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Weck mich doch am …

Der Wecker ist des Studierenden erster Feind am Tag. Lilly Buschs Weckfunktion ist besonders dreist und will ihr am liebsten den Alltag diktieren. Doch Lilly wehrt sich. So ein bisschen.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Wenn ich recht überlege, ist es lange her, dass ich den Wecker stellen musste. Die Schulzeit liegt hinter mir, und da es seitdem keinen triftigen Grund mehr gab, täglich vergleichbar früh aufzustehen, verließ ich mich in der letzten Zeit lieber auf meine innere Uhr. Ist zwar nicht so verlässlich wie ein Wecker, aber weitaus großzügiger, denn sie gesteht mir garantiert immer ausreichend Schlaf zu.

Dann näherte sich mein erster Uni-Tag. Am Abend vorher aktivierte ich feierlich die Weck-Funktion meines Handys, um am nächsten Morgen von einem furchtbaren Weckton aus dem Schlaf geklingelt zu werden, einer dieser Standard-Töne, die das Handy vorgibt – und von denen vermutlich jeden Tag Tausende Menschen gleichzeitig aus dem Schlaf gerissen werden. Irgendwie unheimlich.

Der Wecker krächzte. Schlaftrunken versuchte ich, ihn zum Schweigen zu bringen. Mit Erfolg, doch obwohl das Handy nicht mehr klingelte, blieb ein kleines, warnendes Weckersymbol am oberen Bildschirmrand. Unter der Weckzeit von gestern standen die Wochentage von Montag bis Sonntag, dahinter ein grünes Häkchen. Allmählich dämmerte mir, dass mein Handy für mich entschieden hatte, meine einmalig gestellte Weckzeit für jeden Wochentag zu speichern, einfach so.

Das heißt: Stelle ich einmal eine Weckzeit, werde ich theoretisch wochen-, wenn nicht jahrelang jeden Tag immer zur gleichen Zeit geweckt, ohne dass mein Handy meinen Alltag in Frage stellt, ohne dass ich mir jemals wieder einen Wecker stellen muss. Mein Telefon geht also davon aus, dass mein einmal entstandener Alltag sich nicht mehr zu ändern braucht – und dass er verflucht langweilig und gleichförmig zu sein hat. Ich finde das ziemlich frech.

Die Vorstellung, jemals derart maschinenhaft durch die Woche zu leben, gruselt mich. Das lasse ich mir nicht bieten! Seit dem ersten Uni-Tag schalte ich meine Dauer-Weckfunktion jeden Abend ein und morgens genüsslich wieder aus. Jeden Abend rechne ich mir die Zeit neu aus und grüble angestrengt darüber nach, wann ich wieder aufstehen sollte. Manchmal ist es zwar genau die gleiche Zeit. Aber egal! Das Gefühl dabei ist einfach ein anderes.

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