universität hält, ist inakzeptabel. Es kann nicht sein, dass eine staatliche Organisation zulässt, dass Tausende Studierende mit unbrauchbaren Informationen zugebombt werden. Durch die Berieselung der Bildschirme weiß ich am Ende des Tages zwar genau, was in der Welt abläuft – und vor allem was ich kaufen soll. An meine Vorlesungen erinnere ich mich dagegen kaum.

Ein Kommentar

  • Ich glaub, der Autor hat hier etwas missverstanden. Das Studentenwerk zahlt nicht für diese Werbung, es refinanziert dadurch die Kosten für das „Infotainment“. Das wiederum hält nicht „jetzt“ Einzug in die Universität, sondern hängt da seit so etwa 2007. Und kam damals mit klaren Vorteilen, weil es einfach besser zu verwalten ist als Papieranschläge. Die ihrerseits eigentlich auch nur Infotainment sind, nur analog.

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