„Prügel-Präsi“ wieder „ausgerastet“? | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

„Prügel-Präsi“ wieder „ausgerastet“?

Während der Begehung zur Exzellenzinitiative sei mit Zustimmung des Präsidiums Gewalt gegen protestierende Studenten angewendet worden, behaupten Bildungsstreikende. In einer Sitzung des Akademischen Senats äußerte sich Präsident Alt zu den Vorwürfen. Von Florian Schmidt

Das Verhältnis zwischen den Akteuren der FU-Bildungsproteste und dem Präsidium der Freien Universität ist spätestens seit der polizeilichen Räumung des besetzten Seminarzentrums vergangenen November denkbar schlecht. Obwohl während der Räumung niemand zu Schaden gekommen war, kursierte danach ein mehrseitiges „AStA-Info“-Blatt mit dem Titel „Prügel-Präsi rastet aus“. Titelbild: eine Fotomontage von Präsident Peter-André Alt mit einem Schlagstock. Nun scheinen die Beziehungen einen neuen Tiefpunkt erreicht zu haben: Während der Begehung zur Exzellenzinitiative vor zwei Wochen hatte das Gremium um Präsident Alt und Kanzler Peter Lange einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, der den Henry-Ford-Bau vor protestierenden Studenten abschirmte – „mit Gewalt“, behaupten die Proteststudenten.

In einer Sitzung des Akademischen Senats am Mittwoch hat sich das Präsidium zu den Geschehnissen geäußert. Rund 30 Studenten waren als Gäste anwesend, um ihren Vorwürfen Nachdruck zu verleihen. Ihnen ging es einerseits um Beteiligung und Anhörung bezüglich der Exzellenzinitiative, andererseits um die konkreten Vorfälle rund um den Henry-Ford-Bau. Dort seien die angeheuerten Sicherheitsleute, die laut Anwesenden „teils eindeutig aus dem Türstehermilieu stammten“, mit Gewalt gegen demonstrierende Studenten vorgegangen.

Die Demonstranten warfen Präsident Alt vor, dies toleriert zu haben und verlangten zu erfahren, aus welchem Grund das Sicherheitspersonal überhaupt vor Ort gewesen sei. Ferner unterstellten die Studenten dem Präsidium indirekt, das raue Vorgehen gewollt oder gar forciert zu haben.

„Wir haben das Sicherheitspersonal beauftragt, den Henry-Ford-Bau zu schützen“, entgegnete Alt. Es sei darum gegangen, Störungen während der Begehung zu vermeiden. Zudem sollte auch der Lehrbetrieb, der während der Begehung regulär stattgefunden habe, ungestört bleiben. Aus diesem Grund hätten lediglich Studenten das Gebäude betreten dürfen, die dort zur fraglichen Zeit auch Vorlesungen besuchten.

„Haben Sie Angst vor Ihren Studierenden?“ fragte einer der Gäste. Alt reagierte gelassen. Natürlich habe man keine Angst vor den Studenten. Das Sicherheitspersonal habe lediglich dafür sorgen sollen, dass die Begehung zur Exzellenzinitiative möglichst reibungslos ablaufen konnte.

„Also Gesichtswahren durch Gewalt“, kam die Entgegnung. Doch auch diesen Vorwurf wies Alt entschieden zurück: „Es ist geradezu zynisch von Ihnen, zu behaupten, dass wir Gewalt angeordnet hätten.“ Es sei gar nicht bewiesen, dass das Sicherheitspersonal gewaltsam vorgegangen sei. Das Präsidium habe diesbezüglich eigene Untersuchungen angestellt, um sich ein Bild zu machen. Das Ergebnis: „Wir können ausschließen, dass Gewalt stattgefunden hat.“

Diese Äußerung Alts brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. Nachdem sie den Sitzungsverlauf schon zuvor mit zahlreichen Zwischenrufen, Pfiffen und Urlauten gestört hatten, machten die Gäste ihrem Ärger nun durch lautstarkes Getrampel Luft. Doch weil das Präsidium der Behandlung der Vorwürfe bereits mehr als eine Stunde der Sitzungszeit eingeräumt hatte, ging der Akademische Senat schließlich zur Tagesordnung über.

Anmerkung der Redaktion: Missverständliche Formulierungen im Text wurden ersetzt. (18.02.2012) Ergänzung: In der ursprünglichen Version des Artikels wurden die protestierenden Studenten irrtümlich pauschal als AStA-Mitglieder oder   -Anhänger bezeichnet. (20.02.2012)

7 Kommentare

  • Das ist die dreisteste Falschdarstellung, die ich bisher im hochschulpolitischen Kontext gelesen habe. Offenbar ist jetzt jede Studentin und jeder Student, der protestiert, sich äußert oder in einem Gremium sitzt, vom AStA. Gehts noch? Das waren Studierende von den Bildungsprotesten, auch die AS-Vertreter_innen sind nicht vom AStA. Wie kannst Du so einen Quatsch schreiben?

  • Albern. An der Stelle des AStAs würde ich hier eine Gegendarstellung fordern. Immerhin waren es Bildungsprotestler und keine Referent_innen oder gar ein ganzes kollektives Organ… das hier geschriebene entspringt eher dem Schwarz-Weiss-Denken des Autors.

