Stupa, die Erste | FURIOS Online
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Stupa, die Erste

Am vergangenen Dienstag hat sich das Studierendenparlament im Seminarzentrum der Silberlaube getroffen. Es gab Bier, Hund und Gesang. Lev Gordon besuchte das studentische Gremium zum ersten Mal. Ein Erlebnisbericht.

Stupa-Sitzung, April 2012. Foto: Lev Gordon

Stupa-Sitzung, April 2012. Foto: Lev Gordon

Ich gehöre zu einer Minderheit dieser Uni: Jedes Jahr gehe ich artig zu den Stupa-Wahlen. Das Studierenden Parlament war in meiner Vorstellung ein Bundestag in Kleinformat: Studentische Würdenträger, die sich für uns Studis einsetzen und über unser Schicksal entscheiden. Vergangenen Dienstag war ich das erste Mal selbst bei einer Sitzung dabei. Was sich dort abspielte, übertraf bei weitem die Grenzen meiner Vorstellungskraft.

Die Türen zu unserem Parlament sind weit geöffnet. Als ich eintrete, ist die Diskussion schon in vollem Gange. Ich setze mich schnell neben einen bärtigen Typen, der nur an der linken Hand einen Handschuh trägt. Von seinem Stimmzettel lese ich ab, dass er zur LHG gehört. Ich schaue mich ein wenig um: Links sitzen Menschen mit bunten Haaren in allen erdenklichen Formen und Farben. Vor mir sitzt die PARTEI, die auf ihren iPhones rumdrückt. Die meisten Listen-Vertreter im Raum nehmen das Getränkeangebot in Anspruch – Club Mate oder Bier.

Fünf Minuten später bin ich auf der Höhe des Geschehens. Gestritten wird über einen Entwurf zum „Studium Generale“, dass das jetzige affine Modul ersetzen soll. Es handelt sich um ein Modell, nach dem Studierende sich in jede Veranstaltung setzen und anerkennen lassen könnten. Schnell wird klar: Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) kämpft wieder gegen den Rest der Welt.

Ein Student erklärt der Liberalen Hochschulgruppe, dass der Antrag – selbst wenn der StuPa ihn absegnet – die zuständigen Behörden nie erreichen würde: „Das hier ist weder der Landtag, noch der Bundestag. Das ist das StuPa der FU.“ – Heißt auf gut Deutsch, der StuPa hat keinen Einfluss… Es gibt Beifall und ein Hund fängt an zu bellen. Daraufhin wird die Wichtigkeit des Entwurfs mit einem „Damenwind in der Parfümerie des KaDeWe“ verglichen. Erneut Beifall, begleitet von Bellen. Ein AStA Mitglied versucht die Anwesenden daran zu erinnern, dass Handzeichen statt Applaus vereinbart sind.

Ich verfalle kurz einem Tagtraum, werde aber jäh wieder ins Bewusstsein geworfen, als plötzlich die Hälfte des Saals aufspringt und aus dem Saal rennt. Als sie hinter den Türen verschwinden, erschallt lauter, fröhlicher Gesang: „Völkeeer hört die Signaaale, auf zum letzten Gefeeeecht! Die Internationaahaale erkämpft das Menschenreeecht!“ Das alles in einer Lautstärke, die das Mauerwerk des Seminarzentrums zum Beben bringt. Die übrigen 20 Menschen im Raum scheinen verdutzt, aber nicht wirklich überrascht. Kommt das etwa öfter vor?

Über die Lautstärke hinweg, erfahre ich bald den Grund des Protestgesanges. Ein junger Kerl mit neckisch übergeschlagenem grünen Schal hatte irgendwas davon geredet, dass das Gleichstellungsreferat die untergeordnete Rolle der Frau zementiert. Er meint, dass die Rolle der Frau festgeschrieben wird, wenn man sie anprangert… Aha. Na da höre ich doch lieber den Gesängen zu: „…kein Goooott, kein Kaiser, noch Tribuuun…“.

