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Suchst du noch oder wohnst du schon?

Es herrscht Raumnot in Berlin, denn Tausende Studierende zieht es auch dieses Wintersemester wieder in die Hauptstadt. Die Wohnungssuche ist geprägt vom Frust über Makler und Mieten, findet Kirstin MacLeod.


Spätestens nach der 30. missglückten Besichtigung reißt jedem Wohnungssuchenden der Geduldsfaden. Der derzeitige Wohnungsmarkt in Berlin ist eine Katastrophe: Tausenden potenziellen Bewohnern der U30-Generation stehen einige wenige, dafür heiß begehrte Wohnungen gegenüber. Dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, erkennt schon jeder Grundschüler.

Wer meint, in Berlin sollte es genug Wohnraum für alle geben, der irrt! Das Problem ist nicht allein das Angebot, sondern die Nachfrage. Alle wollen dasselbe Gut. Die Kriterien sind so bekannt, dass sie jeder Suchende runterrattern kann wie ein Pastor das Glaubensbekenntnis: „Gesucht wird: Ein Zimmer in Kreuzberg/Neukölln/Prenzlauer Berg/Friedrichshain oder Mitte (es sei dahin gestellt, ob dort auch gewohnt wird), Altbau, abgezogene Dielen, Stuck, Balkon, mindestens zwei Zimmer und die Miete doch bitte nicht mehr als 500 Euro.“

Dass es das nicht für jeden geben kann, ist aber leider so sicher wie das Amen in der Kirche. Lagen die Quadratmeterpreise früher noch durchschnittlich bei etwa sechs Euro, verlangen Makler und Hausverwaltungen in den nachgefragten Kiezen mittlerweile teilweise mehr als elf Euro.

Makelhafte Makler

Nicht zu vergessen ist die Provision, die ein Makler verlangt. Der Service, der dafür geboten wird, ist einmalig: Einige Makler vergessen beim Besichtigungstermin den Schlüssel zur Wohnung, andere brechen den Schlüssel beim Aufschließen ab und schmeißen ihn dem Suchenden dann wutentbrannt vor die Füße, wieder andere erscheinen erst gar nicht zu den vereinbarten Terminen. Vorbereitung ist für einen Makler offenbar nicht die halbe Miete.

Zahlreiche Studierende versuchen diesen zusätzlichen Service zu umgehen. Eine WG muss her. Doch auch das ist alles andere als einfach, denn den Suchenden erwarten Wochen, gar Monate der effizienten Selbstvermarktung.

Bei einem WG-Casting wird wünschenswerterweise Coolness, keine Hipness — denn Hipster sind schließlich verpönt — bewiesen und Unkompliziertheit vorgetäuscht. Auf einmal sind alle Nichtraucher, die es aber nicht stört, wenn die Mitbewohner rauchen. Der Suchende feiert so gut wie nie eine wilde Party in der eigenen WG und Übernachtungsbesuch vom anderen Geschlecht ist für ihn ein scheinbar fremdes, weit entferntes Phänomen der Kleinstadt.

Böse Überraschungen

Wofür das alles? Zimmer, die mit hellen 20 Quadratmeter beworben werden, entpuppen sich als Kellerlöcher mit acht Quadratmetern und die guten Freunde, die schon seit drei Jahren zusammen in dem Objekt der Begierde wohnen, als paarungswilliges Pärchen.

Nach zu vielen erfolglosen Castings und Besichtigungen möchte man am liebsten sein Zelt auf dem Alex aufschlagen und laut in die Welt schreien: „Ihr könnt mich mal!“

Wer eine Wohnung im Wunschbezirk findet, kann sich also glücklich schätzen, zukünftig doch nicht in Occupy-Manier existieren zu müssen. 99 Prozent sind es sicher nicht, die dieses Glück haben. Aber mit einer guten Portion Narzissmus und Selbstüberschätzung wird es schon klappen mit dem Zimmerchen im Partymekka. In der größten Verzweiflung hilft nur noch ein Anruf bei den Eltern, die raten: „Hab‘ Geduld.“ Wie viel, bleibt abzuwarten.

Ein Kommentar

  • Berliner wissen, dass es nicht nur eine Legende ist: Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften vermieten Wohnungen ohne Courtage, auch renovierte Häuser aus den 60ern mit Laminat können sehr wohnlich gestaltet werden, so ein großes einzelnes Zimmer ist vielleicht auch ganz schön, zwingt halt nur ein wenig zum Aufräumen, und die Innenstadt von Berlin umfasst auch Schöneberg, Charlottenburg und Wilmersdorf.

    Ehrlich: Wer einmal in einer anderen Stadt nach Wohnraum gesucht hat, der weiß den Berliner Markt ziemlich schnell ziemlich sehr zu schätzen.

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