Hirnchirurgie an der FU | FURIOS Online
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Hirnchirurgie an der FU

In der Philologischen Bibliothek, genannt „Brain“, wird es wohl auch im neuen Semester nicht ruhiger. Jüngst sorgte ein Wassereinbruch für neuen Ärger um den ewigen Patienten in der Habelschwerdter Allee. Von Christopher Hirsch

Im „Brain“ tropft’s von der Decke.                                   Foto: Christopher Hirsch

Die Philologische Bibliothek der Freien Universität macht ihrem Spitznamen „Brain“ derzeit alle Ehre. Essentiell für Wissen und Denken, aber auch komplex und verletzungsanfällig – so präsentiert sich das „Gehirn“ der Philologien. Die seit mittlerweile acht Monaten andauernden Arbeiten an dem Gebäude gleichen einem chirurgischen Eingriff mit ständig neuen, unerwarteten Komplikationen. Der jüngste Zwischenfall war ein Wassereinbruch, der zur Sperrung von mehreren Ebenen führte und die Aufstellung einer kunstverdächtigen Installation aus Eimern im östlichen Teil des Gebäudes notwendig machte.

Das Eimerensemble ist größtenteils wieder verschwunden und nur noch zwei Ebenen sind teilweise gesperrt, wie die Freie Universität Berlin mitteilte. 500 der 640 Arbeitsplätze seien wieder zugänglich, bei gutem Wetter seien alle Arbeitsplätze nutzbar. Ebenso stünden alle Bücher zur Verfügung. Ganz ohne Schäden verlief der Zwischenfall allerdings nicht: Laut Dr. Klaus Ulrich Werner, dem Leiter der Philologischen Bibliothek, wurden die Notebooks zweier Studierender sowie einige Computerarbeitsplätze und Tische in Mitleidenschaft gezogen. Bücher wurden nicht beschädigt.

Zu weiteren Niederschlägen in der Bibliothek soll es nicht kommen. Die Freie Universität spricht von „planmäßigem Handeln“ nach den Überraschungen der letzten Woche. Werner erklärte, es werde nur noch bei gutem Wetter am Bau gearbeitet. Bleibt die Frage, wie es zu den Komplikationen kam: Das eigentliche Problem schadhafter Dichtungen zwischen den Paneelen der Außenhaut sei schon seit Fertigstellung des Baues bekannt, so Werner. Er betonte, es handele sich nicht um einen konzeptionellen Fehler des Architekten Norman Foster, sondern vielmehr um Mängel in der Ausführung des Baus bzw. in der Produktion einzelner Teile.

Die Behebung dieser Mängel gestaltet sich offenbar schwieriger als ursprünglich angenommen. War der Abschluss der Bauarbeiten anfangs auf Dezember 2011 datiert, gehe man mittlerweile von Juni diesen Jahres aus, so Werner. Neue unerwünschte Nebenwirkungen könnten – nach Baulärm und Wassereinbruch – Temperaturschwankungen sein. Dennoch gebe es laut Werner keine Alternative zu den Arbeiten bei laufendem Betrieb, da die FU eine komplette Sperrung der Arbeitsplätze und Ressourcen nicht kompensieren könne. Man versuche, die Belastung für die Studenten wie bisher durch Verlagerung der Reparaturen auf den frühen Morgen und durch erweiterte Öffnungszeiten am Wochenende möglichst gering zu halten.

Die Bauarbeiten am „Brain“ sind also weiterhin eine Herausforderung. Bleibt zu hoffen, dass der Geburtsfehler am Gebäude sich nicht zu einem chronischen Hirnschaden der Philologien auswächst.

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