  • Umgekehrt liest man in solchen Beiträgen immer davon, dass die Sicherheitsleute unbegründet Gewalt austeilen, wenn friedliche Demonstranten ihre Anliegen vorbringen. Nun habe ich diverse linke Demos erlebt und eins festgestellt: Die Vorstellung von „friedlich“ wird da sehr weit gedehnt. Sicherheitskräfte werden gezielt provoziert und kleine, im durch die Protestanten begonnenen Gewusel begründete Schubser werden zu brutalen Gewaltattacken stilisiert. Die Kerle müssen nur da stehen und niemanden durchlassen, wo niemand durchgehen soll, und werden zu Schlägern genannt. Das „Türstehermillieu“ ist jedenfalls ebenfalls eine sehr tendenziöse, grundsätzliche abwertende Bezeichnung einer ganzen Berufsgruppe, die den Standpunkt der Linken widerspiegelt, aber keinen neutralen Bericht.

    Fakt ist: Es gibt Studenten an der Uni, die nutzen jeden Scheiß dazu, sich zu profilieren, und schaden sich nachher selbst. Forderungen nach mehr Lehre sind wunderbar und unterstützenswert, aber wenn es jemals eine Initiative für gute Lehre geben wird, dann werden die Gelder nicht an Wald-und-Wiesen-Unis gehen, so realistisch muss man doch mal sein. Desweiteren sind gute Lehrer heute eben oftmals auch gute Forscher, und der Effekt kommt dadurch sekundär zum Tragen.

    Träumt weiter von der Revolution gegen das System, aber effektiver ändert sich ein System von innen heraus.

    P.S. Missverständliche Formulierungen zu korrigieren, ist eine Sache, aber der Transparenz förderlich wäre es, das Original oder zumindest die veränderten Passagen kenntlich zu machen.

  • Lieber Jakob,

    wir waren der Ansicht, dass die Beiträge deiner Vorredner ersichtlich machen, was wir verändert haben. Aber du hast recht. Die Anmerkung wird ergänzt.

    FURIOS Redaktion

  • @Jacob,
    Auf unzähligen Demos habe ich schon erlebt, dass zivile Polizeikräfte provozieren, um die Polizeigewalt zu rechtfertigen und die Demonstranten zu diskreditieren.
    Ehe Du solche einseitigen Urteile abgibst,wie in deinem Text, schau mal besser hin auf den Demos. Falls Du da überhaupt hingehst, was ich stark bezweifel.
    Die Zahl der Übergriffe und brutale Gewalt, einschließlich den Rechtsbrüchen liegt eindeutig auf Seiten der Polizei und Juristiktion. Die Mittel, die dem Volk bleiben, sind Ohnmacht oder Traumschiff schauen.
    Ohnmacht gegenüber einem System, dass immer kapitalistischer und unbarherziger wird. Traumschiffe erwischt es jetzt auch schon.

    Politiker müssen heutzutage bei Fehlgriffen aus ihren Ämter geprügelt werden, zeigen sich uneinsichtig, werden auch noch unterstützt und tauchen nach einiger Zeit schon wieder in der Politik auf.

    Zu Deinem nächsten Argument:

    „Träumt wei­ter von der Revo­lu­tion gegen das Sys­tem, aber effek­ti­ver ändert sich ein Sys­tem von innen heraus.“

    Der Satz ist eine närrische Herausforderung. Wer sollen denn die inneren Kräfte sein? Studenten gehören Deiner meinung nicht dazu, das ist seltsam. Was ist für Dich innen und was außen?
    Studenten gehören auch zum Volk, haben das Wahlrecht und haben auch das Recht zu demonstrieren.
    Veränderung geht vom Volk aus und dazu gehören auch Studenten.
    Wenn Du den „Marsch durch die Institutionen“ meinst, dann ist der kläglich gescheitert, wie man an den Grünen sieht. Wenn das die inneren Kräfte sein sollen, dann Träume Du mal weiter und dazu noch vom jüngsten Tag und der Erlösung, einer Armee aus Gummibärchen und dem Rächer von Witwen und Waisen.
    Vaya con dios!

  • „Des­wei­te­ren sind gute Leh­rer heute eben oft­mals auch gute For­scher…“

    Originelle These!

    Hast Du, Jakob, den Gedanken alleine gehabt […]?
    (Gelöscht. Bitte verzichte auf Beleidigungen. Die Redaktion.)

    Meine Lehrer an der Schule haben alle nicht geforscht. Mein Yoga-Lehrer forscht auch nicht. Der Fahrlehrer auch nicht…usw…

  • Wurde dazu was in der letzten Stupasitzung gesagt? Gibt es dazu einen Artikel??

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nicht nur’n Gangster-Ding

Rap wurde lange Zeit geringgeschätzt in Deutschland. Hip-Hop und Universität? Für viele ein Widerspruch. Aber nicht an der FU! Ein Seminarbesuch im John-F.-Kennedy-Institut. Von Florian Schmidt und Matthias Bolsinger  » weiterlesen