Dem ein-handschuhigen LHG Typen neben mir platzt der Kragen. Er hat genug von der Hymne: „DANN KANN ICH JA NÄCHSTES MAL AUCH MEINE FUSSBALLMANNSCHAFT MITBRINGEN UND DIE SOLLEN EIN BISSCHEN RUMGRÖLEN! SORGT MAL FÜR RUHE! HIER WIRD OFFENSICHTLICH NACH ZWEI MASSSTÄBEN GEMESSEN!“, brüllt er dem AStA entgegen. Während seines Aufrufs verlassen immer wieder ein Paar kleine Tröpfchen seinen Mund und spritzen ganz sanft auf meine Stirn. Vielleicht aus Mitleid mit mir oder um die Fußballmannschaft zu vermeiden: Irgendwann jedenfalls erbarmt sich einer der Vorsitzenden die Sänger wieder hereinzubitten.

Ich merke, dass es Zeit wird zu gehen, als wieder der Typ mit dem grünen Schal das Wort ergreift. Er erklärt, dass auch Männer diskriminiert werden, wenn sie als Sekretärin und Stewardess angesprochen werden würden. Es folgt eine vernichtende Gegenrede einer Gleichstellungsbeauftragten, gefolgt von schallendem Applaus. Und wieder bellt der Hund.

Ich verlasse ernüchtert den Saal. Diese Sitzung hat meine Vorstellung vom StuPa als Bundestag in Kleinformat als völlig realitätsfern entlarvt. Denn hier wird getrunken, gesungen und gebellt. Das wäre soweit in Ordnung. Das Schlimme ist jedoch, dass das von uns Studierenden gewählte Gremium sich weder ernst nimmt, noch an die eigenen Fähigkeiten glaubt.

Nichtsdestotrotz gehe ich auch nächstes Mal wieder wählen. Nur für den Kerl mit dem grünen Schal werde ich garantiert nicht stimmen.

2 Kommentare

  • 1. der mit der linken Hand im Handschuh war nicht von der LHG sondern vom RCDS

    2. es heißt DAS StuPa und nicht DER StuPa: Studierendenparlament.

    3. es wurde nicht von Damenwind sondern von Darmwind, also Furz gesprochen

    4. ansonsten ein wirklich belangloser Beitrag, aber was solls. Falschdarstellungen kommen immerhin nicht vor.

    Der mit dem grünen Schal war übrigens von der FSI Jura. Die würde ich auch nicht wählen.

  • Ich finde es ziemlich traurig, dass ihr euch für euren „Bericht“ offenbar bewusst nur die Dinge aus der StuPa-Sitzung rausgepickt habt, die – bei entsprechend darauf reduzierter und verkürzter Berichterstattung – potentiell dazu geeignet sind, das StuPa zu diskreditieren.

    Zudem möchte ich, wie auch mein Vorredner auf die zahlreichen, teils gravierenden inhaltlichen Fehler in dem Bericht hinweisen. Auch ihr solltet hier einmal über EURE Verantwortung für das ohnehin schon rare hochschulpolitische Engagement und letztlich die Demokratie an der Hochschule nachdenken, denn viele Studis glauben das was ihr schreibt. Eine gewisse Schwerpunktsetzung kann im Übrigen genauso wie schlicht falsche Berichterstattung dazu führen, dass Nonsens entsteht.

    Ich hatte beim Lesen eures Artikels auf jeden Fall den Eindruck, dass die Stoßrichtung, das StuPa als Lachnummer darzustellen, von Anfang an feststand. Ist vermutlich aber auch spannender als Hochschulpolitik – anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass kein einziger der durchaus vorhandenen hochschulpolitischen Inhalte Eingang in euren Bericht gefunden hat.

    So habt ihr z.B. kein einziges Wort über die beiden Anträge der fsi wiwiss verloren, welche inhaltlich extrem wichtige und hochaktuelle Themen adressieren und sogar einstimmig vom 31. Studierendenparlament verabschiedet worden sind. Wieso schreibt die Furios nicht einmal etwas dazu? Weil es von einer AStA-Liste kam oder weil es der Hauptaussage eures doch eher reißerischen Artikels entgegensteht? Vielleicht ja beides..

    Die Resolutionstexte sind im Übrigen unter fsiwiwiss.de einsehbar – ein kleiner Tipp für interessierte Leser_innen sowie die Furios-Redaktion!

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